Typisch Athen ist die faszinierende Mischung aus antiken Ruinen und modernem Großstadtleben, geprägt von historischen Vierteln wie Plaka, lebhaften Märkten in Monastiraki, Streetfood-Klassikern wie Gyros und Souvlaki sowie dem entspannten Genuss von Kaffee und Ouzo in Tavernen. Auch die Wechsel von mondäner Großstadt und dörflicher Idylle gehören dazu. Gestern haben wior uns mit Kringeln und Taxis beschäftigt. Heute wollen wir uns drei weiteren Besonderheiten zuwenden, die typisch Athen und damit typisch Griechenland sind.

Typisch für Athen ist die Metro, die unterirdische Lebensader der Stadt. Seit der Eröffnung der zweiten und dritten Linie sowie der Totalsanierung der ersten gehört die Athener Metro zu den moderneren Systemen Europas. Als Besonderheit sind die zentralen Stationen mit antiken Fundstücken museumsähnlich gestaltet und die weiter auswärts gelegenen mit Kunstwerken gegenwärtiger griechischer Künstler ausgestattet. Unter der Leitung von Olga Zachariadou hat sich ein Team von Archäologen und Arbeitern um die antiken Artefakte gekümmert. Die Deutsche Ärztezeitung zitiert die Archäologin mit diesen Worten: „Selbst wir Archäologen sind überrascht darüber, auf welche sensationellen Funde wir stießen.“ Es waren über 30.000 Artefakte, die bei den Bauarbeiten gefunden worden sind.

Der Bau der Athener Metro hat den Anlass zur größten Ausgrabung gegeben, die im griechischen Raum durchgeführt worden ist. Während dieser Ausgrabung sind ein ausgedehnter Teil der antiken Stadt Athen sowie mehr als 50.000 Funde entdeckt worden. Die Ausgrabung hat Beweise der ununterbrochenen Bewohnung der Stadt von der prähistorischen bis in die Neuzeit ans Licht gebracht, wie antike Gräber, Badeanlagen, private und öffentliche Bauten. Mehrere Metrostationen, darunter Syntagma und Akropoli, beherbergen heute kleine archäologische Museen, wo Ausgrabungsfunde ausgestellt werden. Gleichzeitig begegnen die antiken Ruinen der modernen Kunst, weil Kunstwerke moderner griechischer Künstler in allen Metrostationen ausgestellt werden. Die Artefakte sind in Vitrinen zu sehen, in die in der obersten Ebene der Metro Station aufgestellt sind.

Machen wir mit den legendären griechischen Kiosken weiter, besser bekannt als Periptera. Das sind kultige, oft rund um die Uhr geöffnete Mini-Supermärkte an Straßenecken. Sie verkaufen alles von Zeitschriften, Zigaretten und Getränken bis hin zu Snacks, Eis und Souvenirs. Diese kleinen Stände sind seit über 100 Jahren ein unverzichtbarer Teil des griechischen Stadtbildes und fungieren auch als soziale Treffpunkte. Die Periptera sind etwas wie Supermärkte im Kleinstformat an Straßenecken und Plätzen, deren winzige Größe über ihr riesige Produktpalette hinwegtäuscht: alles Mögliche, von Zeitschriften über Jogurt und Papiertaschentüchern bis hin zu Bier. Die meisten sind bis spät nachts geöffnet, einige, insbesondere im Stadtzentrum, sind rund um die Uhr geöffnet. Es gibt über 11.000 Kioske im ganzen Land, davon etwa 1300 im Stadtzentrum von Athen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bis vor einigen Jahren, wurden Kioske ausschließlich an Kriegsversehrte vergeben, um ihnen einen Lebensunterhalt zu ermöglichen. Die Lizenzen wurden nach ihrem Ableben an die Witwen und Kinder vererbt. Der erste Periptera stand übrigens im Jahre 1911 in der Panepistimiou-Straße eröffnet. Er steht heute an andere Stelle, denn bei einem Einsturz einer U-Bahn-Baustelle wurde er mitgerissen – verletzt wurde niemand. Leider wurde in den letzten Jahren die Mehrzahl der gelben, hölzernen Kioske geschlossen oder abgerissen. In Anbetracht der 24-Stunden-Minimärkte, die überall in der Stadt auftauchen, sowie dem kürzlich gefassten Beschluss der Regierung, demzufolge die alten Lizenzen nicht erneuert werden, nicht zu vergessen der Auswirkungen der Finanzkrise, wodurch sich über 500 Kioskbesitzer zur Schließung ihres Kiosks gezwungen sahen, befindet sich ein einzigartiges Merkmal des Athener Stadtbildes im Wandel.

Typisch für Athen ist leider auch der Müll. Das Fehlen eines Pfandsystems und der Hang der Griechen zu Einweggeschirr führt leider zu einem großen Müllaufkommen. Auch als ökologisch denkender Tourist ist es unmöglich sich nicht zu versündigen. Das geht bei den Wasserflaschen los und geht beim Frappé weiter, der wie selbstverständlich im durchsichtigen Plastikbecher verkauft werden. Oft auch dann, wenn man im Café konsumiert. Versuche der Regierung den Müllwahnsinn einzudämmen blieben bisher eher halbherzig. Und so gehört er eben zum Stadtbild dazu – wie die Periptera, die Koulouri, die Metro und die gelben Taxis. Und jetzt besuchen wir noch einige Sehenswürdigkeiten der Stadt…
Quellen: This is Athens, Athens Insider, Wikipedia, hellas.blog, Athens Tourists Guides, Deutsche Ärztezeitung.
So hat wohl jedes Land seine ganz eigenen Probleme.
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