Montags-Podcast Episode 12: Kaffee zwischen Kultur und Handel

Pip: Kaffee ist gleichzeitig Weltanschauung, Wirtschaftsmotor und Briefmarkenmaterial — Coffeenewstom hat diese Woche alle drei Aggregatzustände abgedeckt.

Mara: Genau. Es geht um Wiener Kaffeehausgeschichte, um Kaffee als globale Wirtschaftskraft, um den internationalen Tag des Kaffees und eine sehr ungewöhnliche Briefmarke — und um Lyrik, die nach schwarzem Kaffee schmeckt. Fangen wir an mit Wien und einem Jubiläum.

150 Jahre Café Central: Eine Wiener Institution

Pip: Das Café Central wird 150 Jahre alt — und feiert das gerade mit geschlossenen Türen. Aber fangen wir von vorne an: Was macht dieses Haus so besonders?

Mara: Der Schriftsteller Alfred Polgar hat es wohl am treffendsten formuliert: „Das Central ist nämlich kein Caféhaus wie andere Caféhäuser, sondern eine Weltanschauung.“

Pip: Eine Weltanschauung, in der Leo Trotzki Schach spielte und Revolutionen offenbar eher im Kaffeehaus als anderswo geplant wurden — zumindest laut dem damaligen Ministerpräsidenten.

Mara: 1876 eröffnet, wurde das Central schnell zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens Wiens. Stammgäste wie Peter Altenberg ließen sich dort sogar ihre Post zustellen. Seit März 2026 läuft eine umfassende Generalsanierung — Thonet-Stühle, Backhausen-Stoffe, historische Luster.

Pip: Und zum Jubiläum gibt es eine Sonderbriefmarke der Österreichischen Post — Nennwert 1,25 Euro, Motiv eine Kaffeetasse aus der Vogelperspektive mit dem charakteristischen Eingangsportal. Immerhin kann man die Marke schon verschicken, bevor das Haus wieder öffnet.

Mara: Die Wiedereröffnung ist für Ende 2026 geplant. Bis dahin übernimmt das Pop-up Decentral auf der Freyung den Betrieb in bewährter Kaffeehausqualität.

Pip: Von Wien aus weiter zu den nüchternen Zahlen — was Kaffee wirtschaftlich bedeutet, ist kaum weniger beeindruckend.

Kaffee als Wirtschaftskraft: Deutschland im Zentrum

Mara: Eine neue Studie der Europe Economics zeigt, wie zentral Deutschland für die europäische Kaffeewirtschaft ist. Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, bringt es auf den Punkt: „In jeder einzelnen Tasse steckt auch eine enorme wirtschaftliche Kraft. Deutschland ist der Motor der europäischen Kaffeewelt — vom Import über die Röstung und Entkoffeinierung bis hin zur Zubereitung.“

Pip: Das sind keine leeren Worte: 34,4 Prozent aller Kaffeeimporte aus Nicht-EU-Ländern laufen über Deutschland, rund 1,01 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Die Gesamtwirtschaftsleistung liegt bei 70,2 Milliarden Euro.

Mara: Und 517.000 Arbeitsplätze hängen daran — von Röstereien bis zu Logistikunternehmen. Die beiden weltweit größten Entkoffeinierungsanlagen stehen übrigens in Bremen.

Pip: Dass hinter diesen Zahlen auch Anbauregionen stehen, zeigt das Projekt von Dallmayr und der Stiftung Menschen für Menschen in Äthiopien — neue Wertschöpfungsketten im Bezirk Dano, zunächst auf 400 Hektar, mit dem Ziel, Bauernfamilien und arbeitslosen Jugendlichen nachhaltige Perspektiven zu schaffen.

Mara: Vom globalen Rohstoff zum ganz konkreten Anlass — der 1. Oktober hat da einiges zu bieten.

Kaffeebohnen, Briefmarken und ein globaler Feiertag

Pip: Der internationale Tag des Kaffees am 1. Oktober ist seit 2015 offiziell — aber Deutschland feiert ihn schon seit 2006, also zum 21. Mal. Wer früh dran ist, trinkt mehr Kaffee, offenbar.

Mara: Die Österreichische Post hat den Tag mit einer außergewöhnlichen Briefmarke begangen. Das Ausgangsmaterial ist getrockneter Kaffeesud aus Büros und Krankenhäusern, der vom Tiroler Unternehmen Organoid zu sogenanntem Kaffeeleder weiterverarbeitet wurde — flexibel, reißfest, und tatsächlich nach Kaffee duftend.

Pip: Die Marke ist in Form einer Kaffeebohne ausgestanzt, hat einen Nennwert von 6,70 Euro und erscheint in einer Auflage von nur 80.000 Stück.

Mara: Zum Hintergrund des Tages selbst: Weltweit werden jährlich rund 400 Milliarden Tassen Kaffee konsumiert — der Beitrag zum Internationalen Tag des Kaffees fragt auch direkt, wie man ihn persönlich feiert, ob im Café, mit einem besonderen Aufguss oder beim Kaffeekränzchen mit der Nachbarin.

Pip: Und wer nach dem Lesen noch Muße hat, findet auch Lesestoff zum Thema.

Nachtgedichte, stark wie schwarzer Kaffee

Pip: Der Gedichtband „Mondlotse“ von Prinz Prospero — einem langjährigen Blogbekannten — bekommt hier eine Rezension, und die Beschreibung ist präzise: „Ein Buch, wie schwarzer Kaffee: stark, ungesüßt, aber voller feiner Aromen.“

Mara: Das trifft den Band gut. Wer die tägliche Dunkelpoesie des Autors kennt, hätte vielleicht Alltagslyrik erwartet — stattdessen gibt es Nachtgedichte mit klaren, selbst gewählten Formen, die aus beiläufigen Momenten kraftvolle, ausgewogene Kunstwerke machen.

Pip: Nachtgedanken über Liebe, Sterne und die eigene Seele — das klingt nach dem richtigen Begleiter für die späte Tasse.


Mara: Kaffeehauskultur, Wirtschaft, Feiertag, Lyrik — der Kaffee verbindet mehr als man denkt.

Pip: Bis zum nächsten Mal. Die Tassen sind bereit.

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