Wir haben einen Entschluss gefasst: der Rest des Urlaubs soll etwas gemächlicher und entschleunigter vor sich gehen. Nur gut, dass sich das zu 100 Prozent mit Kostas Reiseplanung deckte. Denn heute fahren wir ins Innahorion, einer Bergregion, die den gesamten Inselwesten Kretas einnimmt. Auch, wenn hier weit weniger imposante Festungen oder historisch einmalige Ausgrabungen anzutreffen sind, so finden wir hier einfache, freundliche Leute, einfaches, leckeres Essen und vor allem Ruhe.

Südlich von Kissamos erstreckt sich zwischen den Gipfeln der Lefka Ori, der Weißen Berge, und dem Meer die teils bizarr-schroffe, teils lieblich grüne Bergregion Innahorion. Wie Schwalbennester kleben kleine Dörfer, Häuschen und Kapellen an den Hängen. Je weiter man nun nach Osten in die hier eher rundkuppigen Vorberge fährt, desto häufiger Säumen sattgrüne Esskastanienbäume die schmale Straße.

Als Sitz der Verwaltung der Region Innahorion dient das auf etwa 700 m Höhe gelegene Elos, mit etwa 800 Einwohnern auch der größte Ort in der Region. Fernab vom Trubel der großen Städte und Ferienorte lädt die Gegend zum Wandern ein. Die Buchung eines Quartiers im Feriendorf Milia Mountain Ressort – ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen – schlug fehl. Wir erfahren später warum. Allerdings finden wir einen adäquaten Ersatz. Auch davon später mehr.

Noch ist die Straße gelb auf der Karte eingezeichnet, was bedeutet, dass wir uns auf einer „Main Road“ befinden. Das wird sich noch ändern. Kleinteilig wird es hier. Menschenleer wirkende Berge wechseln sich mit fruchtbaren Tälern mit kleinen Dörfern und Weilern ab. Zehn Gemeinden mit 34 Dörfern und Siedlungen verteilen sich auf knapp 170 Quadratkilometer. Nur 2.266 Einwohner zählt das touristisch schwache Innahorion.

Zu Unrecht: hier gibt es viele einfache aber gute Tavernen und einige schöne Strände, ein venezianisches Kastell, ein bedeutendes und noch von Mönchen bewohntes Kloster und einer der geheimnisvollsten Orte Kretas. Und es gibt die beeindruckende Topolia-Schlucht mit ihren bizarr gezackten Felswänden, nicht weniger spektakulär als andere, wenn auch deutlich kürzer. An der Westseite dieser Schlucht windet sich die immer enger werdende Straße durch einen dunklen Tunnel. Ist er einmal durchfahren, weitet sich das Tal mit jedem Kilometer und bietet wieder Platz für Wein- und Olivenanpflanzungen, rosa blühenden Oleander und schattige Platanen.

Verweilen wir noch einen Augenblick an der Topolia-Schlucht. Hier stärken wir uns nämlich in der Taverna Romantza mit einem Kaffee mit Aussicht auf die Schlucht. Und trotzdem liegt das eigentliche Ziel noch vor uns. Genauer gesagt 270 Stufen über uns. Doch was da ist, dass erzähle ich Euch morgen!

Romantza, Minoa Pediada, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 08:00 – 23:00 Uhr. Quellen: ADAC Reiseführer plus Kreta, interkriti.org.