Samiotisches Kaffeetagebuch II: Kastell Potami

Ppotami war für mich vor allem eine Geschichte des Scheiterns. Verheißungsvoll recken sich die Zinnen einer Burgruine in den Himmel, gut sichtbar von der Straße aus, aber für mich vor zwei Jahren unerreichbar. Der Weg zur Burg sollte hinter der byzantinischen Kirche Panagia tou Potamou, auch bekannt als Metamórfosis tou Sotíros – Verklärung des Heilands – losgehen.

Einige der Bauelemente in der Kirche entstanden nach Schätzung des Professors Argyris Petronotis jedoch erst in der zweiten Hälfte des 13. bzw. in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Aus der byzantinischen Periode stammen auch die vier Säulen aus weißem Marmor, die die Kuppel stützen und Säulenkapitelle korinthischer Ordnung haben- Bestandteile eines frühchristlichen Monuments.

Nur wird die Kirche gerade renoviert und ein Teil des Geländes rund um die Kirche deshalb abgetragen. Auch, wenn man inzwischen deutlich weiter ist, als vor zwei Jahren, fertig ist man hier noch nicht und auch der Weg zur Burg reicht noch nicht bis ganz nach unten. Nur sind heute keine Bauarbeiter da, die mich daran hindern könnten die Baustelle zu betreten. Zweimal Scheitern gibt’s nicht. Etwas ungelenk krabbeln wir bei der Kirchen-Rückseite durch. Nur noch etwas Klettern und wir erreichen den Anfang des frisch ausgebauten Weges. Nun hindert uns nur noch ein rotes Absperrband daran, den Weg auch zu benutzen. Also nichts.

Der jetzt gut befestigte Weg schlängelt sich durch eine atemberaubende Landschaft. Rechts geht es steil bergab in das Tal, dass der namensgebende Potami-Fluss in den Berg geschnitten hat. Im Sommer ist der Bach eher ein schwaches Rinnsal, hat allerdings einen Wasserfall, dessen Besuch zur Hauptsaison eher eine Gruppenveranstaltung ist. Nach kurzem Aufstieg erreichen wir das kleine Tor, dass seine byzantinische Herkunft nicht verleugnen kann. Doch wer hat hier gebaut?

Das Adelsgeschlecht der Laskariden – eine Familie aus Genua – hatte sich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf Samos niedergelassen. Es ist historisch nicht gesichert, warum gerade an diesem Ort die Festung entstanden ist. Man nimmt an, dass es hier einst einen Stützpunkt der Byzantiner gegeben hat, die eine kleine Ansiedlung in diesem Bereich schützte. Die sorgfältig renovierten Mauerreste bestätigen diese Vermutung. Auch die Kirche im Tal steht ja auf byzantinischen Grundmauern.

Das kleine Kastell erstreckt sich über ein kleine Plateau. Am besten erhalten sind das Torhaus, sowie die Ruinen von Zisternen und einer weiteren kleinen Kirche. Es wird heute angenommen, dass es einen Tunnel als Verbindung zwischen Kastell und der Kirche im Tal gab. Hier in der Nähe befinden sich auch Ruinen eines kleinen Ortes, der heute nicht mehr bekannt ist. Vielleicht ein Teil der byzantinischen Niederlassung? Oder Gebäude aus genuesischer Zeit? Man weiß nur wenig darüber.

Mission accomplished! Wir feiern das mit einer Portion Baklava und Eis im nahen Sunset Café. Und was zu trinken, denn das Klettern hat durstig gemacht. Und dann ist es auch schon Zeit sich auf den Rückweg zu machen. Aber auch dort gibt es noch genug zu sehen, doch davon morgen mehr.

Quelle: insel-samos.net.

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