Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Methoni II

Der gestern bereits erwähnte Nicolas-Joseph Maison zeichnet für die vielen freien Flächen innerhalb der Burg verantwortlich. Er ließ die traditionellen Wohnviertel der Einwohner Methonis innerhalb der Mauern demontieren und vor den Mauern wieder aufbauen. So schaffte er unter anderem Platz für seine 13.000 Soldaten, die von Wissenschaftlern, Künstlern und Ingenieuren begleitet wurden, um Kenntnisse über Topographie, Natur und archäologische Stätten der Peloponnes zu gewinnen.

Doch es gibt noch mehr zu bestaunen innerhalb der Mauern. In den Mauern aus venezianischer Zeit befindet sich das Relief eines Markuslöwen. Auch ein Haus mit Steinpyramide als Dach wurde wieder aufgebaut, dessen Funktion mir allerdings nicht bekannt ist. Im Übrigen befinden sich zahlreiche Ruinen in Inneren der Burg, darunter zwei Türkische Bäder mit erhaltenen Kuppeln und Fußbodenheizung. Die Kuppeln mit Löchern in ihren Kuppeln, die einst mit farbigen Glasbausteinen verschlossen waren. Wenn auch die meisten Teile der Festung aus venezianischer, osmanischer und französischer Zeit stammen, so weisen die Reste dorischer Säulen, die über den Platz verteilt sind, auf eine frühere Besiedelung hin.

Außerdem sieht man die Ruinen einer Kirchenruine mit dem Stumpf eines Minaretts – sie wurde wohl als Moschee genutzt – gefolgt von einer griechisch-orthodoxe Kirche, der byzantinische Kirche Agios Vasilios und den Ruinen des Klosters De viridario Beatae Mariae. Diese Ruinen verteilen sich auf die etwas mehr als 93 Hektar, über die sich die Burganlage erstreckt. Begrenzt wird der Platz über die sechs bis elf Meter hohe Mauer mit fünf mächtigen Wachtürmen. Im Süden der Festung erheben sich zwei große Kirchenfenster der Kirche der Verklärung des Erlösers und rechts daneben das restaurierte „Tor zum Meer“, dass einen genaueren Blick verdient.

Die Venezianer begannen mit dem Bau des prächtigen Seetors und die Türken vollendeten ihn. Ein schmaler, mit groben Steinen belegter Damm führt von hier hinaus aufs Meer zu einer winzigen befestigten Insel mit einem achteckigen Turm, den die Griechen Bourtzi nennen in Anlehnung an das aus dem osmanischen Türkisch stammende Wort burç (Bastion, Turm). Diese kleine, weit vorgeschobene Bastion wurde bald nach der Machtübernahme von den Türken im frühen 16. Jahrhundert errichtet und von allen nachfolgenden Mächten umgebaut und erweitert. Beide Stockwerke des Turms verfügen über Brustwehren für die Verteidiger und im unteren Stockwerk war sogar eine Zisterne eingerichtet worden.

Anfang des 19. Jahrhunderts erscheint ein weiterer Akteur auf dem Feld, mit dem ich – zumindest in dieser Zeitperiode – nicht gerechnet hatte. Im Kielwasser der Osmanen nimmt Ägypten Methoni in Beschlag. So wurde die Festung zum Stützpunkt der Ägypter während ihres Feldzugs auf dem Peloponnes. Obwohl dem griechischen Freiheitskämpfer und Admiral der griechischen Flotte Andreas Miaoulis das Husarenstück gelang 30. April 1825 trotz militärischer Unterlegenheit einen Teil der ägyptische Flotte zu versenken und die übrigen Schiffe in die Flucht zu schlagen, konnten sich die Ägypter in der Festung halten und kapitulierten erst 1828 vor der französischen Expeditionstruppe unter General Maison. Alljährlich wird der 30. April festlich begangen mit Gottesdienst, Prozession zum Meer, symbolischer Verbrennung eines Schiffes und abschließendem Feuerwerk mit Lichtshow. Heuer zum 200. Mal.

Jetzt muss ich mich aber beeilen, denn um 15:30 Uhr schließt die Festung während des Winterhalbjahres bereits so früh. So viel Geschichte macht hungrig und deshalb kehre ich auch gleich in der ersten Taverne auf dem großen Platz vor der Burg ein, in die Taverne Thalassa. Methoni ist heute ein traditionelles Dorf mit vielen weißen Häusern mit roten Dächern und mehreren geraden Straßen, von denen eine die Einkaufsstraße ist. Und deshalb gibt es auch eine Platia und somit unweigerlich einige Restaurants.

Nur leider hatte man offenbar nicht so richtig mit mir gerechnet. Schon der Bestellvorgang zog sich länger hin – ich bestellte Bekri Meze eigentlich in Wein eingelegtes Schweinefleisch, dass ich schon immer einmal probieren wollte – noch länger wartete ich nur auf mein Essen, das noch dazu trocken und enttäuschend war. Schade.

Und so blieb ich länger, als ursprünglich geplant. Klar war zu diesem Zeitpunkt, dass ich Olympia nicht schaffen würde. Einerseits bedauerlich, andererseits hatte ich für einen Tag bereits genug gesehen. So machte ich mich wieder auf den Weg zu meinem heutigen Etappenziel: die Hafenstadt Patras.

Quellen: Wikipedia, methoni.gr.de, odysseus.culture.gr, visitpeloponnese.com, in-griechenland.de, griechenlandweb.de, peloponnes.eu, schwarzaufweiss.de. Tavern Thalassa, Methoni, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 12:00 – 00:00 Uhr.

7 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Methoni II

      1. Ich kenn wunderbare Restaurants in Sarajevo, die können Klepe nicht – ein Lieblingsessen von mir, und so eine typische lokale Spezialität. Die können andere Spezialitäten super – aber das nicht. Dafür muss man halt ins Aeroplan…

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      2. Oder Wiener Schnitzel. Kann auch nicht jedes gute Restaurant in Wien gleich gut. Beziehungsweise Gulasch. Meist ist das eine hervorragend, und das andere so naja. Lokale, die beides gut können, gibt’s erstaunlich wenige.

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      3. Ich hatte auch mal das Problem, dass ich zu lange auf ein Gericht warten musste. Und als es dann kam, waren meine Geschmacksnerven wie gelähmt. Ich konnt das Essen beim besten Willen nicht mehr genießen, obwohl ichs doch noch gegessen habe, aber es gibt einen Punkt, da schaltet der Gaumen auf stur. Aber es kann auch sein, dass es in der Küche Probleme gab, wenn die so lang brauchen. Da ist etwa ein Gericht nichts geworden und dann wird schnell ein neues lieblos auf den Teller gezaubert usw. usw. War wohl nicht deine Stunde in dem Moment ..

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