Rhodisches Kaffeetagebuch: Stathis Cafe

Stathis sieht so aus, wie ich mir Alexis Sorbas vorgestellt habe, als ich Kazantzakis. Ein unrasierter, gutmütiger Seebär, der nur das versteht, was er muss, ein freundliches Schlitzohr und trotzdem ein perfekter Gastgeber. Dabei ohne Allüren, bodenständig und ehrlich. Ein Glücksfall, dass er das kleine Café am Torbogen der Nea Agora ergattert hat. Und wenn man das Glück hatte einen Tisch am Rand ergattert zu haben, dann hat man einen Blick direkt durch das Tor auf den Mandraki-Hafen. Man sieht das Meer!

Auch sonst ist Stathis Cafe, dass es seit 1954 gibt, strategisch besonders günstig gelegen. Am Pavillon in der Mitte gibt es für kleines Geld eine saubere öffentliche Toilette. Von den drei Zugängen führt einer zum Hafen, einer zum Taxistand und zu einem Supermarkt und einer direkt zum zentralen Omnibusbahnhof. Hat man also seinen Bus verpasst, dann kann man schnell noch bei Stathis seinen griechischen Kaffee genießen. Zwei Kioske mit internationalen Zeitungen bieten genügend Lesestoff, sollte man einmal länger bleiben sollen.

Selbstredend bekommt man zum Kaffee auch ein schönes Glas mit eiskaltem Wasser. Die Bestuhlung wirkt klykadisch: weiße Stühle, die Sitzflächen mit Seegras bespannt, an kleinen, blau gestrichenen Tischen. Ja, die Tische sind so blau wie der Mittagshimmel über dem Hafen. Eine ausgeblichene und verwaschene Markise von undefinierbarer Färbung bietet denen Schatten, denen es in der Sonne zu heiß wird. Zwei besonders begehrte Tische stehen allerdings direkt unter der orientalisch anmutenden Torbogen.

Der einzige Raum innerhalb der Mauern ist für Gäste zu klein. Sogar der Kühlschrank mit den Getränken steht deshalb draußen. Dabei ist es bei Stathos so günstig, dass man sich, wenn man nur Flaschenwasser braucht, den Weg zum nahen Supermarkt sparen kann. Stathos macht sein Geld auch so. Der Wechsel unter den Gästen ist groß, denn die meisten sind nur für eine schnelle Erfrischung oder einen Kaffee vorbeigekommen. Wer ein zentral gelegenes Straßencafé mit Blick auf den Hafen gesucht hat, der wird hier fündig.

„Werner“, der etwa zur selben Zeit wie ich das Café besuchte, hat auf Google folgende Bewertung abgegeben: „Da gehe ich immer gerne für einen Kaffee hin. Einfach ein ziemlich uriges und nettes kleines Lokal, das ich unterstützenswert finde. Im Prinzip ein einfaches Kafenion mit gutem Kaffee und vielen Kleinigkeiten. Ohne Schnickschnack. Das gibt es in Rhodos-Stadt kaum noch.“ Die durchschnittliche Bewertung von 4,7 sagt doch alles, oder?

Stathis Cafe, Nea Agora am Torbogen, Rhodes, Griechenland; während der Restaurierungsarbeiten vorübergehend geschlossen.

2 Gedanken zu “Rhodisches Kaffeetagebuch: Stathis Cafe

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