Rhodisches Kaffeetagebuch: der Koloss von Rhodos

Die Geschichte Rhodos könnte so sein wie die vieler griechischer Inseln. Minoer, Mykener, Dorer, dann geben sich die Eroberer die Klinke in die Hand: Römer, Byzanz, Venedig, Genua und schließlich die Osmanen. Eine Geschichte wie diese findet man auf fast allen Inseln Griechenlands. Trotzdem unterscheidet sich die Geschichte von Rhodos in drei entscheidenden Punkten. Drei verschiedene Perioden zu verschiedensten Zeiten sollten das Gesicht der Insel für immer verändern.

Freiheitstor

Dazu gehört die Zeit, in der Rhodos unabhängig war. Nach der Auflösung des Attischen Seebunds 404 v. Chr. wurde Rhodos vollständig unabhängig. Als 395 v. Chr. die pro-spartanischen Diagoridai von einer pro-athenischen Faktion gestürzt wurden, bewahrte die Insel 387 v. Chr. ihre Unabhängigkeit gegenüber Persien. Im Krieg Makedoniens gegen Athen und Theben stand Rhodos auf Seiten Philipps II. Nach dem Tod seines Sohnes, Alexanders des Großen, der die Insel 332 v. Chr. mit einer auf Ablehnung stoßenden Besatzung ausstattete, wurde sie wieder unabhängig. Der Feldherr und Sohn des makedonischen Diadochen Antigonos, Demetrios I. Poliorketes, belagerte Rhodos 305/304 ein Jahr lang, weil die Stadt sich weigerte, ein Bündnis gegen die ägyptischen Ptolemäer einzugehen und die Flotte des Demetrios aufzunehmen. Dazu errichtete dieser die größte Belagerungsmaschine der Antike, die Helepolis, brach die Belagerung jedoch kurz vor dem endgültigen Durchbruch ab.

Aphrodite-Tempel

Aus dem Verkauf der Belagerungsmaschinen konnte Rhodos den Bau des Kolosses von Rhodos finanzieren, eines der sieben Weltwunder, das etwa 34 m hoch war. Allerdings fiel er einem Erdbeben im Jahre 227 v. Chr. zum Opfer. Er stand hier einer späteren Legende zufolge über der Hafeneinfahrt zum Mandraki-Hafen. Moderne Forschungen gehen jedoch von einer Statue auf nur einem Sockel und an einem anderen Standort, in der Stadt, aus. Der Koloss stellte den Sonnengott Helios dar, dem die Insel geweiht war und dem der Sieg von 304 zugeschrieben wurde. Die Insel wurde in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts zur stärksten Seemacht in der Ägäis, während die Ptolemäer ihre Vorherrschaft trotz des fortbestehenden Bündnisses mit Rhodos einbüßten. Zugleich wurden die Festlandsstädte integraler Bestandteil des rhodischen Territoriums und ihre Bürger in die insularen Demen integriert. Dies galt auch für eine Reihe von Inseln, wie Karpathos. Im Hellenismus erlebte Rhodos seine größte Blüte.

Platz der Hebräischen Märtyrer

Es war die Zeit des Helios, ein goldenes Zeitalter für Rhodos und seine Bewohner. In dieser Zeit entstanden auch die Bauwerke auf der Akropolis, der Apollon-Tempel, das Odeion, das Stadion in dem die Haleion-Spiele zu Ehren des Sonnengottes Helios abgehalten wurden. Deshalb vermuten einige Archäologen und Gelehrte den Heliostempel – und damit auch den Koloss – in der Nähe des Stadions, auch wenn sich dafür keine Beweise finden lies. Andere vermuten den Tempel unter den Mauern des Großmeisterpalastes, der auf einer kleinen Anhöhe in der Altstadt liegt. Damit wäre der Koloss auch näher am Hafen. Den Koloss mit gespreizten Beinen über der Hafeneinfahrt hat es wohl nie gegeben. Denn das verhindert schon alleine die Physik.

