Beispiel Kaffee: Wenn der Kaffeepreis fällt, dann zahlen Kaffeebauern oft drauf. Wie zuletzt, als kürzlich der Arabica-Preis auf dem Weltmarkt auf einen beinahe historischen Tiefstand rutschten. Zuletzt war Rohkaffee vor 13 Jahren so billig. Ausgelöst wurde der Preissturz durch die ergiebige Kaffee-Ernte in Brasilien. Neben Kaffee betrifft das eine ganze Menge von Nahrungsmitteln, die wir täglich verbrauchen. Darunter Kakao, Reis, Bananen und Baumwolle.

Schwankungen auf dem Weltmarkt können Kleinbauern weder beeinflussen noch ausgleichen. Es sei denn, sie profitieren bereits am fairen Handel, wie ihn zum Beispiel Fairtrade Deutschland ermöglicht. Denn Kleinbäuerinnen und -bauern spielen zwar eine wichtige Rolle bei der Nahrungsmittelproduktion, profitieren aber oft am wenigsten vom globalen Handel. Um sie zu stärken, hat Fairtrade International den Standard für Kleinbauernorganisationen gerade überarbeitet.
So wurden zum Beispiel die Anforderungen an die Überwachung und Vermeidung von Abholzung verschärft, und es wurden zusätzliche Anforderungen an die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der nachhaltigen Wassernutzung sowie Maßnahmen gegen den Klimawandel hinzugefügt. Um sicherzustellen, dass Genossenschaften, die eine Fairtrade-Zertifizierung anstreben, davon profitieren können, verlangt der Standard nun von den Antragstellern den Nachweis, dass sie etablierte Unternehmen sind, über ein Fairtrade-Marktpotenzial einschließlich interessierter Käufer verfügen und eine demokratische Entscheidung getroffen haben, sich Fairtrade anzuschließen.

Eine noch größere Mehrheit der Genossenschaftsmitglieder als bisher müssen kleine Familienbetriebe sein. Auch Gleichberechtigung nimmt bei den neuen Regeln einen wichtigen Platz ein: Die Genossenschaften werden nun ermutigt, eine Gender-Politik zu verfolgen und Maßnahmen zu ergreifen, um die aktive und gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an der Organisation zu erhöhen.
Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Kennzeichnung und Lagerung von Pestiziden und gefährlichen Chemikalien verschärft, um die Gesundheit von Bauern und Lohnarbeiterinnen zu schützen. Doch nicht nur Gesundheit und Sicherheit sind bei diesen Standards wichtige Punkte. Um eine fundierte Entscheidungsfindung über die Verwendung der Fairtrade-Prämie zu unterstützen, verlangt der Standard nun von den Kooperativen, kurz nach der Zertifizierung eine Bedarfsanalyse durchzuführen.

Basierend auf den Erfahrungen erfolgreicher Kooperativen und der Living Income-Strategie von Fairtrade wurden weitere Richtlinien zur Verwendung der Fairtrade-Prämie angefügt. Zusätzliche Kontroll- und Überwachungsauflagen für Kooperativen fördern mehr Transparenz.
Der neue Standard soll das Leben und die Lebensgrundlage der 1,5 Millionen Fairtrade-Bäuerinnen und Bauern verbessern und sie widerstandsfähiger gegen Marktveränderungen und Klimawandel machen. Der überarbeitete Standard ist das Ergebnis eines umfassenden Prozesses, der Konsultationen von über 500 Fairtrade-Kooperativen in 70 Ländern umfasste. Auch Händler, Marken und andere Interessengruppen auf der ganzen Welt nahmen an dem Prozess teil. Jetzt muss nur noch der Kunde mit einer bewussten Kaufentscheidung den vielfältigen Bemühungen fairen Handel bei uns zu etablieren Rechnung tragen.

Quelle und Bildrechte: TransFair e.V., Titelbild: TransFair e.V./Nathalie Bertrams, weitere Bilder: TransFair e.V./Nathalie Bertrams, TransFair e.V./Sean Hawkey, TransFair e.V./Eric St-Pierre, TransFair e.V./Santiago Engelhardt.