Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Parlament, Nationalgarten, Zappeion

Die Griechen nehmen regen Anteil am politischen Leben. Das erkennt man nicht nur an den Nachrichtensendungen, die politische Entscheidungen bis ins Kleinste aufdröseln und diskutieren – es gibt auch einen extra Sender, der 24/7 aus dem Parlament berichtet – das sieht man auch daran, dass Politik mitten im Leben stattfindet. Genauso zentral und im Herzen der Stadt liegt das Parlamentsgebäude, ursprünglich das Stadtschloss von König Otto I. Die ersten Pläne von Karl Friedrich Schinkel (Neue Wache, Schauspielhaus, Altes Museum Berlin) verortete das Schloss noch oben auf der Akropolis, ein Entwurf, der Gott sei Dank nicht umgesetzt wurde.

Geplant wurde der Bau schließlich von Leo von Klenze (Glyptothek, Alte Pinakothek, Walhalla) und gebaut von Friedrich von Gärtner (Ludwigskirche, Siegestor, Feldherrenhalle, Ludwig-Maximilians-Universität). Und das nicht auf der Akropolis, sondern in der Mitte der Stadt. 1836 legte König Otto höchstselbst den Grundstein für das neue Stadtschloss. Seit 1935 tagt hier das Griechische Parlament. Neben dem Schloss hatte der Architekt Gärtner einen französischen Garten vorgesehen, doch Königin Amalia, die sich sehr für Gartenkunst und Landwirtschaft interessierte, ließ 1836 von François-Luis Barrauld einen deutschen Landschaftsgarten im Stil der Romantik anlegen.

In der Antike war ein Teil des Geländes der private Garten des Philosophen und Botanikers Theophrastos von Eresos, einem Nachfolger des Aristoteles. Der Garten war ein Geschenk von Demetrios von Phaleron an seinen Lehrer, wie ein Grenzstein belegt. Dort befand sich auch ein Heiligtum und eine Bibliothek. Der 158.000 m² große Park ist die Heimat von mehr als 7.000 Bäumen und 40.000 Sträuchern sowie Hunderten von Vogel-, Fisch- und Schildkrötenarten. Die Baumschule des Gartens gilt als das erste Gewächshaus im modernen Griechenland. Dort wachsen Setzlinge, die später einmal im Park neu gepflanzt werden. Insgesamt beherbergt der Garten 519 Pflanzenarten, von denen 100 in Griechenland heimisch sind, während der Rest aus der ganzen Welt stammt. Königin Amalia pflanzte 1842 persönlich die großen kalifornischen Palmen, die man sieht, wenn man von der Amalia Straße kommt.

Heute ist der Nationalgarten vor allem eines: eine grüne Oase inmitten von Athen. Neben unzähligen Tier- und Pflanzenarten beherbergt er auch einige kostenlos und frei zugänglichen archäologische Stetten, wie die römischen Mosaike im Norden des Parks und römische Ruinen weiter im Süden. Auch sehenswert ist die Pergola der Königin Amalie, die auch im heißen Sommer Schatten spendet. Ich genieße den ruhigen Park, der Gegenentwurf zum hektischen und lauten Verkehr Athens. Hier könnte ich den ganzen Tag verbringen, gibt es doch viel zu sehen und zu entdecken. Doch ich habe noch viel vor heute und die nächste Sehenswürdigkeit liegt nur wenige Schritte entfernt.

Am Südende des Nationalgartens begegnen wir Theophil Hansen und Ernst Ziller wieder. Von ihnen stammt der Entwurf und der Bau des Zappeions. Dieser stattliche Konferenz- und Veranstaltungsort wurde ursprünglich 1888 für die ersten modernen Olympischen Spiele erbaut und ist nach seinem Stifter, dem großen griechischen Philanthropen Evangelos Zappas, benannt. Das Parlamentsgebäude in Wien folgte übrigens dem gleichen Baustil. Kein Wunder, stammen die Pläne doch wieder von Theophil Hansen.

Da im Inneren gerade eine Veranstaltung in Vorbereitung war, wurde mir der Zugang verwehrt. Vor dem Zappeion gastierte gerade eine Art Bauernmarkt – leider ohne Kaffee, ich muss mich also noch etwas gedulden. Vor dem repräsentativen Bau erstreckt sich der Zappeion-Garten aus den 1880er-Jahren. Er schließt die Lücke zwischen dem Nationalgarten, dem Tempel des Olympischen Zeus und dem Panathenäische Stadion. Doch mehr davon (und die Auflösung der Frage, wann ich endlich einen Kaffee bekomme) morgen.

Quellen: Wikipedia, thisisathens.org.

2 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Parlament, Nationalgarten, Zappeion

  1. Es ist gut, dass ausführlich geschildert und erklärt wird. Der moderne Mensch würde unter einem Zappeion womöglich etwas ganz und gar anders verstehen, vielleicht eine Art gamescom.
    Ich habe soeben schon einen Kaffee. Dafür bin ich aber auch daheim und nicht in Attika. Ein Stück weg von Griechenland und doch so verbunden, wie dieser Text zeigt: Meine Münchener Jahre verbrachte ich ganz in der Nähe von Ottobrunn. Ich muß hier bzw. Dir wohl nicht erklären, was das mit Griechenland und diesem Otto zu tun hat!

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