Rhodisches Kaffeetagebuch: Schokomaus

Auf dem Rückweg zu meinem Roller geht es quer durch die Altstadt von Rhodos. Zuerst geht es die Agiou Fanouriou Richtung Norden, dann die Sokratou bis zum Hippokratesplatz und schließlich durch das Meerestor zum Kolona-Hafen. Unterwegs komm ich an vielen Läden und Geschäften vorbei, bilden doch die Sokratesstrasse und der Hippokratesplatz das touristische Zentrum der Altstadt. Früher oder später kommt jeder Rhodos-Besucher hier vorbei. Entsprechend groß die Summe derer, die es sich wünschen, dass der Tourist bei ihnen kauft oder konsumiert.

Allerdings passiert das immer noch sehr dezent. Selten wird der Versuch unternommen einen zu schanghaien. Die meisten geben sich mit einer kurzen Absage zufrieden. Der Kolona-Hafen erstreckt sich an der Seeseite der Altstadt von Rhodos. Kaikia, die typischen kleinen griechischen Fischerbote – allerdings zumeist neuerer Bauart – schwanken leicht an der Hafenmole. Im Hintergrund ein Kreuzfahrtschiff, gut 15 Stockwerke hoch und damit für den Kolona-Hafen zu groß. Daher hat es An der Mole des sogenannten Hafens von Rhodos festgemacht, an der auch die Fährschiffe von Bodrum, Symi, Karpathos, Kos, Tilos, Chalki und Anafi landen, auch Mole der Windmühlen genannt.

Im Kolona-Hafen selbst gibt es keine Geschäfte, wenn man von einer Dschunke absieht, die im Brackwasser des Hafens vor sich hin dümpelt, auf der es so jedes maritime Souvenir zu kaufen gibt, das man sich nur vorstellen kann. Entlang der Stadtmaur geht es nun weiter zum Tarsanas-Tor und in einem kleiner Schlenker an der De-Milly-Rüstkammer, einem unscheinbaren grauen Kasten aus dem Mittelalter, vorbei und durch das Eleftherias-Tor wieder hinaus aus der Altstadt.

Dann führte mich mein Weg vorbei an dem Park, in dem ich mein Souvlaki-Pita genossen hatte. Dieser Versuchung konnte ich widerstehen, der Versuchung, die in den Arkaden der Nea Agora auf mich wartete hatte ich allerdings nichts entgegen zu setzen. Genau genommen war heute ein Genuss-Tag: Frühstück mit griechischem Kaffee und Croissant am Morgen, ein weiterer griechischer Kaffee im Inneren der Nea Agora, ein feines, kühles Bier im Schatten der Altstadt. Und nun kam ich hier vorbei, wo es den besten Kuchen der Insel geben soll.

Schon blinzelt mich eine Schokomaus an, ein lecker aussehender Schokoladenkuchen mit einem Maus-Topping, ebenfalls aus heller und dunkler Schokolade. Weit ausladende Schirme spenden großzügig Schatten vor der Nea Agora. Viele Plätze und Tische sind frei – wir haben ja noch Vorsaison, auch wenn die Touristen in der Sokratou bereits dicht an dicht laufen. Ich suche mir einen Stuhl mit einem schönen Blick auf den Mandraki.Hafen und bestelle mit eine Schokomaus und einen Frappé. Das scheint mir der perfekte Abschluss für meinen Besuch von Rhodos-Stadt zu sein.

Während ich über meine Schokomaus herfalle, kommt eine Gruppe Amerikaner oder Briten vorbei. Sie sitzen ein paar Tische weiter und bestellen vier Bier. Nur Augenblicke später balanciert ein Kellner vier Liter-Stiefel auf einem Tablett zu ihrem Tisch. Er wird mit lautem Gejohle empfangen. Jetzt ist auch klar, WER tagsüber so eine Menge Bier konsumiert. Und tatsächlich wird es nicht bei einem Stiefel bleiben, so groß ist der Durst. Allen voran ein junger Mann, der sich seines T-Shirts bereits entledigt hat. Die Sonne hat seine nackte Haut bereits in ein pinkes Schweinchenrosa verwandelt. Sein Kopf hingegen leuchtet dunkelrot.

Die Schokomaus ist erwartbar süß aber sehr lecker, wenn auch nicht ganz billig. Seis drum. Der Frappé ist kräftig und erfrischend. Während ich mich anschicke zu zahlen wird unter Gejohle bereits die zweite Runde Stiefel bestellt. Spätestens bei der Rechnung werden sie die Quittung bekommen. Mein Rechnungsbetrag ist für griechische Verhältnisse ebenfalls hoch, trotzdem aber Überschaubar. Wer will schon meckern, wenn man gerade den besten Kuchen der Insel gegessen hat? Ich jedenfalls nicht.

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