Ritterstraße

Die zweite prägende Periode, die Rhodos von anderen Inseln unterscheidet, ist die Zeit der Ritter. 1306 schloss der Genuese Vignolo de‘ Vignoli, der im Dodekanes verschiedene Lehen innehatte und auf der seit 1250 oder 1261 zum Byzantinischen Reich gehörenden Insel Rhodos eine eigene Herrschaft errichten wollte, einen Vertrag mit den Rittern des Ordens Sankt Johannis. Für ihre Hilfeleistung bei der Umsetzung seiner Pläne sicherte er den Ordensrittern unter ihrem Großmeister Fulko de Villaret ein eigenes Herrschaftsgebiet auf der Insel zu. Diplomatisch abgesichert durch die Unterstützung des Papstes, der ihnen Rhodos 1307 als immerwährendes Eigentum zusprechen sollte, begannen die Johanniter mit der planmäßigen Eroberung der Insel. Neben byzantinischen Truppen waren dabei auch diverse genuesische Konkurrenten Vignolis und sogar eine Gruppe von Türken, die dem Beylik Mentesche unterstanden, ihre Gegner. Die Inbesitznahme von Rhodos nahm daher mehrere Jahre in Anspruch und endete mit der Unterwerfung der Griechen, der politischen Entmachtung der Genuesen und der Vertreibung der Türken.

Großmeisterpalast

Nachdem der byzantinische Kommandant die belagerte Inselhauptstadt 1309 übergeben hatte, war die Eroberung von Rhodos im Wesentlichen abgeschlossen. Rhodos-Stadt wurde von den Johannitern stark befestigt und gegen diverse Attacken der umliegenden muslimischen Staaten verteidigt. 1440 und 1444 widerstand es den Angriffen der Mamluken unter Dschaqmaq, 1480 einem Großangriff der Osmanen. Doch dieser Angriff und die dritte prägende Periode – die der italienischen Besatzung – werden Thema eines anderen Beitrags sein.

Suleiman Moschee

Durch das Eleftherias-Tor, dem Tor der Freiheit, betrete ich die Altstadt von Rhodos. Hier und nur hier kann man verschiedene Jahrtausende mit nur wenigen Schritten ablaufen, denn direkt neben dem Tor liegen die Grundmauern des Aphrodite-Tempels. Gleich dahinter der Platz der Platz der Hebräischen Märtyrer, ein für mittelalterliche Verhältnisse großzügiger Platz. Und schließlich die legendäre Ritterstraße, wo die verschiedenen Zungen ihre Herbergen hatten. Und schließlich der Palast des Großmeisters, der seine heutige Form von den Italienern erhielt, die das Bauwerk zwar instantsetzten, doch statt es möglichst behutsam zu restaurieren, setzten italienische Architekten ihre Vorstellungen um von dem, was sie als Palast für einen Gouverneur des Dodekanes oder für den Duce, falls er mal zu Besuch käme, für angemessen hielten. Spoiler: Mussolini kam nie.

Sokratous-Straße

Am Palast biege ich links ab und komme so direkt an der Suleiman Moschee aus dem 16. Jahrhundert vorbei. Hier beginnt, oder endet, je nachdem, die Sokratous-Straße, die Lebensader der Altstadt, die bis zum Hippokrates-Platz mit dem Eulenbrunnen führt. Die Sokratous ist bei weitem die lebendigste Straße, an der sich Geschäft an Geschäft reiht nur unterbrochen von einigen Cafés und Tavernen. Kommt ein Kreuzfahrtschiff nach Rhodos, dann werden die Passagiere bei ihrem obligatorischen Landgang genau durch diese Straße geschleust, was sich in den Preisen niederschlägt. Traurig aber wahr: vor Speise- und Getränkekarten ohne Preisauszeichnung sei gewarnt. Oft werden im Nachhinein Mondpreise verlangt. Und wer geht zur Polizei, wenn im Hafen die letzte Barkasse zum Kreuzfahrtschiff wartet? Auch ein beliebter Trick: wenn man nur ein Bier bestellt, bekommt das gerne in einem 1-Liter-Glasstiefel serviert. Preis ab 15€ aufwärts. Schade ist nur, dass das Bier in der Mittagshitze schnell schal wird und ohnehin keiner einen ganzen Liter schafft.

Mehmet Aga Moschee

Ich tauche in das Gewühl der Sokratous hinein und lasse mich ein Stück treiben. Lederwarengeschäfte und Souvenirshops dicht an dicht. Dann geht es an der Mehmet Aga Moschee vorbei, ein typisch osmanischer Bau mit einem Minarett aus Holz. Obwohl es schön ist so durch die Menge zu schlendern, habe ich ein ganz besonderes Ziel vor Augen. Doch davon morgen mehr. Vom Aphrodite-Tempel mit seinen etwa 2300 Jahren über das Mittelalter bis zur Mehmet Aga Moschee aus dem Jahr 1820, über 2000 Jahre Geschichte in 30 Minuten. Jetzt muss ich wieder 200 Jahre zurück und damit zu einem ganz besonderen Ort. Doch davon morgen mehr.

Quelle: Wikipedia.

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