Peloponnesisches Kaffeetagebuch: die Rio-Antirrio-Brücke

Ein kleines Weltwunder der Technik: die Rio-Antirrio-Brücke. Sie gilt als eine der längsten mehrfeldrigen 
Schrägseilbrücken der Welt und die längste Hängebrücke überhaupt und trägt offiziell den Namen Charilaos-Trikoupis-Brücke. Sie ist 2.380 Meter lang und verbindet den Peloponnes mit dem griechischen Festland. Die Meerenge von Rio-Antirrio trennt den Golf von Patras im Westen vom Golf von Korinth im Osten. Südlich von Rio liegen die Stadt Patras und Kato Kastritsi, Akteo liegt östlich.

Namensgeber Charilaos Trikoupis, 1893 bis 1895 Ministerpräsident von Griechenland, träumte schon im 19. Jahrhundert von dieser Brücke an selber Stelle. Nur leider fehlte dem griechischen Staat für ein solches unternehmen das nötige Geld. Auch darf bezweifelt werden, dass man mit der damaligen Technik die anfallenden Probleme hätte lösen können. Der Meeresboden – teilweise in 65 Meter Tiefe! – ist extrem locker. Darüber hinaus befindet sich die Brücke in einem Erdbebengebiet und Windesgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h sind keine Seltenheit. Außerdem driften der Peloponnes und das griechische Festland um bis zu 15 Millimeter im Jahr auseinander.

Mitte der 1990er Jahre nahm man die Planung wieder auf und schon 1998 begann man mit diesem Jahrhundertprojekt. Die Brücke wurde genau rechtzeitig für die Olympiade 2004 in Griechenland fertig. Die Fackelträger mit der olympischen Flamme überquerten sie als Erste offiziell. Fun Fact am Rande: Einer von ihnen war Otto Rehhagel, der deutsche Fußballtrainer, der mit der Nationalmannschaft Griechenlands die Europameisterschaft 2004 gewann.

Das Fotografieren durch professionelle und Amateurfotografen sowie Kameraleute ist von der Brückenverwaltung erlaubt und erwünscht, ohne dass eine Genehmigung erforderlich ist. Weshalb ich bei diesem relativ kurzem Vergnügen auch rege davon Gebrauch gemacht habe. Allerdings ist die Fahrt nicht ganz billig: eine Maut von 15,40 € durfte ich berappen – dafür bekomme ich auch ein Mittagessen mit einem kühlen Bier in Athen. Aber wie oft hat man schon die Gelegenheit über ein technisches Weltwunder zu fahren.

12 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: die Rio-Antirrio-Brücke

  1. Großartig. War auch die Brück am Tay, mal sehen wie stabil das ganze Ding auf Dauer ist. Man versteht aber, dass, nachdem eine Halbinsel künstlich zur Insel gemacht wurde, jetzt wieder Brücken her müssen, um sie wieder an den Kontinent anzubinden, nicht dass noch ein Inselliebhaber meint, er könnte sie sich unter den Nagel reißen.

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