Wie gefährlich ist Kaffee auf nüchternen Magen?

Für die einen ein Muss, für die anderen ein Ding der Unmöglichkeit: beim Thema Kaffee am Morgen vor dem Frühstück scheiden sich die Geister. Mag es der Zeitnot oder der Bequemlichkeit geschuldet sein, viele verzichten in der Früh auf ein richtiges Frühstück und belassen es beim Kaffee. Doch ist das überhaupt gesund? Oder schadet das vielleicht sogar der Gesundheit?

Vorweg: so ganz eindeutig lässt sich diese Frage nicht beantworten. Auch in der Wissenschaft gibt es hier keinen eindeutigen Stadtpunkt. Viel an der Wirkung von Kaffee auf den Körper ist nämlich individuell, also bei jedem Menschen verschieden. Trotzdem gibt es einige verwertbare Antworten. Denn während im Netz einerseits Kaffee auf nüchternen Magen als der Abnehmtrick schlechthin gefeiert wird, wird andererseits vor Kaffeegenuss ohne ordentliche Grundlage gewarnt.

Wissenschaftler unterscheiden mindestens drei verschiedene Aspekte: die Wirkung auf Magen und Darm, mögliche Effekte auf Stresshormone wie Cortisol und die Frage, ob nüchterner Kaffee beim Abnehmen hilft. Es gilt: Längst nicht alles, was plausibel klingt, ist auch wissenschaftlich gut belegt. Selbst der beste Kaffee kann bei Menschen mit empfindlichem Verdauungssystem tatsächlich Beschwerden auslösen, wenn er auf leeren Magen getrunken wird. Denn Kaffee regt die Magensäureproduktion an, und ohne Nahrung fehlt der dämpfende Puffer. Wer ohnehin zu Sodbrennen oder Reflux neigt, spürt das womöglich stärker – der Regelfall bei allen, die Kaffee auf leeren Magen trinken, ist das jedoch nicht.

Es ist wie so oft: nicht alles, was auf den ersten Blick logisch erscheint, lässt sich später mittels Studien belegen. Tatsächlich gibt es zahlreiche Studien zum Thema Kaffee – einige davon mit widersprüchlichen Ergebnissen. Eine aktuelle Metaanalyse der medizinischen Fachzeitschrift Clinical and Translational Gastroenterology versucht hier Licht ins Dunkel zu bringen, doch zu unterschiedlich sind die Ergebnisse der untersuchten Studien. Sie attestiert lediglich einen schwachen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und saurem Reflux, belastbar ist das allerdings nicht.

Ähnlich verhält es sich mit dem viel diskutierten Cortisol-Effekt. Koffein kann das Stresshormon grundsätzlich erhöhen, und das besonders bei Menschen, die nicht regelmäßig Kaffee trinken, wie eine Studie in der Zeitschrift Psychosomatic Medicine zeigt. Die Behauptung aber, Kaffee auf nüchternen Magen lasse Cortisol deutlich stärker ansteigen als Kaffee nach einer Mahlzeit, ist bislang nicht durch Studien belegt.

Doch wie verhält es sich mit dem in Fitness-Communities gehypten Abnehm-Burner Kaffee auf nüchternen Magen? Die Theorie dahinter ist, dass Kaffeekonsum kurzfristig den Energieverbrauch leicht erhöht und die Trainingsleistung verbessert. Das ist durchwegs bekannt und wird auch von der Wissenschaft nicht bestritten. Ob daraus allerdings ein messbarer Abnehmeffekt resultiert steht auf einem anderen Blatt. Im Gegenteil: Kaffee auf leeren Magen kann den Blutzuckerspiegel destabilisieren, was wiederum zu Heißhungerattacken führt.

Ein kleines Frühstück vor der ersten Tasse Kaffee kann also deutlich mehr Kalorien durch süße Snacks später vorbeugen. Die Italiener machen uns vor, wie das geht: ein kleines Gebäckstück als Begleitung zum Kaffee oder Cappuccino garantiert einen guten Start in den Tag. Doch wie gefährlich ist nun Kaffee auf nüchternen Magen? Um die Frage abschließend zu beantworten sind die individuellen Präferenzen doch zu unterschiedlich. Das bedeutet: das muss jeder für sich selbst herausfinden. Der eine verträgt es, der andere nicht. Eine eindeutige Studie dazu gibt es leider – noch? – nicht.

Quelle: Heidelberg24, „Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für gastroösophageale Refluxkrankheit und Komplikationen: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse.“, „Koffeinstimulation der Cortisolsekretion während der Wachstunden in Abhängigkeit vom Koffeinkonsum„. Bildrechte: Titel-Bild von Alicia Harper auf Pixabay, Bild von Myriams-Fotos auf Pixabay, Bild von Bruno auf Pixabay, Bild von Alicia Harper.

8 Gedanken zu “Wie gefährlich ist Kaffee auf nüchternen Magen?

  1. Ich starte meinen Tag praktisch immer mit einer Tasse Espresso. Was zu Essen gibt’s mir, wenn überhaupt, selten vor 10, meist um die Mittagszeit. Vorher hab ich in der Regel kaum Hunger. Bei mir ist’s mitunter sogar so, dass Kaffeekonsum meinen Hunger dämpft.

    Klar ist das eine individuelle Wirkung, die noch dazu auf Jahrzehnten Gewöhnung beruht. Stoffwechsel unterscheiden sich, ändern sich auch mit der Zeit. Ebenso die Toleranz für diverse Substanzen, wie eben Koffein.

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