Der Kaffee ist tief verwurzelt in der Kultur unseres Nachbarlandes. Das Café Tomaselli in Salzburg gilt als das älteste noch betriebene Kaffeehaus Österreichs. Seine Wurzeln reichen bis in das Jahr 1700 zurück, als die Konzession für den Ausschank erteilt wurde. Seit 1852 im Besitz der Familie Tomaselli. Bekannt ist das Kaffeehaus für die traditionellen Kaffeedamen mit Kuchenwagen und Kellnern in klassischer Kleidung. In Wien selbst ist das Café Frauenhuber das älteste durchgehend betriebene Kaffeehaus. Ursprünglich eine Badeanstalt wurde es 1788 zum Kaffeehaus. Einst kehrten hier Berühmtheiten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven ein. Aber schon 15 Jahre vor dem Tomaselli eröffnet im Januar 1685 der armenische Kaufmann Johannes Deodat am Haarmarkt das nachweislich erste Kaffeehaus Wiens. Leider ist es längst aus dem Stadtbild verschwunden. Doch werfen wir einen Blick auf die schönsten Kaffeerezepte aus der Alpenrepublik, die sich bis heute erhalten haben:
Der kleine Schwarze

Praktisch die Urmutter aller Kaffeerezepte. Früher bekam man einen starken Mokka. Heute gibt es zumeist einen Espresso mit etwas mehr Wasser. Ein Lingo so zu sagen. Geht schneller und es bleibt kein störender Satz in der Tasse. Heute auch die Basis für viele Kaffeerezepte. Und das Vorwärmen der Tasse nicht vergessen!
Der große Schwarze

Analog zum vorherigen Getränk ist der große Schwarze ein doppelter Lungo, also ein Espresso mit etwas mehr Wasser. Früher war es hat ein doppelter Mokka. Aber, Sie wissen schon, Satz und so.
Der Mokka

Um die Verwirrung komplett zu machen: es gibt ihn noch, den Mokka. Der ist im Prinzip entweder ein traditionell zubereiteter Mokka, also mit Satz, oder im modernen Kaffeehaus ein Espresso mit etwas mehr Wasser. Und doch gibt es Unterschiede zum kleinen Schwarzen. Es sind nämlich verschiedenen Bohnen aus denen das koffeinhaltige Heißgetränk zubereitet wird. Für den Espresso sind es die italienischen Espressoröstungen, beim österreichischen Mokka kommen vorwiegend Kaffeebohnen aus dem Jemen oder Äthiopien zum Zug.
Der kleine und der große Braune

Nein, hat mit jüngsten Ergebnissen bei Landtagswahlen in Deutschland nichts zu tun! Gemeint ist ein kleiner Schwarzer, beziehungsweise ein großer Schwarzer mit etwas Obers (wir sagen Sahne) oder Milch. Die hohe Kunst ist es, wenn die Milch angewärmt wurde. Beides, Obers wie Milch, wird traditionell separat in einem kleinen Kännchen serviert.
Der Verlängerte

Auch dieses Getränk baut auf dem kleinen Schwarzen auf: es ein Mokka oder Espresso mit heißem Wasser. Also die alpenländische Version des Caffè Americano. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Der Einspänner

Aber dafür zu dieser Kaffee-Variation. Rein formal handelt es sich um einen kleinen Schwarzen unter einer Schicht Schlagobers, genauer betrachtet aber um einen Kaffee mit Geschichte. Konsumiert wurde er nämlich von den Kutschern des „Comfortable“, einem günstigen und wendigen Einspänner. Sie hielten die Zügel in der einen und das spezielle Henkelglas mit dem Kaffee in der anderen Hand. Das dicke Schlagobers diente als Isolierschicht, damit der Kaffee auf dem Kutschbock länger heiß blieb. Man rührt das Obers traditionell nicht unter, sondern trinkt oder schlürft den heißen Kaffee direkt durch die kalte Haube. Außerdem verhindert man so das Kleckern. Deshalb wird der Einspänner traditionell auch nicht umgerührt, sondern durch das kalte Obers hindurch geschlürft. Mit einem großen Schwatzen wird ein doppelter Einspänner daraus, beziehungsweise beim (Zwischendurch-) Zweispänner und damit beim noblen Fiaker. Der Fiaker war schneller, teurer und der gleichnamige Kutscher konnte sich schon einmal einen Doppelten leisten. Der Name Zwischendurch rührt historisch daher, dass die Kutscher – die „Zweispänner“-Fahrer – den Kaffee in den Pausen zwischendurch tranken. Die dicke Sahneschicht hielt den Kaffee lange heiß, wenn der Kutscher plötzlich losmusste.
So die ersten sechs Kaffeespezialitäten haben wir heute geschafft. Morgen gibt es die zweite Hälfte. Allerdings nicht ohne meinen besonderen Dank an meinen Kollegen Rauwolf für die gute Vorarbeit und die Erlaubnis seine Grafiken benutzen zu dürfen.
Quellen: rauwolf-coffee.at, Wikipedia, Google, Coffee Circle, BR. Bildrechte: Grafiken von rauwolf-coffee.at, Titel-Bild von alice hong auf Pixabay.