„Kann ich noch einmal verreisen?“ Mit Besorgnis in den Augen schaue ich meine Nephrologin an. „Das können Sie, aber Sie sollten es bald tun“, ist die Antwort. So kommt es, dass ich mich Mitte Mai 2025 noch einmal auf den Weg nach Griechenland mache. Diesmal mit einem Nachmittagsflug. Ich nehme eigentlich lieber einen frühen Flieger, denn dann habe ich noch den halben Tag. Meint man zumindest. In der Wirklichkeit ist man von der Reise dann doch so mitgenommen, dass man sich erstmal hinlegt.

Ich habe am Tag davor noch gearbeitet. Das Frühstück habe ich aus Zeitgründen ausfallen lassen. Ich hätte eh keine Ruhe gehabt. Bis das Gepäck aufgegeben ist, ich eingecheckt bin und die Sicherheitskontrollen passiert habe, komme ich eh nicht zur Ruhe. Das Frühstück hole ich jetzt am Flughafen nach, jetzt, wo meine einzige Aufgabe nur noch darin besteht den Flieger zu besteigen und meinen Sitz einzunehmen.

Also ein Cappuccino und ein Teilchen. Auf meinem Keks zum Kaffee steht auf Deutsch und Englisch: „Lebe dein Lebe so, dass Deine Augenringe die Schatten großer Taten sind.“ Na, dann wollen wir doch mal für ein paar Augenringe sorgen. Um ehrlich zu sein, es ging mir nicht gut in den letzten Wochen und Monaten. Vor allem die ständige Müdigkeit macht mir zu schaffen. Da kommen die Augenringe von ganz allein, auch ohne größere weitere Anstrengung.

Mit dem Bus geht es raus zum Vorfeld. Da wartet schon unser Flieger. Condor. Diesmal operated by Condor. Das bedeutet vor allem: kein Gratiskaffee, wie etwa bei Sky. Sie erinnern sich? Greece is bliss! Und mit einem Kaffee in der Hand stimmt das noch mehr. Die Klimaanlage bläst einem einen eiskalten Hauch entgegen. Meine Jacke ziehe ich während des Fluges gar nicht erst aus. Am Zielort werde ich sie kaum brauchen.

Der Flieger ruckt an. Das Bordpersonal zeigt das Übliche: Gurt, Weste, Maske. Ich hoffe alles drei nicht zu brauchen. Dann wird es fast still. Erwartung. Die Treibwerke heulen auf, die Beschleunigung drückt mich in den Sitz. Die Flughafengebäude rasen immer schneller vorbei. Ein Ruck, ein Moment wie schwerelos. Dann schraubt sich die Maschine steil in den wolkenlosen Himmel. Als der Flieger wieder in die Waagrechte kommt macht der Pilot noch eine Kurve und dann geht es immer weiter – der Sonne entgegen.