Peloponnesisches Kaffeetagebuch: genussreiches Monastiraki

Den Rest des Tages wollte ich etwas entspannter angehen. Was ist dafür besser geeignet als ein Cappuccino Freddo mit Blick auf die Akropolis und die Stoa des Attalos? Letzteres ist keine Kunst. Im Gegenteil, in Monastikaki ist es eher schwierig einen Platz zu finden ohne Akropolis im Blickfeld. Gerade hier an der Adrianou ist eine Taverne, die diese Kriterien erfüllt, nach der anderen.

Meine Wahl fiel auf Diodos, eine Taverne, die mit traditionellem griechischen Essen wirbt. Schon die Liste mit den Vorspeisen ist lang. Von Keftedes (Fleischbällchen – der Klassiker) über Kolokithokeftedes (griechische Zucchini-Puffer), Tirokroketes (frittierte Käsebällchen) und Bekri Mezze, bis hin zu mit Käse gefüllter Paprika und in Butter gebackenen Bohnen von Kastoria. Die Hauptkarte hingegen ist recht grill-lastig. Alles gut. Für’s Abendessen ist es eh noch zu früh und ich bin noch gut bedient von den Loukoumades.

Aber für einen Cappuccino Freddo, die eisgekühlte Cappuccino-Variation die den hierzulande so beliebten Frappé abzulösen scheint, zumindest bekommt man ihn in immer mehr Cafés und Restaurants. Es wäre auch beim Cappuccino Freddo geblieben, hätte ich nicht an einem der Nebentische eine kleine Karaffe mit einer roten Flüssigkeit erspechtet. Also sprach ich den Kellner darauf an und kurze Zeit später gesellte sich ein Rakomelo zu mir.

Ein griechischer heißer Wein, auch als Rakomelo bekannt, ist eine traditionelle griechische Spezialität, die im Winter gerne heiß getrunken wird. Es ist ein Likör auf Basis von Tsipouro oder Raki, der mit Honig, Zimt und Gewürznelken verfeinert wird. Eigentlich ein Wintergetränk, da heiß serviert. Na gut, wir haben den ersten November und damit Winter genug. Ein schönes Getränk ähnlich unserem Glühwein. Gut, dass ich das probiert habe. Das Rezept habe ich inzwischen auch.

Ob es nun der Alkohol war, der meine Gedanken beeinflusste, oder die gute Laune, ich entschied jedenfalls die Touristerei für heute an den Nagel zu hängen und stattdessen dem Genuss zu frönen. Nächste Station: die Römische Agora. Die hatte ich schon bei meinem letzten Athen-Besuch abgehakt. In Erinnerung hatte ich die Taverne direkt daneben, bei der ich damals ein leckeres Bier trinken durfte. Namentlich rede ich von der Taverna Akropoli, die mich auch diesmal nicht Enttäuschte.

Ein schöner Krug kaltes Alpha-Bier mit Blick auf das Tor der Athena Archegetis. Der giebelbekrönte Rest der westlichen Toranlage ist eindeutig der am besten erhaltenen Teil der römischen Agora. Einst hatte der monumentale Eingang einen marmornen Sockel und eine Reihe von vier dorischen Säulen. Laut der Inschrift, die sich auf dem Architrav erhalten hat, wurde mit dem Bau der Anlage bereits unter Gaius Iulius Caesar begonnen. Die Fertigstellung erfolgte aber erst unter Kaiser Augustus erfolgte. In der Zeit zwischen 11 und 9 v. Chr. schließlich wurde das Propylon, das man der Athena Archegetis weihte, seiner Bestimmung übergeben.

Ich kürze hier ein wenig ab: ich ruhte ein wenig in meinem Hotelzimmer um dann zum Abendessen wieder nach Monastiraki zurück zu kehren. Ich hatte mich auch schon für eine passende Taverne entschieden, Diodos, hatte ich doch Lust auf Keftedes und die gab es da ja. Den Abend wiederum eröffnet ich mit einem frisch gezapften Mythos.

Dann freute ich mich auch meine Keftedes. Eigentlich nur ein Vorspeise, aber für heute genügte mir das. So geht ein erlebnisreicher Tag zu ende. Und – zumindest vorläufig – mein letzter Abend in Athen. Morgen früh geht es dann mit dem Mietwagen auf den Peloponnes, wo weitere Abenteuer und Geschichten auf mich warten – und natürlich leckeres Essen und viel Kaffee. Doch davon erzähle ich Euch an einem anderen Tag.

Traditional Food Diodos, Adrianou 19, Athina, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 08:30 – 02:00 Uhr. Taverna Akropoli, Epaminonda 2, Athina, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 10:00 – 23:00 Uhr. Quelle: kavalierstour.de, Unternehmensseiten.

7 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: genussreiches Monastiraki

  1. Ein frisch gezapfter Mythos, das wäre doch auch mal was für mich oder die jüngst erwähnten Playmobilfiguren… Ach ja, das ist ein Bier! Und somit nicht jugendfrei. Und welche mythengeschwängerten Albträume mich infolge des Alkoholgenusses überfallen würden? Nein, dann doch lieber nüchtern.
    Aber die Stationen sind – wie immer – hochinteressant!

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