Ich klettere hinunter zum Tempel, einem geheimnisvollen Ort. Hier umgibt einen fast völlige Stille, bis auf das Rauschen der Äste im Wind und dem fernen Rufen der Vögel. Nur wenige der Säulen sind stehen geblieben, vermitteln aber einen Eindruck davon, wie der Tempel einst ausgesehen haben mag. Ich gehe – wie mir zuvor beschrieben – zur rechten hinteren Ecke des Tempels. Hier beginnt, versteckt unter den Ästen der Bäume ein kleiner Pfad.

Schnell verstehe ich, was mit dem gefährlichen Weg gemeint ist. Links geht es steil abwärts über Felsen bis zum Meer. Wenn dieser Pfad feucht und glitschig ist, sollte man ihn wirklich meiden. Und ich? Ich bin zu weit gegangen um jetzt noch umzudrehen. Gebückt folge ich der Spur unter den Ästen. Schon nach kurzem Weg das zweite Hindernis. Eine Mauer. Dahinter die Steintreppen des „ungefährlichen“ Weges. Da muss ich jetzt rüber. Über den Rückweg mache ich mir später Gedanken.

Mit einem kleinen Sprung erreiche ich einen Treppenabsatz. Jetzt geht es die Stiege immer weiter hinab. Dabei nimmt die Güte der Stufen stetig ab. Wer hat sie gebaut? Die Venezianer? Oder schon die Bewohner der „Alten Stadt“? Die letzten Meter werden mehr zum Klettern. Auch der „ungefährliche“ Weg hat so seine Tücken. Doch schon blitzt etwas helle blaues durch die Äste und Blätter: das Meer! Es kann nicht mehr weit sein!

Das letzte Stück des Weges sieht aus, als entstamme es einer alten Sage. Schon eröffnet sich einem eine kleine Bucht, so klein, dass hier kaum ein Boot anlegen könnte. Nein, über keinen anderen Weg kann man diesen Ort erreichen – außer natürlich man schwimmt. Und da ist schon die Quelle, die steinerne Einfassung mehrfach geborsten. Aus dem Inneren des Steins gluckert das Wasser in stetigem Strom. Mit der hohlen Hand nehme ich die ersten Schlucke. Es schmeckt herrlich!

Ich fülle meine Wasserflasche mit dem köstlichen Nass. Dann schaue ich mir die Umgebung an. Wo das Quellwasser ins Meeer rinnt wäre ein trefflicher Platz für Nixen, Nymphen und Wassergeister. Heute entdecke ich allerdings keine. Links von der Quelle die Überreste einer kleinen Behausung, die Mauern gebrochen, das Dach wird langsam vom nachrutschenden Hang erdrückt. Die Inschriften kaum lesbar. Sinn und Zweck ein Rätsel.

Ich setze mich in die kleine Nymphenbucht und genieße den Ausblick. Das Meer trägt Musik von einem der Boote herüber und das Gelächter der Menschen. Es ist, als würde der Schall vor der Bucht abebben und versiegen. Hier nur Ruhe und Stille. Und das leise Plätschern des Wassers. Bevor ich mich auf den schwierigen Aufstieg mache, fülle ich meine Flasche noch einmal auf. Feucht ist es hier und dunkel.

Langsam klettere ich den Steig nach oben. Es ist mir, als käme ich aus einer weit entrückten Schattenwelt ins Licht. An der Mauer muss ich mich entscheiden. Und ich entscheide mich wieder für die Abkürzung. Nach wenigen Minuten stehe ich auf der Lichtung des Kardaki-Tempels. Noch ein paar Schritte und die warmen Strahlen der Abendsonne wärmen mich. Meine Heimat mag ich vergessen haben, meine Liebe zum Kaffee nicht! Doch was bedeutet die geheimnisvolle Inschrift? Die Antwort darauf folgt morgen!
Du kommst mir wieder vor wie ein Held aus einem Karl May-Band und dieser Autor hatte seine Werke anfangs in der Tageszeitung als Fortsetzungen geschrieben, also doch die Wiedergeburt von Kara Ben.
PS: Ich dachte zuerst, der Weg sei gefährlich, weil da vielleicht die Bande des Schut auf der Lauer liegt 🙂
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Nö, aber Ausrutschen wäre blöd gewesen.
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Das Lied etwelcher Nymphen – oder Sirenen – ist denen vorbehalten, die auf den Stufen ausgleiten und runterrutschen und leicht lädiert und mit eingetrübtem Bewußtsein unten liegenbleiben.
Jedenfalls hoffe ich, falls Du wieder solche Pfade begehen willst, auf rutschfeste Schuhe und sicheren Tritt.
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Unbedingt!
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Ja, bei Regen definitiv nicht zu empfehlen.
Ich glaube die Quelle kam mal von oben, so dass man sich drunter stellen konnte.
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