Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Zurück am Omonia

Der Omonia ist für mich so etwas wie der geographische Mittelpunkt meiner Unternehmungen. Der Platía Omonías, der Platz der Einheit, wurde 1833 angelegt und sollte ursprünglich Otto-Platz, nach dem griechischen König aus dem Hause Wittelsbach, genannt werden. Die Station Omonia der Metro Athen unter dem Platz ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt der Stadt; bis zum Bau der Linien 2 und 3 bildete sie den einzigen Halt der U-Bahn im Zentrum Athens. Der Omonia gilt heute als Eingang der multikulturellen Stadtteile, die direkt angrenzen.

Auf und unter dem Platz präsentiert sich die Geschichte aus bald zwei Jahrhunderten. Bis heute befinden sich dort zwei ehemalige Hotels des bekannten Architekten Ernst Ziller, Bagkeion und Megas Alexandros. Ziller war zu König Ottos Zeiten an zahlreichen Bauten in Athen beteiligt – Akademie, Zappeion, Nationalbibliothek – aber auch an der Ausgrabung und Sicherung antiker Stätten. Der tiefste und auch älteste U-Bahnhof erinnert stark an Berlin, stammt er doch aus dem Jahr 1930. Schlichter und moderner ist es eine Etage höher. Hier wurde in den 90er Jahren ein zusätzlicher Bahnsteig eingezogen.

Oberhalb der Erdoberfläche wird der Platz geprägt von dem nachts farbig beleuchteten Springbrunnen und dem Kaufhaus Hondos-Center. Viele Gebäude stehen leer, verstärkt wird die Situation durch die Vereinnahmung des Platzes durch Immigranten, die in nahegelegenen Gebäuden illegal wohnen oder sich hier aufhalten. Die Kriminalitätsrate ist für Athener Verhältnisse hoch, tagsüber gilt aber der Platz als sicher und wird von tausenden Berufspendlern benutzt. Tatsächlich ist vieles für meine an München gewohnten Augen neu, fremd und auf den ersten Blick seltsam. Unsicher fühlte ich mich aber – tags wie nachts – nie.

Hier steht der Periptero, der Kiosk, der Tag und Nacht geöffnet hat. Hier ist die Attika Artopoieío, die Bäckerei. Hier sind die Cafés und Imbisse. Hier ist der nächste Supermarkt und die Veneti-Filialen Great Baggeion und Omonia Neon. Und natürlich die Taverna „Old Omonia“, ein Garant für gutes und doch preisgünstiges Essen. Dabei ist die Auswahl an schönen Tavernen in dieser Gegend eher gering, ganz anders als zum Beispiel in Plaka oder Monastiraki. Trotzdem habe ich mich für meinen ersten Abend in Athen für ein anderes Lokal entschieden, als das Old Omonia.

Das „I Kriti“ liegt in einer Passage unweit vom Omonia-Platz. Eine Erinnerung an meine Kreta-Reise. Weshalb ich auch mit einem typisch kretischen Gericht starte: Dakos, Tomaten auf Zwieback. Gefolgt von Sfakiano, einer kretischen Bratwurst. Eigentlich nur zwei Vorspeisen, aber die reichen mir heute nach der langen Reise. Als ich mich auf den Rückweg zum Hotel mache, sind die Straßen schon menschenleer. Wie gesagt, unsicher fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt.

Am Omonia fällt mir ein, dass jetzt ein Tsipouro fein. Den könnte ich mir im hell erleuchteten Periptero besorgen. Ich entscheide mich dagegen und setze mich auf diesen Absacker ins Old Omonia. Hier trifft gerade ein Gruppe junger Menschen ein, die froh ist noch etwas zu essen zu bekommen. Ich lasse den Tag Revue passieren. Und das beste ist: der Urlaub liegt noch vor mir!

I Kriti, Veranzerou 5, Athen, Griechenland; Öffnungszeiten: Montag: 17:30 – 22:00 Uhr, Dienstag – Samstag 13:00 – 00:00 Uhr, Sonntag 15:30 – 23:00 Uhr.

3 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Zurück am Omonia

  1. Das find ich als gediegener Trinker ja super, dass du als Taxifahrer jetzt auch mal ein Fläschen trinken darfst. Schon einiges erlebt, obwohl erst angekommen. Wichtig sind die Heimatgefühle, denn ich denke, du bist im Herzen Grieche und ich hab mit Griechen zusammen gearbeitet. Sehr nette Menschen. Ich denk noch an meine Freundin Fulla Maragakis zurück, die war etwas kräftiger aber sowas von lieb zu jedem .. Ich wünsch dir noch viel Spaß und vielleicht gehts ja mal an historische Orte. Die Athener waren schon immer ein vornehmes Volk, das auf dem Marktplatz diskutierte und hier entstanden de facto die Philosophien der Alten, die noch heute Weltgeltung haben. Hoffentlich hab ich nicht zuviel geschleimt, aber die Griechen sind mir wirklich näher als die Römer, aufs Historische bezogen ..

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