Rhodisches Kaffeetagebuch: Verkündigungskathedrale

Nicht alles in Rhodos, was mittelalterlich aussieht, ist es auch. Als bestes Beispiel mag hierfür der Palast des Großmeisters herhalten, der nach der „Restaurierung“ durch die Italiener auf die anderthalbfache Größe angewachsen war. Hier ging es weniger um Authentizität, sondern darum, wie sich das faschistische Italien ein Mittelalter vorstellte, in dem überraschender Weise ausgerechnet Italien eine größere Rolle gespielt hat. Ein weiteres Beispiel ist die Verkündigungskathedrale, auch als Kirche der Verkündigung der Heiligen Jungfrau Maria bekannt, beziehungsweise als Kirche San Giovanni bekannt. Sie ist heute Sitz des Metropoliten von Rhodos.

Der Bau ist von der Kirche San Giovanni der Johanniterritter inspiriert, die 1522 in eine Moschee umgewandelt und im November 1856 durch einen Blitz zerstört wurde. Die Gestaltung des Neubaus orientiert sich an Stichen im Buch des niederländischen Offiziers Bernard Eugène Antoine Rottiers, der Rhodos 1826 besuchte und 1828 den Band „Description des Monumens de Rhodes“ veröffentlichte. Die Kirche wurde zur katholischen Kathedrale der Erzdiözese Rhodos bestimmt. Sie liegt an der heutigen Platía Eleftherías (deutsch ‚Platz der Freiheit‘), in der italienischen Zeit Bestandteil des Foro Italico am alten Hafen von Mandraki, mit einer Konzentration von repräsentativen Neubauten, darunter der Gouverneurspalast, die Bank von Italien, der Justizpalast oder das Theater.

Nach dem Übergang des italienischen Dodekanes nach Griechenland im Jahr 1947 wurde die römisch-katholische in eine griechisch-orthodoxe Kirche umgewandelt und nach der Verkündigung, Evangelismós, benannt. Sie wurde an die Bedürfnisse des orthodoxen Gottesdienstes angepasst. Insbesondere der Altarraum, der Boden, die Alabasterfenster, die Wanddekoration und die Spitzbögen, die das Querschiff unterteilten, wurden ersetzt. Neu hinzugefügt wurde die Ikonostase, die dem Kirchenraum seinen typisch orthodoxen Charakter verleiht.

Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit Holzdach, einem dreiteiligen Altarraum und einem erhöhten Mittelschiff. Am 26 Meter hohen Glockenturm befindet sich eine Darstellung des Markuslöwen. Das dreieckige Atrium mit Säulengang und Rotunde wurde etwas später ergänzt. Trotz der mittelalterlichen Anmutung ist hier nichts historisch, zumindest was die Zeit vor dem 20. Jahrhundert betrifft. Sie ist vielmehr der Ausdruck der Großmannsträume der faschistischen italienischen Kolonisten, die sich als Nachfahren der Kreuzfahrer sahen, eine Vorstellung, die die Vergangenheit deutlich bemüht. Trotzdem ein Ort auf Rhodos, den man besucht haben sollte.

Evangelismos Kirche, Pl. Eleftherias 11, Rodos, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 07:00 – 12:00 Uhr und 17:30 – 19:00 Uhr bei freiem Eintritt.

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