Während ich dusche, wechselt der Himmel von Rot über Lila zu Schwarz. Nach diesem ereignisreichen Tag erfrischt mich das Wasser, das mir über den Körper rinnt. Nachdem ich mich abgetrocknet habe lege ich mich auf mein Bett. Draußen ist erschreckend schnell Nacht geworden, eine Straßenlaterne taucht den Weg in ein mattes, trübes Weiß, wie verschüttete Milch. Was für ein Tag! Stundenlang war ich in der rhodischen Altstadt unterwegs, habe in der Nea Agora Kaffee getrunken, Kuchen gegessen, ich hatte ein Souvlaki-Pita im Park und ein Bier im Schatten einer Moschee getrunken. Ich bin auf Lawrence Durrells Spuren gewandelt, habe das älteste Kaffeehaus Europas besucht und habe die faschistische Architektur der italienischen Besatzer ergründet (gibt es eine faschistische Architektur? Ich meine ja!). Und ich war auf der Akropolis und habe die Monumente der Antike bewundert.

Ich hatte meinen ersten Kaffee auf rhodischem Boden und erinnerte mich an das gleiche Erlebnis zwölf Jahre zuvor. Der erste Kaffee ist immer ein wichtiges Ritual, genauso wie der erste Einkauf oder der erste Spaziergang, um die Gegend zu erkunden. Ich bin durch mittelalterliche Gassen gelaufen, habe nach dem Koloss von Rhodos geforscht und habe die einer Kreuzfahrerkirche nachempfunden Kathedrale von Rhodos besucht. Ein Besuch des muslimischen Friedhofs im Schatten der Murat-Reis-Moschee rundeten meinen ersten Besuch der Inselhaupstadt ab.

Ich ziehe mich an und mache mich auf den Weg zum To Posperi. Ich lasse den Roller stehen. Das erlaubt mir Alkohol zu trinken, zumindest in Maaßen. Schon von weitem, als ich noch durch das Dunkel der Gasse gehe, sehe ich das freundliche, gelbstichige Licht der Taverne. Ich habe Glück, dass ich noch einen Tisch bekomme. Im Fernsehen läuft immer das gleiche Programm, eine Doku über das harte Leben in den winterlichen Wäldern Kanadas. Ich bestelle ein Lamm-Stifado mit Kartoffelbrei für unter zehn Euro. Dazu einen Oinomelo, einen traditionellen, griechischen Honigwein. Das Stifado ist zart, die Sauce kräftig und der Kartoffelbrei entpuppt sich als perfekte Beilage.

Der Oinomelo – auf der Karte steht Inomeno – ist süß und herb zugleich. Gut, dass die Flasche nur einen Viertelliter fasst, sonst liefe ich Gefahr zu viel davon zu trinken. Ich sitze in einer Art gemauertem Wintergarten, der um das ursprünglich kleinere Haus herumgebaut wurde. Man sitzt eindeutig drinnen, trotzdem geht es durch einen weiteren Eingang in das innere Innere. Dort befinden sich die Theke, der Fernseher mit dem immergleichen Programm und die Türe zur Küche, die sich in unregelmäßigen Intervallen öffnet und schließt, immer dann, wenn frisch zubereitete Köstlichkeiten den Gastraum erreichen. Dass das „innere Innere“ ursprünglich ein separates Haus war, erkennt man unter anderem daran, dass man durch Fenster in das „äußere Innere“ schaut (oder umgekehrt) an denen heute noch Fensterläden hängen.

Ich bekomme, wie immer, etwas Süßes zum Abschied. Vom warmen Licht der Taverne geht es wieder hinaus in das Dunkel der Gasse. Doch nach nur wenigen Schritten, wenn die Augen sich an die Finsternis gewöhnt haben, erkennt man die Lichter der Hauptstraße. Es gäbe noch eine kleine Abkürzung, die aber streckenweise unbeleuchtet ist, weshalb sie nicht wirklich in Frage kommt. In etwas weniger als einer viertel Stunde erreiche ich das Kassandra Hotel. Über das gut beleuchtete Gelände meandere ich bis zu dem Haus, in dem mein Zimmer ist. Die Außenwände strahlen noch etwas Wärme ab, in meinem Zimmer hingegen ist es angenehm kühl. Gut, dass man im Spätfrühling noch keine Klimaanlage bracht (denn die kostet extra). Ich lasse die Ereignisse des Tages vor meinem inneren Auge noch einmal Revue passieren und dann endet mein erster Tag auf Rhodos. Und das Beste ist, dass noch weitere folgen.
To Posperi, Par. Trianton, Ialisos, Griechenland; Öffnungszeiten: Montag – Samstag 18:30 – 0:00 Uhr.
Ein gelungener Tag, würde ich sagen.
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Spannender Rhodos Einstieg
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