Pelopponesisches Kaffeetagebuch: Iliou Melathron – die Schliemann-Villa

Kaum ein Gebäude fällt in Athen so auf, wie die Schliemann-Villa Iliou Melathron im Neorennaissancestil. Das nach Plänen des aus Radebeul stammenden Architekten Ernst Ziller gebaute und von Schliemann „Haus des Priamos“ genannte herrschaftliche Haus ist zentral gelegen. In seiner Nähe befindet sich die Nationalbibliothek und Akademie sowie die katholische Kirche. Heute beherbergt Schliemanns Haus – mittlerweile in Staatsbesitz – das „Numismatische Museum“ von Athen. Das Gebäude liegt zwischen der Archäologische Gesellschaft Athen – vermutlich auch ein Ziller-Bau – und dem Syntagma.

Schliemanns Vorgabe: „Da ich zeitlebens in kleinen Häusern wohnte, möchte ich die restlichen Jahre meines Lebens in einem großen Bau verbringen. Ich möchte Weiträumigkeit und nichts mehr. Du kannst jeglichen Stil auswählen, meine einzige Forderung ist eine breite Marmortreppe, die vom Erdgeschoss zum ersten Stock führen soll und als oberen Abschluss eine Terrasse“ führte laut Georgios Stylianos Korres zu einem der „repräsentativsten, prächtigsten und originellsten Gebäuden Europas des vorigen (19.) Jahrhunderts“. Der kompakte dreigeschossige Bau auf etwa quadratischem Grundriss zeigt in der Straßenansicht eine Rundbogenloggia und erinnert an den Palazzo Trevisan im Venedig des 16. Jahrhunderts.

Heinrich Schliemann ist aus Athen nicht wegzudenken. Er hatte sich Mitten im neuen Zentrum der Hauptstadt eine große Villa gebaut und auf dem historischen Ersten Athener Friedhof befindet sich Schliemanns Grab. Und wichtige Ausgrabungsstücke von Heinrich Schliemann befinden sich im Archäologischen Museum. Außerdem stammt das Geld für das Gebäude der Archäologische Gesellschaft Athen, deren Mitglied er selbstredend war, von ihm. Heute wollen wir uns ganz dem großen Archäologen widmen und seinen Spuren durch die Stadt folgen.

Das Gebäude hat eine Grundfläche von 25 × 23 Metern. Es folgt formal dem italienischen Renaissancestil toskanischer Prägung, hat jedoch auch viele Zitate aus der griechischen Antike. Die eindrucksvolle Fassade an der Panepistimiou, der Universitätsstraße, wird von einer doppelstöckigen dunkelrot ausgemalten Loggia beherrscht, die von einer Arkade ionischer Marmorsäulen abgeschlossen wird. Das Palais ist an drei Seiten von einem Garten umgeben. Die Swastikasymbole am Zaun, ein antiker Glücksbringer, sind Vorbildern in Troja nachempfunden, die Schliemann dort ausgrub und als Feuerquirl interpretierte. Man findet es auch auf einigen Fußböden im Inneren. Im 20. Jahrhundert wurde das Symbol von den Nationalsozialisten als „Hakenkreuz“ übernommen und zu einem Kennzeichen des Rassismus, des Antisemitismus und der NS-Verbrechen umgedeutet.

Im Erdgeschoss waren zwei Museumsräume für Heinrich Schliemanns Grabungsfunde untergebracht, ferner die Hauswirtschaftsräume. Im ersten Obergeschoss befanden sich die großen Empfangsräume wie der Hesperiden-Saal, ein Gesellschafts- und Ballsaal, der für Empfänge und als literarischer Salon diente. Im zweiten Obergeschoss waren Schliemanns Arbeitsräume, seine Bibliothek mit Büro und die Wohnräume der Familie eingerichtet. Heinrich Schliemann und seine Familie bewohnte Iliou Melathron bis zu seinem Tod 1890, dann erbte es seine Ehefrau Sophia. Diese verkaufte es 1926 an den griechischen Staat, um ihren sich in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Sohn Agamemnon Schliemann zu unterstützen.

Von 1934 bis 1981 war das Haus Sitz des obersten griechischen Gerichtshofes Areopag. Danach wurde es umfangreich saniert. Seit Dezember 1998 beherbergt es das Numismatische Museum. Nicht unterschlagen möchte ich den „Garten der Musen“, inmitten des tosenden Innenstadtverkehrs eine kleine, grüne Oase der Ruhe, die das Gebäude an drei Seiten umgibt. Bestückt ist der Garten mit einigen Kopien klassisch-griechischer Skulpturen, wie die Amazone vor der Freitreppe. Übrigens gibt es im Museum ein nettes Café mit Sitzplätzen auch im Garten. Aber ich hatte ja gerade. Was Athen tatsächlich noch fehlt ist ein Schliemann-Museum. Aber vielleicht beurteilt man sein Werk hier auch anders. Im Akropolis-Museum wird er jedenfalls mit keinem Wort erwähnt.

Quellen: Wikipedia, Deutschlandfunk.

3 Gedanken zu “Pelopponesisches Kaffeetagebuch: Iliou Melathron – die Schliemann-Villa

  1. Interessant.
    Habe mal im Netz danach geschaut um mehr von dem Garten zu sehen.
    Das Hochhaus rechts scheint es ja fast zu bedrängen oder kommt es mir nur so vor?

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  2. Dank Luftbild und Streetview sieht man deutlich wie eingekesselt das Gebäude ist.
    Meine Güte, ein offenes freies Gelände würde besser zu ihm passen. Lach…

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  3. Kleine Anmerkung zur Swastika: Die war schon Ende des 19. Jahrhunderts auch in völkischen Kreisen im deutschsprachigen Raum gebräuchlich. Nicht als das eine zentrale Symbol, aber doch mit zunehmender Bedeutung. Sofern die breitere Gesellschaft sie überhaupt kannte, war sie klarerweise nicht nationalistisch und rassistisch belegt, und wurde gelegentlich auch von völlig anderen Leuten verwendet, wie etwa von Heinrich Schliemann.

    Zunehmend wurde sie aber auch von esoterischen Kreisen übernommen, wo es starke Überlappungen mit der rassistischen und antisemitischen völkischen Szene gab und gibt. Siehe etwa Georg Lanz, genannt Jörg Lanz von Liebenfels, und seine Neutempler. Von dort ging’s über den Großen Teich. Charles Lindbergh etwa hatte eine Swastika in der Propellerkappe des Flugzeuges, mit dem er den Soloflug über den Atlantik machte. Er meinte das eindeutig rassistisch. Die Nazis setzten sich dann in Wahrheit nur mehr auf ein in ihrem Milieu bereits eindeutig belegtes Symbol drauf.

    Interessant, wie ein altes Symbol innerhalb von etwa einem halben Jahrhundert zumindest in der westlichen Welt von einem romantisch angehauchten und vielfach interpretierbaren Zeichen so eindeutig punziert werden konnte.

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