Kretisches Kaffeetagebuch: Zorbas Taverne in Sitia

În Zorbas Taverne gibt man sich unbescheiden: „Der Boulevard von Sitia ist voll von Tavernen. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sie alle bieten das selbe Essen zum selben Preis an. Die einzige Wahl, die Sie treffen können, ist die des bequemsten Stuhls.

Doch es gibt ein Ausnahme: die Taverne Zorbas. Hier finden Sie bis heute die traditionelle kretische Küche. Wählen Sie nicht nach der Karte, gehen sie über den Haupteingang in die Küche. Hier können Sie alle die täglich frisch gekochten Gerichte sehen, zubereitet von Mutter, wie es sein sollte. Für einen sehr angemessenen Preis bekommen Sie hier gutes Essen in freundlicher Atmosphäre.“

Kostas ließ keinen Zweifel daran, dass wir heute Abend bei Zorbas essen werden. Der gute Ruf dieser Taverne eilte ihr bereits voraus und schon während der Planung galt dieses Restaurant als gesetzt. Flexibler hingegen waren wir bei der Wahl des Quartiers. Unsere Appartements hatten wir aus Mochlos gebucht, Kategorie „zweckmäßig und budgetfreundlich“.

Eine sehr nette, ältere Dame, ausnahmsweise ohne umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse, empfing uns, und stellte als erstes die Betten in unserer Bleibe zusammen. Das wäre in Zeitreisezeiten ohne Nachweis der ordentlichen Eheschließung wohl nicht möglich gewesen. Aber wir leben im Jetzt und Hier und die „Haupteinnahmequelle der Bevölkerung ist der Handel mit Rosinen.“, wie es in John Bowmans Kreta-Reiseführer von 1965 zu lesen ist, gilt für Sitia wohl eher auch nicht mehr. 

Sitia ist eine kleine Hafenstadt im Osten der Insel Kreta. Die charmante Ortschaft liegt in der Nähe des Kap Sidero, in der östlichsten Region der Lasithi-Hochebene. Lasithi ist ein faszinierendes Gebiet von außergewöhnlicher natürlicher Schönheit und starken Kontrasten. Auf der einen Seite gibt es hier einige der berühmtesten Urlaubsorte der Welt. Auf der anderen Seite locken unberührte Gebiete, antike Städte und mittelalterliche Dörfer, Schluchten und Berge sowie wunderschöne Strände, an denen noch Ruhe herrscht.

Die eigentliche Stadt Sitia, die auch Sitz der Gemeinde ist, ist nach Ierapetra und Agios Nikolaos mit 9348 Einwohnern die drittgrößte Stadt im Regionalbezirk Lasithi, der ehemaligen Präfektur Lasithi. Als Gemeinde hat Sitia 19.720 Einwohner. Sitia ist das bäuerliche Zentrum der durch ausgedehnten Olivenanbau geprägten Region. Touristische Angebote sind vorrangig auf die Hafenpromenade begrenzt, weshalb die Stadt als einer der wenigen größeren Orte auf Kreta ihren typischen Charakter erhalten konnte.

Die Stadt Sitia ist in einer weitläufigen offenen Bucht am Berghang erbaut. Wie bei einem Amphitheater reihen sich Häuser neben und untereinander. Die Stadt hat einen der wenigen, groß angelegten Hafenpromenaden auf Kreta. Auch in Sitia gibt es ein archäologisches Museum. Eingerichtet im venezianisch-osmanisches Kastell, dass von oben über die Stadt wacht.

Große historische Sehenswürdigkeiten fehlen freilich: Nach zwei schweren Erdbeben und zwei türkischen Plünderungen war die Stadt von 1651 an nahezu verlassen, wurde erst 1870 wieder neu besiedelt. Die kleine Festung „Frourion Kazarma“ am oberen Altstadtrand wurde inzwischen schön restauriert. In ihr finden im Sommer manchmal Konzerte und Theateraufführungen statt.

Nach kurzer Rast machen wir uns auf den Weg zur Taverne. Relativ hungrig, wie wir sind, ist es doch schwierig bei dieser unglaublichen Auswahl an kretischen Gerichten das passende auszusuchen. Wir gönnen uns eine Flasche Wein aus dem Kloster Toplou, das wir morgen besuchen werden. Wir entscheiden uns für den obligatorischen griechischen Bauernsalat, Fava, Gemista, Souzoukakia und Augergine Imam – alles außerordentlich lecker.

Die vollmundigen Versprechungen waren also gerechtfertigt. Und tatsächlich kann man den Köchen bei der Zubereitung der frischen Speise über die Schulter schauen. Auch Mama ist da und ich behaupte das ohne den zum Beweis notwendigen DNA-Test. Weder das mit der traditionellen griechischen Küche, noch das mit der Frische waren leere Versprechen. Auch die Preise sind moderat. Der Wein aus Toplou mit gerade einmal 20 Euro geradezu günstig. Wir waren schließlich in einem Restaurant.

Natürlich kommen wir ohne einen Nachtisch aufs Haus und einige Ouzo nicht weg. Ein gelungenes Essen nach einem erlebnisreichen Tag! Was wir an diesem Abend noch nicht ahnen konnten, war, dass wir trotz morgendlicher Abreise am nächsten Abend wieder in Sitia vorbeischauen werden, aber ich greife vor.

Jetzt lassen wir diesen Tag noch mit einem Spaziergang am beleuchteten Hafen ausklingen. Deutlich sichtbar die venezianische Festung, die ebenfalls hell erleuchtet ist. Ein schöner Anblick, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Zorbas Tavern, Kazantzaki 3, Sitia, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 11:00 – 01:30 Uhr.

Quellen: Wikipedia, ADAC Reiseführer Kreta, Zorbas, griechenland.de, kreta.com, globetrottel.net, corissia.com.

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