Pip: Coffeenewstom nimmt uns diese Woche mit — von Wiener Kaffeehäusern über griechische Grillimbisse bis zu den Kaffeeplantagen dieser Welt und einem griechischen Lied, das beim Eurovision für Gänsehaut sorgte.
Mara: Genau. Coffeenewstom schreibt über Kulturorte und Kunstausstellungen in Wien, über Reiseeindrücke aus Rhodos, über Kinderarbeit im Kaffeeanbau und Nachhaltigkeitsprogramme — und über einen ESC-Beitrag, der hängen bleibt. Fangen wir mit Wien an.
Randfiguren, Rausch und Kaffeehauskultur
Pip: Wien hat zwei Kaffeehausgeschichten diese Woche — eine, die 165 Jahre zurückreicht, und eine, die gerade erst eröffnet.
Mara: Das Café Schwarzenberg feiert sein 165-jähriges Bestehen als ältestes Ringstraßencafé. Geschäftsführer Herbert Fuchs beschreibt es so: „Das Café Schwarzenberg ist ein Ort, der Menschen seit Generationen zusammenbringt, um sich Zeit zu nehmen, zu lesen, zu arbeiten, sich auszutauschen oder einfach den Moment zu genießen.“
Pip: 135.000 Kaffeevariationen im Jahr, Jazz-Brunch am Sonntag — das ist kein Café, das ist ein gesellschaftliches Grundnahrungsmittel.
Mara: Und im Café Kuchenamt im vierten Bezirk eröffnet am 22. Oktober eine Ausstellung von Voodoo Jürgens — Liedermacher, Schauspieler, Autodidakt. Seine Bilder erzählen, wie seine Musik, von Randfiguren, Rausch, Liebe und Tod. Vorlagen findet er in Internet-Screenshots und Flohmarktbüchern über den Wiener Untergrund. Das Kuchenamt gehört dem gemeinnützigen Unternehmen wienwork, das Menschen mit und ohne Behinderungen beschäftigt. Von jedem verkauften Bild gehen zehn Prozent des Erlöses an wienwork — die Ausstellung läuft bis 22. November.
Pip: Schwarzhumoriger Dialekt trifft soziale Integration. Wien bleibt sich treu.
Gyros, Käsebällchen und Rhodisches Alltagsleben
Pip: Vom Wiener Kaffeehaus nach Rhodos — konkret zu einem Grillimbiss, der beweist, dass gutes Essen keine Preisfrage ist.
Mara: Pita Time in Ialisos ist ein typischer kleiner Grill-Imbiss. Das Urteil fällt eindeutig aus: „Das Pita-Brot war lecker, die Pommes knusprig, das Gyros rösch und trotzdem noch saftig, die Sauce gut gewürzt — alles zusammen ein leckeres, kleines Mittagessen.“
Pip: Für 2,60 Euro. Eine Döner-Box in München kostet mindestens das Doppelte und schmeckt schlechter.
Mara: Am Abend desselben Tages folgt ein Besuch im To Posperi — diesmal ohne Fleisch: Tirokroketes, also Käsebällchen, und Briam, Gemüse mit Käse überbacken, dazu ein eiskaltes Mamos-Bier. Rhodos als Experiment, wie günstig man reisen kann, wenn man weiß wo.
Kinderarbeit und die Frage nach Verantwortung
Pip: Kaffee hat eine Schattenseite, die weit vor der Tasse beginnt — auf den Plantagen.
Mara: Die SOS-Kinderdörfer machen darauf aufmerksam: „Die Folgen des Klimawandels und die zunehmenden weltweiten Konflikte steigern das Armutsrisiko vieler Familien und befeuern damit die Kinderarbeit.“ 54 Millionen Kinder verrichten gefährliche Arbeiten — das UN-Ziel, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, wurde klar verfehlt.
Pip: 68 Prozent der Kinder zwischen fünf und elf Jahren, die in der Landwirtschaft arbeiten, tun das auf Kaffeeplantagen in Subsahara-Afrika. Das ist kein Randproblem.
Mara: Das Tchibo-Programm „Coffee2Stay“ versucht strukturell anzusetzen: 22.000 Farmen in neun Ländern, messbare Ziele statt Papiernormen. Pablo von Waldenfels sagt: „Die Grundursache vieler Nachhaltigkeitsprobleme im Kaffeeanbau ist Armut, nicht fehlender Wille.“ Bis 2027 soll der gesamte Rohkaffee aus verantwortungsvollem Einkauf stammen.
Pip: Und dann weiter zu etwas, das auch von Wurzeln handelt — aber in einem anderen Sinne.
Asteromata — ein Lied, das bleibt
Pip: Der Eurovision Song Contest 2025 — und ein griechischer Beitrag, der offenbar mehr hinterlassen hat als die meisten.
Mara: Das Lied heißt „Asteromata„, gesungen von Klavdia. Der Text beginnt: „Meine süße Mutter, weine nicht um mich / Auch wenn sie mich in Schwarz kleiden / Flammen können meinen / Gebrechlichen Körper nicht bezwingen.“ Klavdia landete auf Platz sechs — und wurde in Griechenland gefeiert wie eine Siegerin.
Pip: Den deutschen Beitrag kommentiert der Text mit einem freundlichen „nicht so prickelnd“. Platz 15 gibt ihm recht.
Mara: Gewonnen hat Österreich mit „Wasted Love“ von JJ. Aber „Asteromata“ ist das Lied, über das geschrieben wird — und das bleibt.
Pip: Kaffeehäuser als Begegnungsräume, Imbisse als Reisenotizen, Plantagen als Verantwortungszone — und ein Lied, das fragt, wohin wir gehören.
Mara: Viel davon dreht sich um Wurzeln: wo Kultur entsteht, wer sie trägt, was sie kostet. Bis zum nächsten Mal.