Es ist tatsächlich nicht so einfach: die Zahl der Siegel im Kaffeehandel hat dramatisch zugenommen. Doch nicht alle halten was sie versprechen. Während einige von ihnen durch neutrale Institute überprüft werden, sind andere wiederum selbst verliehene Siegel ohne große Transparenz und Aussagekraft und wieder andere stehen in dem Verdacht reines Greenwashing zu sein. Doch welche Siegel sind vertrauenswürdig?
Es gibt zum Beispiel unterschiedliche Definitionen von „Fairem Handel“. Auf internationaler Ebene haben sich die vier größten internationalen Organisationen des Fairen Handels (FLO, WFTO, NEWS, EFTA) auf eine gemeinsam anerkannte Definition geeinigt: „Fairer Handel ist eine „Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel seinen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit den VerbraucherInnen) für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“
Auf dem Papier sind natürlich alle Siegel super. Genau das sollen sie vermitteln. Die Wirklichkeit sieht manchmal aber anders aus. So kommt es vor, dass der Verbraucher die Wirkung eines Siegels überschätz. Das kann man zum Beispiel daran erkennen, was tatsächlich an Mehrwert beim Kaffeebauern ankommt. Stiftung Warentest hat im Mai 2016 Fairtrade International, Rainforest Alliance und UTZ sowie zwei weitere Nachhaltigkeitssiegel verglichen. Fairtrade schloss mit der Bewertung “Aussagekraft hoch” ab, wohingegen die anderen beiden Siegel nur die Bewertung “Aussagekraft mittel” bekamen.

Eine vom Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) finanzierte Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: Alle Labels verbessern die Lebensgrundlage der Bauern. Auf der Grundlage von rund 5000 Kaffee- und Kakaofarmen wurden u. a. Ertragssteigerungen und Verkaufspreise untersucht. Bei den zertifizierten Farmen konnten Ertragssteigerungen von 13% (Fairtrade), 15% (Rainforest Alliance) und 32% (UTZ) im Vergleich zum konventionellen Anbau erreicht werden. Der Verkaufspreis für die Kaffeebauern steigerte sich hingegen nur um 9% (Fairtrade), 10% (Rainforest Alliance) und 4 % bei UTZ. Es lohnt sich also der genaue Blick auf das jeweilige Siegel und den tatsächlichen Wirkungsgrad.
Vom Verbraucher ist von der dazu nötigen Recherchearbeit regelmäßig überfordert. Trotzdem lässt sich eine Empfehlung aussprechen: Als besonders vertrauenswürdig und streng kontrolliert gelten in Deutschland das Fairtrade-Siegel (TransFair), Naturland Fair sowie das Siegel Hand in Hand von Rapunzel. Diese Organisationen verbinden verbindliche soziale Mindeststandards mit unabhängigen Kontrollen. Fairtrade ist das weltweit bekannteste und von Verbraucherschützern gut bewertete Label. Es garantiert feste Mindestpreise und Fairtrade-Prämien für Kleinbauern, verlangt jedoch nicht zwingend den biologischen Anbau.
Naturland Fair bekommt in Tests (wie von Stiftung Warentest) oft die höchste Aussagekraft zugesprochen. Es verbindet fairen Handel eng mit strengen ökologischen Bio-Richtlinien und regionaler Erzeugung. Hand in Hand (Rapunzel) ist ein sehr strenges Kombi-Siegel für Bio-Lebensmittel, das feste Handelspartner, Prämien und langfristige Verträge garantiert. Und schließlich Gepa Fair+. Das Label der GEPA; die Organisation arbeitet nach sehr hohen Maßstäben, definiert jedoch keinen völlig losgelösten Standard für andere Unternehmen.

Beim Kauf sollte man deshalb auf folgende Kriterien achten: Unabhängige Kontrolle: Echte Siegel lassen ihre Standards durch externe Prüfgesellschaften (wie FLOCERT bei Fairtrade) kontrollieren. Mischprodukte: Achten Sie bei großen Verpackungen auf Hinweise, ob der faire Anteil bei 100 % liegt oder ob es sich um Massenbilanzierung (Mischung mit konventioneller Ware bei Zutaten wie Kakao) handelt. Unternehmenseigene Logos: Vage Aufschriften ohne externen Prüfstandard von Supermärkten oder Herstellern sind oft weniger transparent als offizielle Siegel. Bio-Siegel: wer auf Nummer sicher gehen möchte wählt einen Kaffee, der zusätzlich ein offizielles Bio-Siegel trägt (wobei auch hier die Aussagekraft schwankt!).
Die Beliebtheit der Siegel verführt zu Etikettenschwindel. Im Jahr 2014 stellte die Stiftung Warentest fest, dass der Orangensaft „Fairglobe“ von Lidl, welcher das „Fairtrade“-Logo trägt, keinesfalls unter als fair zu bezeichnenden Bedingungen hergestellt wurde. Vielmehr bekam die Plantage ein „mangelhaft“ für die Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz. Wissenschaftler der University of London fanden heraus, dass in Betrieben mit Fairtrade-Label in Uganda und Äthiopien Löhne zum Teil niedriger und Arbeitsbedingungen schlechter waren als in Betrieben ohne Fairtrade-Label. „Laut unseren Untersuchungen war Fairtrade kein effektiver Mechanismus, um das Leben der ärmsten Landbevölkerung, der angestellten Arbeiter, zu verbessern“, sagte Studienautor Christopher Cramer 2014 dem Guardian.
Ein Kaffee ohne Siegel muss also nicht automatisch schlechter sein. Das Fehlen eines Siegels kann nämlich verschiedene Gründe haben. Siegel sind teuer, weshalb viele Kaffeefarmer und Kooperativen darauf verzichten. Auch sind für viele die zahlreichen Auflagen aus ganz pragmatischen Gründen unerfüllbar. Gerade beim Direct Trade wird oft aus Kostengründen auf zusätzliche Siegel verzichtet, obwohl der Kaffee durchaus fair gehandelt sein kann und sogar Bio-Kriterien erfüllen würde. Hier kommt es darauf an ob der Käufer den vollmundigen Versprechen des Händlers trauen will. Es ist hier wie überall: ohne Vertrauen geht es nicht.
Quellen: Wikipedia, Coffee Circle, Fairtrade, Utopia.de, Naturata Blog, Verbraucherzentrale Niedersachsen, Fair für Faule, Guardian, University of London.
Das ist genau das Problem des Kunden… was gilt? Was ist Schmäh? Um so wichtiger für die einschlägigen Gewinnmaximierer, dass das mit der Rückverfolgbarkeit abgewimmelt wurde, den vereinten rechten Kräften sei Lob und Dank.
Jetzt wird noch das mit der Energie rasch erledigt, dann sind wir schon fast da, wo die meisten hinwollen, in Vorvorgestern. Da war es doch so toll! Alles war gut. Also, niemanden hat das Blei im Benzin gestört oder das Giftgas im angeblichen Bad, nur die Bomben er Allierten waren damals lästig, aber die sind ja auch Geschichte.
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