Der herbe Duft exotischer und einheimischer Gewürze, würzige Kräuter, herzhaftes Gyros, frisch gerösteter Kaffee, kräftiger griechischer Bergsalbei, das Salz des Meeres und frischer Fisch – schon alleine die Vielfalt der Gerüche machen eine Besuch im Varvakios-Markt zum Erlebnis. Dazu die Farben, dezent und rötlich bis bläulich bei Fisch und Meeresfrüchten, das kräftige Rot schlachtfrischen Fleisches und die bunten Früchte und Gemüse. Das alles untermalt vom Geschrei der Händler, die ihre Waren anpreisen und dem stetigen Gemurmel der Besucher. Kaum ein Ort ist so vielfältig und so lebendig wie Dimotikí Agorá Athinón, die Athener Markthallen, oder umgangssprachlich: Varvakios Agora.

Auf halben Wege zwischen Omonia und Monastiraki liegt der Athener Zentralmarkt, von beiden Plätzen mit U-Bahnstation bequem in jeweils zehn Minuten erreichbar. In den umlaufenden Gängen – den gedeckten Gassen Armodiou, Aristogitonos und Filopimenos – wird Fleisch angeboten, in der zentralen Halle Fisch und in den Läden zur Fassade hin Nüsse, Trockenfrüchte und Gewürze. Gegenüber liegt der Obst- und Gemüsemarkt. Dort und in umliegenden, zum Teil überdachten Straßen werden auch Gewürze, Hülsenfrüchte, Wurstwaren, Käse, regionale Spezialitäten und Haushaltswaren gehandelt.

Die Bauarbeiten zur Markthalle, die den alten Basar aus der Türkenzeit auf dem Gelände der Hadriansbibliothek nahe dem Bahnhof Monastiraki ablösen sollte, begannen 1878 nach Plänen des Architekten Ioannis Koumelis. Damals fand der Markt größtenteils unter freiem Himmel statt, und Verkäufer verkauften ihre Waren aus Hütten rund um die nahe gelegene Römische Agora. Die Baukosten übernahm der vermögende Kaviar-Importeurs Ioannis Varvakis, der dem Markt seinen griechischen Namen gab: Varvakios Agora. Nach mehreren Verzögerungen wurde der Varvakios-Markt 1884 eingeweiht. Das Glasdach und die Keller wurden 1886 hinzugefügt.

Das Herz des Gebäudes beherbergt den Fischmarkt – den größten Frischfischmarkt in Europa. Täglich kommen hier etwa fünf bis zehn Tonnen frischer Fisch an, die meisten davon von Inseln wie Naxos, Paros, Skyros, Kalymnos und Symi. Die verfügbaren Fische und Meeresfrüchte variieren je nach Jahreszeiten, aber es gibt immer eine große Auswahl für jeden Geldbeutel. Tatsächlich sind die Lebensmittel hier generell billiger, als in den Supermärkten. Ein Einkauf hier kann sich also auf finanziell lohnen. Apropos: vor Taschendieben wird gewarnt, denn die machen sich nur allzu gerne das unübersichtliche Gedränge zu Nutze!

Doch zurück zum Fisch! Die häufigsten Fischarten, denen man in der geräumigen Fischhalle begegnet, sind Sardinen, Sardellen und Makrelen – die fettreichen Fische, die die Griechen gerne essen und mit Ouzo hinunterspülen – am besten gleich vor Ort! In aller Regel findet man hier auch Fisch, Muscheln, Sepien, Oktopus, Tintenfische und Calamari aus der Region. Aber auch auf importierte schottische Königskrabben und Hummer, Jakobsmuscheln aus Dänemark, Königskrabben aus dem Atlantik, große Garnelen aus Argentinien und Lachs aus Norwegen stößt man hier.

Um nichts geringer ist die Auswahl auf dem Fleischmarkt. Geflügel Rind und Schwein direkt von Bauernhöfen in Kerkini, Nordgriechenland, freilaufende Wachteln, Rebhühner, Fasane, Kaninchen, Wildschweine und Rehe direkt aus dem Pindus-Nationalpark, Ziegen-, Lamm- und Hammelfleisch von der Insel Naxos, alle Arten von Würsten, frische, geräucherte, gepökelte, luftgetrocknete.

