Zur Erinnerung: ich habe die Nacht im Auto verbracht und dann eine kleine Spritztour nach Pagondas und zum Turm von Sarakini gemacht. Zurück in Ireon ist es immer noch erst 7:00 Uhr, doch die Bakery Iraklis hat schon offen. Ich bewundere das umfangreiche Angebot an leckerem Backwerk. Allerdings will sich mein Appetit noch nicht wirklich einstellen.

So belasse ich es bei einem griechischen Kaffee, der natürlich frisch für mich zubereitet wird. Und dazu ein kühles Wasser. Was braucht man mehr? Ich setze mich an die Plataia, den Dorfplatz, mit Blick aufs Meer. Noch gehört das ganze Dorf mir, denn bis auf die Bäckersfrau scheint noch keiner auf den Beinen zu sein. Warum auch? Schließlich ist ein Feiertag. So gestärkt drehe ich noch eine kleine Runde.

Dabei komme ich an einer Bar direkt am Meer vorbei, für die die Saison noch nicht begonnen hat. Die Schirme und Liegen sind schon bereit für die ersten Gäste. Silbrig glänzt das Meer. Ein Fischerboot schaukelt in der Ferne. Dahinter im Morgendunst die Küste der Türkei. Alles ist noch ruhig und friedlich. Nur das Meer höre ich rauschen und ein sanfter Wind bläst vom Meer. Die Kälte der Nacht ist einem warmen Frühlingsmorgen gewichen wie die Dunkelheit dem Licht.

Zwei Katzen räkeln sich in der Sonne. Sie haben sich auf einer kuscheligen Decke breitgemacht. Auch für sie hat die Saison noch nicht begonnen, schließlich sind noch keine Touristen zum anbetteln da. Und Essen kocht auch noch keiner. Also machen sie das Beste daraus und dösen einfach in den Tag hinein.

Da fällt mein Blick auf einen Spruch, der an einem der Bar-Tische angebracht wurde: „Choose your feeling“. Das trifft es genau. Ich könnte jetzt sauer darüber sein, dass ich die Nacht über im Wagen verbracht habe. Oder ich kann entscheiden gute Laune zu haben. Warum auch nicht? Ich hatte eine Nacht am Meer, einen Sonnenaufgang, einen Ausflug nach Pagondas und einen leckeren, heißen Kaffee. Ich entscheide mich also für gute Laune.

Eine Sache wäre da noch, die ich unbedingt noch erledigen wollte und die ich bei meinem letzten Besuch auf Samos versäumt habe: ein Blick auf den heiligen Fluss Imbrasos. Zum größten Teil ist der Fluss heute versandet, doch zwischen Ireon und dem Heraion ist noch ein Stück geblieben. In der Antike führte er den Beinamen Parthenios, weil an seinem Ufer die Göttin Hera unter einem Keuschlammbusch geboren wurde und ihre Jungfrauenjahre verbracht hat. Der Imbrasos ist es auch, in den sie nach der jährlichen Vermählung mit Zeus badete und dem sie wieder als Jungfrau entstieg. Der Flussgott Imbrasos wurde auf antiken samiotischen Münzen öfters abgebildet, zuweilen einen Pfau, das Wappentier der Hera, haltend.

Jetzt ist es halb neun – und Zeit für ein richtiges Frühstück. So finde ich mich in der Sonnenüberfluteten Terrasse des Hotels Venetia ein. Georgios Vourliotis bringt mir einen frischen, griechischen Kaffee. Ja, der Tag kann beginnen. Mit guter Laune natürlich.

Bakery Iraklis, Ireon, Samos, Griechenland; Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 05:30 – 14:00 Uhr.

Nachtrag: Beim gemeinsamen Frühstück tat sich dann auch gleich eine Lösung auf. Ich fragte gleich die Chefin nach einem zweiten Zimmer, welches wir für einen guten Preis bekamen. So sehen ich zukünftig etwas weniger turbulenten Nächten entgegen.
„Choose your feeling“ nehme ich heute mit durch den Tag – danke dir und viele Grüße, Annette 🙂
LikeGefällt 4 Personen
Sehr gerne! Und unter uns: es funktioniert!
LikeGefällt 2 Personen
natürlich, manchmal vergessen wir es bloß im trubeligen Alltag 😉
LikeGefällt 1 Person