Kretisches Kaffeetagebuch: durch die Lefka Ori, die Weißen Berge

Weiter ging es nach Norden in die Lefka Ori, die weißen Berge, eine atemberaubende Straße voller Kehren schraubte sich in die Höhe, gesäumt von allerlei Getier in den echt scharfen Kurven. Mehr noch zwangen uns aber andere Tiere zum nachhaltigen Auto fahren, denn man soll ja nicht mehr Ziegen aus der Natur entnehmen, als man abends essen kann.

Umsichtig folgte wir also der Imbros-Schlucht, sozusagen ein kleiner Verwandter der Samaria-Schlucht, die weiter im Westen liegt. An der Einstiegsstelle in Askifou tranken wir noch einen Kaffee im Visalo ceramics & cafe und genossen die Aussicht, der spektakulärste Teil des Weges lag damit auch hinter uns, eine wirklich atemberaubende Landschaft und wie alle Abschnitte dieser Rundreise wieder ganz anders als alle davor. Eine lokale Spezialität – Sfakian Pie, eine dünne Torte wie ein Crêpe, gefüllt mit Weichkäse und mit viel Kretahonig – war leider nicht verfügbar.

Die Kouledes von Askifou, die Ruinen einer türkischen Festung aus dem 19.Jahrhundert, die den Eingang zur Schlucht bewacht, lassen wir links, beziehungsweise rechts liegen, ebenso wie ein Kriegsmuseum und ein großzügig ausgeschilderter Schieß-Club – eine weitere mögliche Erklärung für die zerschossen Straßenschilder – denn schließlich hatten wir ja gerade Burg und mit etwas Glück noch eine vor uns. Entschädigt werden wir durch sensationelle Ausblicke, vor allem nachdem wir die Passhöhe überwunden haben und uns wieder der Ebene an der kretischen Nordküste nähern.

Doch das Glück war uns nicht hold: Ein weiteres Mal fanden wir keinen Weg zur türkischen Burg Aptera. Kurzerhand disponierten wir um und besuchten den möglicherweise ältesten Olivenbaum der Insel oder der Welt, wer weiß das schon. Wissenschaftlich zu belegen ist es nicht, aber Schätzungen ergaben 3000-5000 Jahre. Hier in Vouves gibt es auch ein kleines Olivenbaum-Museum mit Informationen über Anbau und Nutzung sowie mehrere Olivenölmühlen aus verschiedenen Zeiten zu bewundern.

Wie auch immer, der Baum von Vouves ist einen Besuch wert, denn uralt ist er alle mal, und die Hand auf einen solchen Organismus zu legen und sich vorzustellen, was in diesen drei oder fünf Jahrtausenden alles passiert ist, führt, zumindest bei mir, dazu, dass ich mich bei ihm nur dafür entschuldigen kann, was wir ihm und dem Planeten Erde seit einigen Hundert Jahren antun.

Ich nutzte unseren Aufenthalt in Vouves für einen nach der ganzen Fahrerei dringend benötigten Kaffee und einem typisch kretischen Gebäckstück, dessen Namen ich leider nicht verstanden und folglich auch wieder vergessen habe. Vermutlich irgend ein lokaler Pie. Macht aber nichts, denn beides war auch so lecker. Und so konnten wir uns aufmachen zum Endspurt zum heutigen Etappenziel: Kissamos.

Visalo ceramics & cafe, Askifou, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: Dienstag – Donnerstag 09:00 – 22:00 Uhr, Freitag bis Sonntag 08:00 – 22:00 Uhr, Montag geschlossen. Olive Tree Museum of Vouves, Vouves, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 19:00 Uhr. Quellen: Globetrottel.net, crete-tournet.gr, burgenwelt.org.

5 Gedanken zu “Kretisches Kaffeetagebuch: durch die Lefka Ori, die Weißen Berge

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..