Für den typischen Supermarktkunden dürfte der Anblick manchen Tieres erst einmal gewöhnungsbedürftig sein. Eine Reise-Influencerin behauptete in ihrem ansonsten sehr informativen Beitrag sogar, dieser Markt sei nichts für schwache Nerven. Frischer und natürlicher geht es allerdings nicht. Und wer will, der kann nicht nur in den zahlreichen Markttavernen einkehren, und die dort angebotenen einfachen und typisch griechischen Gerichte genießen – marinierte Sardellen, geräucherte Makrelen und Muscheln, würzige Lammfleischbällchen und Schweinswürste oder die traditionelle Patsas oder Kuttelsuppe – der kann sich in manchen Küchen sogar den eben gekauften Fisch zubereiten lassen.

Die Häuserblöcke rund um den zentralen Markt sind mit Verkaufsständen und Spezialitätengeschäften gesäumt, in denen eine Vielfalt an Nüssen, Trockenfrüchten und Gewürzen verkauft wird. Hier decke ich mich nicht nur mir Gewürzen ein – nirgends habe ich sie günstiger bekommen! – sondern auch mit griechischem Bergsalbei. Ein Geschäft daneben namens Krokos, was Eigelb bedeutet, verkauft jede Art frischer Eier, von Wachtel bis Strauß, aus Freilandhaltung und Bio bis hin zu pasteurisiertem Eigelb oder Eiweiß für den professionellen Gebrauch.

Gegenüber dem Hauptmarkt in der Athinas-Straße befindet sich der Gemüse- und Obstmarkt. In den altmodischen Lebensmittelgeschäften und an den Verkaufsständen unter freiem Himmel gibt es Oliven aller Art, eingelegtes und sonnengetrocknetes Gemüse, Käse, Joghurt, Gebäck, Reis und Hülsenfrüchte, gesalzenen Kabeljau und Schnecken zu kaufen. Die meisten Produkte werden pro Kilo berechnet. Von früher drei Tavernen, die im Markt rund um die Uhr geöffnet waren, ist nur noch eine bis in den frühen Abend offen. Aber auch so lohnt sich der Ausflug in den το στομάχι της Αθήνας, in den Bauch Athens, wie die Varvakios Agora analog zu den früheren Pariser Hallen genannt wird, der wiederholt werden muss.

Zentralmarkt Athen, Athinas 40, Athina, Griechenland; Öffnungszeiten: Montag – Samstag 07:00 – 18:00 Uhr.
Ich halte es wie FF: Ist es zu stark, bist du zu schwach.
Ich liebe diese Markthallen. Sie repräsentieren Kultur, Lebensart und Kulinarik. Egal, ob in Palma, Porto de la Cruz oder in Griechenland.
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So ist das.
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🙏🙏🙏 Ja, das ist ein Markt – leider kann man immer bei Reisen nicht wirklich einkaufen
Hierzulande gibt es nichts vergleichbares
Lg
Meggie
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Das ist leider wahr. Allerdings kommt der Münchener Viktualienmarkt recht nah ran, ist allerdings auch teuer.
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Ich liebe Märkte am Balkan. Das scheint ein besonders guter zu sein.
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Und relativ günstig. Noch günstiger allerdings war der in Thessaloniki, wo man für wenige Euro ein ganzes Frühstück mit Feta, Wurst, Oliven und Weintrauben bekommt.
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A versecraft share
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Thank you!
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Solche Märkte vermisse ich hier.
Tja, wer denkt die Tiere kommen aus dem Supermarkt, ist dort sicherlich falsch. 😂
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Das ist auch erstmal gewöhnungsbedürftig. Allerdings kann man sich hier direkt von der Fleischqualität überzeugen, auch wenn die Präsentation auf uns manchmal etwas archaisch wirkt.
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In solch schönen, großen Märkten könnte ich einen ganzen Tag verbringen. 🙂
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Und Du kannst Dir dort zum Beispiel einen leckeren Fisch kaufen, zu einer der Tavernen im Markt bringen und dort nach Wusch zubereiten lassen. Frischer geht’s nicht.
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💙
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❤️
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