„Die Salzburger Festspiele sind der Umweg – das Bazar ist der Zweck“, merkte der Schriftsteller Anton Kuh im Jahre 1928 wohl mit einem Augenzwinkern an, als er über das Café Bazar schrieb. Mich führt mein Weg geradezu zwingend am Café Bazar vorbei. Und der ist seit Jahren der gleiche: vom Bahnhof geht es durch die Gabelsberger- und Paracelsusstraße zum kleinen Grünmarkt, dann über die Franz-Josef-Straße zum Schloss Mirabell. Nach einer kleinen Runde durch den Schlosspark muss ich nur noch vorbei am Mozarteum und an Mozarts Wohnhaus am Markartplatz und schon bin ich am Bazar.

Was haben Max Reinhardt, Karl Heinrich Waggerl, Romy Schneider, Marlene Dietrich und Udo Jürgens gemeinsam? Sie alle waren schon zu Gast im traditionsreichen Café Bazar in Salzburg und genossen österreichische Kaffeehauskultur. Hier war nicht nur der Treffpunkt vieler Künstler, Max Reinhardt, mit dessen Inszenierung des Jedermann auf dem Domplatz 1920 die Salzburger Festspiele ins Leben gerufen wurden, soll hier die Idee zum weltweit bedeutendsten Festival der klassischen Musik und darstellenden Kunst gehabt haben. Der Autor des Mysterienspieles, Hugo von Hofmannsthal, war übrigens auch Stammgast im Bazar.

Doch das Gästebuch des Kaffeehauses im klassischen Wiener Stil gibt noch weit mehr her: Stefan Zweig, Arturo Toscanini, Theodor Herzl und Franz Lehár gehörten ebenso zu den gern gesehenen Gästen wie Greta Garbo, Marlene Dietrich, Attila Hörbiger, Paula Wessely, Bertha Zuckerkandl, Romy Schneider, Oskar Werner, Maria Schell, Arthur Miller, Thomas Mann und Thomas Bernhard. Aus neuerer Zeit wären zu nennen Udo Jürgens, Iris Berben, Tobias Moretti und Klaus Maria Brandauer. Und noch einige mehr. Von Thomas Bernhard ist dieses Zitat aus dem Jahr 1984 belegt: „Wie andere in den Park oder in den Wald, lief ich immer ins Kaffeehaus, um mich abzulenken und zu beruhigen, mein ganzes Leben lang.“ Gemeint ist – unter anderen – das Bazar.

1909 eröffnete ein Spross einer großen Salzburger Kaffeehaus-Dynastie Richard Tomaselli das Bazar. Das Bazargebäude selbst wurde in Salzburgs Gründerzeit 1881/82 nach Plänen von Valentin und Jakob Ceconi erbaut. Seit 1883 ist ein Kaffeebetrieb unter wechselnder Leitung nachgewiesen. Richard Tomaselli versuchte sich bereits erfolgreich als Betreiber des bei Künstlern beliebten Café Central in der Schwarzstrasse Nr. 8, da abzusehen war, dass sein älterer Bruder Otto Tomaselli das Familien-Stammhaus erben würde. Am Tag, als Otto sein Erbe antrat eröffnete Richard das Bazar nach der Umgestaltung neu.

Wie das Café Tomaselli als ältestes durchgehend betriebenes Kaffeehaus Österreichs eine Ikone des klassischen Kaffeehaus-Stiles ist, so bewahrt das Bazar den Wiener Kaffeehaus-Stil der Jahrhundertwende bis heute. Schon früh gerühmt wurde der Blick von der Terrasse an der Salzach über die Salzburger Altstadt. Der Anbau des verglasten Wintergartens – anstatt eines Schanigartens – geht auf Richard Tomasellis Tochter Vera zurück, die 1959 nach dem Tod des Vaters das Bazar übernahm und bis 2003 auch führte. Seit dem Tag führt die Familie Brandstätter, ebenfalls eine Salzburger Gastronomen-Familie, das Bazar in diesem Sinne weiter.

Heute ist das Bazar immer noch ein Hort Wiener Kaffeehaus-Kultur. Schließt man die Augen, dann hört man genau das Hintergrundgeräusch eines gediegenen Kaffeehauses: eine Melange von gedämpften Stimmen, leises Geklapper von Geschirr, Löffel schlagen beim Umrühren an das Porzellan, was ein sanftes Klingeln beschert. Die hölzerne Vertäfelung ist ebenso unumgänglich, wie Kleider- und Zeitschriftenständer aus Messing.

Fasst irritiert es, dass der Herr Ober die Bestellung auf einem kleinen Handcomputer notiert. Doch das scheint das einzige Zugeständnis an eine moderne, Digitale Welt zu sein. Mit einer gewissen Befriedigung habe ich in einem Reiseportal die Beschwerde eines Besuchers gelesen, der wegen seiner „Sportbekleidung“ – wahrscheinlich eher Boxershorts und Badeschlappen – des Cafés verwiesen wurde. Meine Melange wird stilvoll mit der Milch in einem separatem Kännchen serviert. Ich lehne mich zurück und genieße die Szenerie. So gestärkt kann ich mich auf dem Weg zum Wilden Mann machen. Doch davon morgen mehr.

Café Bazar, Schwarzstraße 3, Salzburg, Österreich, Öffnungszeiten: Montag – Samstag 07:30 – 19:30 Uhr, Sonn- und Feiertags 09:00 – 18:00 Uhr, während der Festspielzeit täglich 07:30 – 24-00 Uhr, keine Reservierungen, keine Kartenzahlung.
Quellen: Wikipedia, Webseite des Kaffeehauses, Salzburginfo.
Beinahe hat man bei deiner Beschreibung das Gefühl, man würde neben dir sitzen und dem Klappern der Tassen lauschen. 😃
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Man kann mich übrigens mieten. Nicht ganz billig das Vergnügen, aber es lohnt sich.
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Du bis eben den Preis wert! 🙂
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