Kronjuwel byzantinischer Architektur: Das Kloster und die Burg von Filerimos thronen auf einem Hügel nahe dem antiken Ialysos auf Rhodos und bilden den Mittelpunkt eines eindrucksvollen Ensembles historischer Bauten. Die Anlage spiegelt Jahrhunderte Inselgeschichte wider, vereint durch eine faszinierende Mischung aus byzantinischen, hellenistischen und mittelalterlichen Überresten – darunter die verehrten Tempel der Athene Polias und des Zeus. Umgeben von einem ruhigen Kiefernwald, der ihre geschichtliche Bedeutung zusätzlich hervorhebt, lädt die Stätte zu einer einzigartigen Zeitreise ein.
Die strategische Lage der Burg und ihrer Befestigungsanlagen ermöglichte es den Rittern jener Zeit, einen sicheren Stützpunkt zu errichten und sich gleichzeitig wirksam gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Die Burg Filerimos, im 11. Jahrhundert von den Byzantinern errichtet, wurde teilweise aus Materialien wie Marmor und Mauerwerk erbaut, die man dem antiken Tempel der Athene entnahm. Dieses Vorgehen war bei den aufeinanderfolgenden Eroberern – von den Byzantinern bis zu den Italienern – gängige Praxis, da sie häufig ältere Ruinen demontierten, um an Baustoffe zu gelangen.

Während der byzantinischen Epoche diente die Burg vorwiegend als Sommerresidenz für Aristokraten und andere Mitglieder der Oberschicht. Mit der Zeit jedoch wandelte sich ihre Funktion zu der einer militärischen Festung. Auf dem imposanten Hügel von Filerimos gelegen, bot sie einen weiten Blick über die westliche Küstenlinie von Rhodos und ermöglichte somit eine frühe Warnung vor anrückenden Schiffen. In der Erkenntnis dieses strategischen Vorteils konzentrierten sich die Ritter des Johanniterordens unmittelbar nach ihrer Ankunft auf der Insel darauf, die Burg zu sichern.

Von der Rückseite des Klosters führt ein von Pinien gesäumter Weg zur Burg. Selbst, wenn gerade einmal viele Besuch das Kloster in Beschlag nehmen, auf dem Weg zur Birg ist man dann wieder alleine. Dabei ist auch da, wo auf dem Filerimos-Hügel die Natur das Sagen hat, zauberhaft und einen Besuch sicher wert. Nach nur wenigen Minuten erreicht man das byzantinische Bollwerk, oder zumindest das, was die Zeit und die italienischen Restauratoren davon übrig gelassen haben. Außerdem kam es während des zweiten Weltkriegs hier zu furchtbaren Kämpfen zwischen italienischen Truppen, die sich in der byzantinischen Festung verschanzt hatten und der deutschen Wehrmacht. Nicht zuletzt die ununterbrochenen Angriffe mit Stukas zermürbten die Italiener, so dass sie, trotz sechsfacher Übermacht, die Waffen strecken mussten. Doch von diesem schweren, historischen Erbe sieht man heute nichts mehr.

Viel hat die Zeit nicht übrig gelassen: erhalten sind das Tor, die Festungsmauer und zwei Gebäude. Beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass hier Geschichte Schicht für Schicht übereinander liegt: Marmorblöcke aus dem antiken Athene-Tempel wurden als Baumaterial für die mittelalterliche Festungsmauer wiederverwendet. Wie sich die italienischen Restauratoren eine byzantinische Festung so vorgestellt haben? Es erinnert mehr an ein Fort in Mexiko, zumindest als Filmkulisse dafür könnte es herhalten. Trotzdem lohnt sich ein Besuch der Festung: Von den Randbereichen der Anlage aus kann man den Blick über weite Teile von Rhodos bis tief ins Inselinnere schweifen lassen. Lawrence Durrell schrieb über Filerimos: „Solange wir an diesem Ort weilen, werden wir ihr nicht entkommen; es ist, als müssten unsere Gedanken für immer von ihren dunklen Eindrücken gezeichnet sein – von der Besessenheit einer steinernen Frau, geerbt aus einer Vergangenheit, deren größte Hoffnungen und Ideale in Trümmern lagen.“

Außerdem hat man die Burg für sich alleine. So hat man viel Zeit und Muße das Gelände selbst zu erkunden. Das eine oder andere sehenswerte Detail hat die Festung noch bieten. Ein Wachturm, auf den eine steinerne Treppe führt (leider abgesperrt) und ein restauriertes Gebäude, dessen hohe Fenster auf eine früheren Kirche schließen lassen. Ein in die Wand eingemauertes Marmorstück zeigt entweder, wie schön dieses Gebäude einmal gewesen sein muss, oder es ist ein Hinweis darauf, dass man sich für den Festungsbau an den Tempelruinen schamlos bedient hat. Leider fand sich keine Erklärung was es nun tatsächlich ist.

Die Reste eines Tonnengewölbes stehen frei auf dem Platz vor der Kirchen. Ein weiterer Wachturm (leider auch nicht begehbar) bewacht die Nordflanke. Kostas hat es sich auf einem Felsen gemütlich gemacht. Wie immer hat er nicht nur die Reise, sondern auch diesen Besuch hier geplant. Mal wieder gut gemacht! Das weiß Kostas natürlich auch, was man an seinem etwas selbstgefälligen Blick erkennen kann. Grieche halt. Kostas ist, seitdem wir uns bei meinem ersten griechischen Single-Urlaub auf Kos kennengelernt haben, mein treuer Begleiter und Reiseplaner, wenn es nach Griechenland geht.

Aber das absolute Highlight ist der fantastische Blick, den man hier hat. Vom Filerimos aus hat man einen guten Blick zum höchsten Berg der Insel, dem Attavyros. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden hier auch militärische Einrichtungen angelegt. Einige Stellungen am Filerimos-Berg zeugen noch davon. Die Aussicht von dieser Stelle machen sich auch die Feuerwehrleute der Insel zunutze, die hier in den Sommermonaten eine ideale Beobachtungsstation zur Früherkennung von Bränden betreiben.

Genug gesehen. Außerdem setzt mir das Laufen durch das hohe Graß ein wenig zu. Also wieder hinaus zum Festungstor und wieder zurück zum Kloster. Hier zeigt sich die Landschaft auf dem Filerimos-Hügel von seiner besten Seite. Ein sanfter Hügel, Gräser und Blumen wiegen sich im Wind, uralte Bäume mit knorriger Rinde spenden Schatten. Oben auf dem Berg ist es selbst im Sommer relativ kühl, was ihn zum Ziel für jene macht, die eine Alternative zu den belebten Stränden suchen. Im Schatten der Pinien und Kiefern lässt es sich wunderbar durchatmen. Hier hängt der Duft von Kräutern in der Luft, die Basis sind für den „Sette Erbe“, den grünen Likör aus sieben Kräutern. Wir reißen uns los, denn es gibt noch etwas zu sehen, hier auf dem Filerimos. Doch davon morgen mehr.

Quellen: Wikipedia, greece-moments.com, goodreads.com, rhodospalladium.com, rhodesguide.com, flyedelweiss.com.