Montags-Podcast Episode 5: Kaffee zwischen Genuss und Kritik

Pip: Coffeenewstom diese Woche: Pestizide im Kaffee, eine Hamburger Rösterei mit eigenen Farmen — und ein Urlaubstagebuch von Rhodos, in dem der Kaffee mindestens so wichtig ist wie die Festungsmauern.

Mara: Genau das deckt die heutige Folge ab: globale Lieferkettenprobleme, ein Blick auf direkten Farmanbau und eine persönliche Reisereportage von der griechischen Insel. Fangen wir mit dem an, was im Kaffee steckt, das da eigentlich nicht rein sollte.

Gift im Kaffee: Pestizide und doppelte Standards

Mara: Ein gemeinsamer Bericht von Coffee Watch, Deutscher Umwelthilfe, dem INKOTA-Netzwerk und PAN UK hat nachgezählt: 159 Pestizidwirkstoffe werden in der Kaffeeproduktion eingesetzt — 59 Prozent davon sind in der EU verboten.

Pip: Silke Bollmohr vom INKOTA-Netzwerk, Hauptautorin des Berichts, bringt es auf den Punkt: „Pestizide, die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt. Der so produzierte Kaffee gelangt anschließend wieder in unsere Supermärkte — die gesundheitlichen Folgen tragen jedoch andere.“

Mara: Das heißt konkret: Arbeiterinnen und Arbeiter in den Anbaugebieten tragen das Gesundheitsrisiko, während der fertige Kaffee in deutschen Supermärkten landet. Laut Bericht enthält etwa jede fünfte Tasse giftige Pestizidrückstände.

Pip: Allein in Brasilien wurden 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im Kaffeeanbau eingesetzt — mehr pro Hektar als beim Mais- oder Sojaanbau. Der Bericht nennt das, was es ist: ein Menschenrechtsproblem.

Mara: Coffee Watch, DUH, INKOTA und PAN fordern Bundesregierung und EU auf, den Export dieser Substanzen zu stoppen und Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen.

Tchibo und der direkte Weg von der Farm

Pip: Direkt daneben steht ein anderes Modell: Tchibo führt eigene Farmen und verkauft deren Kaffee jetzt unter eigenem Namen.

Mara: Der Beitrag beschreibt zwei Farmkaffees — einen Espresso von der Ipanema Farm in Brasilien, einen Filterkaffee von der Machare Farm in Tansania. Über die Machare Farm heißt es, sie sei „der bisher einzige komplett bio-zertifizierte Kaffeebetrieb im Land“ und verzichte vollständig auf Pestizide.

Pip: Das klingt nach dem direkten Gegenentwurf zum vorherigen Segment — wobei der Vergleich natürlich Tchibo zugute kommt.

Mara: Die Ipanema Farm in Minas Gerais wurde dreimal mit dem Cup of Excellence ausgezeichnet, dem sogenannten Oscar der brasilianischen Kaffeewelt. Beide Kaffees sind aktuell ab etwa 14 Euro für 500 Gramm erhältlich. Womit wir von Farmkaffee zu etwas ganz anderem kommen: einem Urlaubstagebuch.

Rhodos: Kaffee, Rituale und eine Insel

Mara: Das Rhodische Kaffeetagebuch ist eine mehrteilige Reisereportage — persönlich, detailliert, mit Kaffee als rotem Faden durch jeden Reisetag.

Pip: Der erste Teil schildert den Abflug in München. Am Flughafen, nach dem Check-in, kommt endlich die Ruhe für ein erstes Frühstück: „Also ein Cappuccino und ein Teilchen.“

Mara: Das ist der Ton der ganzen Reihe — beobachtend, geerdet, nah dran. Der Aufschrift auf dem Keks zum Kaffee widmet der Autor einen ganzen Absatz und macht daraus eine ehrliche Reflexion über Erschöpfung und Reiselust.

Pip: Der zweite Teil beschreibt den Anflug auf Rhodos: die Alpen, die ungarischen Ebenen, dann das Meer — und schließlich die Landebahn mit ihren Schlaglöchern.

Mara: Der Anflug-Teil endet mit dem Blick auf das Flughafengebäude: „Welcome in Greece – Rhodos.“ Schlicht, aber es trifft.

Pip: Dann folgt die Ankunft im Hotel Kassandra in Ialysos — benannt nach der trojanischen Seherin, die niemand ernst nahm. Das Hotel selbst ist pragmatisch gewählt: sauber, ruhig, keine unnötigen Extras.

Mara: Der vierte Teil widmet sich den Ankunftsritualen: Koffer auspacken, Supermarkt, Grundversorgung. Joghurt, Käse, Chips mit Oregano-Geschmack. Und dann die erste Taverne — die Taverna To Posperi, 400 Meter vom Hotel, günstig, von Einheimischen frequentiert.

Pip: Ein eiskaltes Alpha-Bier, Fetacreme, Bekri Meze. Der erste Reisetag endet genau so, wie ein guter Urlaub anfangen sollte.

Mara: Die Reihe ist noch nicht abgeschlossen — das Tagebuch läuft weiter, und mit ihm die Frage, was Rhodos noch zu zeigen hat.


Pip: Pestizide in der Lieferkette, Transparenz auf der Farm, Kaffee am Münchner Flughafen — das hängt mehr zusammen, als es auf den ersten Blick scheint.

Mara: Was konsumiert wird, wo es herkommt und unter welchen Bedingungen — das zieht sich durch alle drei Themen. Nächste Woche mehr davon.

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