Rhodos unterscheidet sich in einem Punkt von anderen Inseln und Städten: einen Zentralmarkt, wie in Athen, Thessaloniki, Chania oder auf Korfu sucht man hier vergebens. Obwohl es ein dafür prädestiniertes Gebäude gibt, die von den Italienern während der faschistischen Besatzung errichtete Nea Agora. Trotzdem ist das Gebäude ein echter Hingucker, auch wenn man ihn eher in der Levante oder in Nordafrika verorten würde, denn die Nea Agora ist von orientalischer Anmutung. Die langgezogene Front gegenüber des Mandraki-Hafens verfügt über einen langen Arkadengang in dem zahlreiche Restaurants und Cafés beheimatet sind. Man sagt, dass man hier den besten Kuchen der Insel bekommt, wenn auch zu stolzen Preisen.

Die Nea Agora fasziniert bereits auf den ersten Blick mit ihrer außergewöhnlichen Bauweise. Geprägt durch einen überkuppelten Eingang, weiße und gelbe Fassaden sowie geschwungene Arkaden, erinnert die Anlage an eine orientalische Hofmoschee. Das Bauwerk wurde als unregelmäßiges Sechseck konzipiert und fügt sich harmonisch in das malerische Stadtbild von Rhodos ein. Eine besonders sehenswerte Säule im Innenhof, verziert mit gelben Fischmotiven, verweist auf die ursprüngliche Funktion der Markthallen.

In seinen Anfangszeiten beherbergte der Markt eine Vielzahl von Händlern, die frischen Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse anboten. Der zentrale Pavillon diente als Umschlagplatz für regionale Spezialitäten. Doch mit der Zeit hat sich das Bild der Nea Agora gewandelt. Heute dominieren Souvenirläden, Boutiquen und touristisch geprägte Gastronomiebetriebe das Marktgeschehen. Die Zeiten, in denen Einheimische hier ihre täglichen Einkäufe tätigten, gehören der Vergangenheit an. Alternativ findet mittwochs und samstags am Zefiros-Platz an der Küstenstraße Richtung Kallithea ein Wochenmarkt statt.

Trotz der touristischen Prägung gibt es in der Nea Agora noch immer vereinzelte Juweliere und Feinkostläden, die mit hochwertigen Waren aufwarten. Wer genau hinschaut, entdeckt in den verwinkelten Gängen Relikte aus vergangenen Zeiten: steinerne Verkaufstische im Pavillon oder kunstvolle Fassadendetails, die von der einstigen Funktion des Gebäudes zeugen. Die zentrale Markthalle ist zwar nicht mehr das Herzstück des städtischen Handels, doch sie bleibt ein architektonisches und kulturelles Wahrzeichen von Rhodos. Der Pavillon diente einst zum Verkauf von frischen Fisch und Fleisch. Damals waren zwischen den jetzt freien Bögen noch Fenster und die im Pavillon angelegten Steintische dienten als Verkaufstheken. Doch der letzte Fisch ging hier bereits Mitte der 90er Jahre über die Theke.

Zur Zeit wird die Neo Agora aufwendig restauriert und renoviert. Am 15. Oktober 2025 begann der Abriss kleiner, nicht genehmigter Geschäfte im Erdgeschoss. Am 1. November, nach dem Ende der Saison, wurde der Neue Markt in eine geschlossene Baustelle umgewandelt. Die Arbeiten erfolgen unter archäologischer Aufsicht um den ursprünglichen Charakter des Markanten Gebäudes zu erhalten. Während der Bauarbeiten ist der Besuch des Neuen Marktes nicht möglich. Nach Abschluss der Restaurierung soll das historische Gebäude jedoch in neuem Glanz erstrahlen und wieder ein besonderer Anziehungspunkt für Einheimische und Gäste werden.

Aus stadtplanerischer Sicht sollte die Nea Agora so etwas wie das Eingangstor in die Neustadt sein, eine Art Übergang von der historischen Altstadt in damalige Moderne mit ihren Repräsentationsbauten. Leider litt die Nea Agora in letzter Zeit unter der touristischen Ausrichtung und unter einem schlechten Ruf. Der Weg über den eigentlich ganz lauschigen und vor allem schattigen Platz wird zum Spießrutenlauf, da man ständig von der Bedienung animiert wird sich doch zu setzen, um etwas zu essen oder trinken. Die Einzelhändler dort verhalten sich nicht viel besser. Oder man erlebt – wie ich – das genaue Gegenteil. Doch davon morgen mehr.
Quellen: rhodos-entdecker.com, Rhodos Urlaub, hellas-bote.de.