Mit Prinz Prospero, dem Meister der Dunkelpoesie, verbindet mich eine längere Blogfreundschaft. Viele hier kennen ihn bereits Urheber ehrlicher, manchmal sehr direkter Kommentare und einige haben mitgelitten, als der Dunkelprinz einen schweren, persönlichen Verlust zu beklagen hatte. Täglich versorgt er uns mit neuer Dunkelpoesie, mal einfühlsam, mal derbe, mal den Verlust beklagend. Sehr habe ich mich gefreut, als er mir ein Rezensionsexemplar seines ersten Gedichtbands „Mondlotse“ angeboten hat und ich war sehr gespannt was mich erwartet.

Schlicht und einfach ist das Cover. Ebenso aufgeräumt ist das Layout. Für beides zeichnet der Autor verantwortlich. Doch die weit größte Überraschung ist der Inhalt. Wer die täglichen Blogeinträge von Prinz Prospero kennt, der hätte vielleicht eine Ansammlung von Alltagspoesie erwartet. Doch beinhaltet dieser Band eine gelungene Auswahl berührend poetischer Nachtlyrik. Vielleicht liegt die gewonnene Kraft der einzelnen Gedichte darin, dass Prinz Prospero sich für fast jedes eine eigene, dann aber stringent eingehalte Form gibt. So werden aus Stücke beiläufiger Tagespoesie kraftvolle und anrührende Gedichte, jedes für sich ein kleines, ausgewogenes Kunstwerk.

Der Dichter nimmt uns mit auf eine poetische Reise durch die Gedanken, die einem nur nachts, wenn der Alltag uns nicht länger die Sinne raubt, begegnen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst oder mit den großen Gefühlen – Liebe, Sterne und die eigene Seele. Die persönliche Widmung des Prinzen macht diesen Gedichtband für mich nur umso wertvoller. Doch auch ohne Widmung ist „Mondlotse“ ein durchaus empfehlenswertes Buch mit Nachtgedichten, dass man guten Gewissens auch weiterverschenken kann. Ein Buch, wie schwarzer Kaffee: stark, ungesüßt, aber voller feiner Aromen.

Print Prospero, Mondlotse – Nachtgedichte, erschienen im BoD Verlag und auf Amazon erhältlich.