Pip: Willkommen bei Coffeenewstom — wo selbst ein Parkplatz auf Rhodos eine mythologische Debatte auslösen kann.
Mara: Genau da fangen wir heute an: Coffeenewstom nimmt uns mit auf den Filerimos-Berg, durch Kloster, Festung und Kreuzweg. Außerdem geht es um griechisches Frühstück, Kaffee mit schlechtem Gewissen und eine kretische Pasta, die man mit den Händen rollt. Fangen wir an mit Filerimos — und seinen eigentlichen Hausherren.
Filerimos: Pfauen, Pilger und Jahrhunderte
Pip: Der Filerimos-Berg ist offiziell ein Ort der Geschichte und Spiritualität. Inoffiziell regieren dort Pfauen — und sie wissen es.
Mara: Das Pfauen-Tagebuch setzt gleich am Parkplatz an. Die Beschreibung ist eindeutig: „Ihr Ruf klingt wie das Wehklagen eines heiseren Babys. Es ist eher ein unmelodisches, jammerndes Krächzen.“
Pip: Und trotzdem schlagen die Männchen ihr Rad, zittern die Federn, und die Weibchen verdrücken sich ins Gebüsch. Evolutionäre Werbung mit mäßigem Erfolg.
Mara: Der Post erklärt auch, warum der Pfau so präsent ist: In der griechischen Mythologie sind die hundert Augen des Riesen Argos nach seinem Tod ins Federkleid des Vogels übergegangen — auf Befehl der Göttin Hera, deren Lieblingstier er ist. Das Federrad zeigt also buchstäblich die Augen eines Wächters.
Pip: Was das Kloster Filerimos betrifft, liefert Lawrence Durrell den passenden Rahmen.
Mara: Im Post über das Kloster wird er ausführlich zitiert: „Man wandelt auf Philerimo durch Jahrhunderte, die sich ineinander verschlungen haben. Die Geister der alten Dorier teilen sich den Schatten der Pinien friedlich mit den Rittern des Heiligen Johannes.“
Mara: Was das im Klartext bedeutet: Schicht für Schicht liegt Geschichte übereinander. Die Akropolis von Ialysos stand hier, dann byzantinische Bauten, dann der Johanniterorden — und schließlich italienische Archäologen, die im 20. Jahrhundert restaurierten, allerdings weniger nach historischer Genauigkeit als nach faschistischem Repräsentationswillen. Ein Neubau im Kreuzritterlook.
Pip: Die byzantinische Festung, ein eigener Post, hat dasselbe Schicksal erlitten — und sieht laut dem Text eher aus wie ein Filmset in Mexiko.
Mara: Geblieben sind Tor, Mauer und zwei Gebäude. Dafür ist der Blick unverbaut: vom Filerimos aus sieht man bis zum höchsten Berg der Insel, dem Attavyros, und heute nutzen Feuerwehrleute den Standort als Beobachtungsposten zur Branderkennung.
Mara: Den Abschluss bildet der Kreuzweg — Via Crucis — den die Italiener 1934 anlegen ließen, obwohl Kreuzwege in der Orthodoxie völlig unüblich sind. Das ursprüngliche 30-Meter-Kreuz zerstörten die Italiener selbst, weil die deutsche Wehrmacht es als Navigationspunkt für Angriffe auf den Flughafen nutzte. Heute steht ein 18-Meter-Betonkreuz als Aussichtsplattform — mit Blick bis zur türkischen Datça-Halbinsel und zur Insel Symi.
Pip: Vom Kreuzweg direkt zum Kaffee ist eigentlich kein weiter Weg — zumindest auf Rhodos nicht.
Frühstück mit Gewissen: Bougatsa und Kaffee in Ialysos
Pip: Frühstück auf Rhodos klingt entspannt. Ist es auch — bis die Verpackungsfrage auftaucht.
Mara: Bougatsa kommt zuerst: Filoteiggebäck, süß mit Grießpudding, Puderzucker und Zimt, dazu ein griechischer Kaffee — gegessen auf dem Balkon, mit Wespen als ungebetenen Gästen. Das Rezept ist denkbar einfach, und wer Glück hat, findet Bougatsa in der griechischen Woche bei Lidl.
Mara: Das Il Toto in Ialysos liefert dann den Kaffee — und das Problem. Der Kaffee ist gut, das steht fest. Aber: ausschließlich Pappe und Plastik, keine Wahl, kein Porzellan. „Das Gewissen trinkt halt immer mit — und in dem Fall ist es ein schlechtes.“
Pip: Immerhin gab Grigóris nebenan am Vortag die Wahl. Drei Cafés, ein Polizeirevier, eine Ecke — und nur einer macht es richtig.
Kretische Pasta: Skioufichta mit Spargel
Pip: Kreta hat eine eigene Pasta — handgerollt, geriffelt, und kaum bekannt außerhalb Griechenlands.
Mara: Skioufichta sind kleine, verdrehte Röhrchen aus Hartweizengrieß und Wasser, traditionell mit den Fingern über die Arbeitsfläche gerollt. Das Rezept kombiniert sie mit grünem Spargel, Feta und Zitrone — und endet mit dem Hinweis: „Die Zitrone bringt die Frische in das Gericht. Einfach und einfach lecker!“
Pip: Wer keine Lust hat, selbst zu rollen: im griechischen Lebensmittelhandel gibt es sie fertig. Das Gewissen bleibt diesmal sauber.
Mara: Filerimos, Bougatsa, Skioufichta — Rhodos ist offenbar ein Ort, an dem Mythologie, Geschichte und Küche ständig ineinandergreifen.
Pip: Und die Pfauen wachen über alles. Bis zur nächsten Episode — Hera möge uns gewogen sein.