Ist Fairchain das neue Fairtrade?

Fairtrade ist eine gute Sache. Tragen fair gehandelte Rohstoffe erheblich zum Reichtum der Erzeugerländer bei – und damit zu Stabilität und Wachstum. Weltweit profitieren über 800.000 Kleinbauern von gerechten und angemessen Preisen, davon mehr als die Hälfte in Lateinamerika und in der Karibik. Doch Kaffee ist eine launische Ware. Der Weltmarktpreis kann erheblich schwanken und auch die Ernten fallen unterschiedlich aus. Viele Kaffeebauern schließen sich deshalb zu Kooperativen zusammen und suchen Anschluss an Fairtrade-Siegel. Fairtrade-Organisationen, wie zum Beispiel Fairtrade Deutschland, bieten einen Mindestabnahmepreis. Liegt der Weltmarktpreis darunter wird der vereinbarte höhere Mindestpreis bezahlt, liegt er darüber wird natürlich über dem Mindestpreis bezahlt. Außerdem gibt es teilweise zweckgebundene Prämien, die die Kooperativen für eigene Projekte und für die Qualitätssteigerung einsetzen können.

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Fairchain ist die konsequente Weiterentwicklung des Fairtrade-Gedankens. Denn Fairtrade bietet zwar faire Preise für Rohkaffee – die ganze Wertschöpfungskette findet aber in den Industrieländern statt. Im Fairchain-Prozess werden die Erzeuger dazu ermutigt und befähigt, das komplette Produkt umzusetzen – im Kaffeegeschäft bedeutet dies das Rösten, Verkosten und Verpacken. Das schafft neue Arbeitsplätze, verbesserte Infrastrukturen, höhere Einkommen und eine stärkere Identifikation der Erzeuger mit dem hergestellten Produkt – in Konsequenz damit auch eine Qualitätssteigerung des Produkts.

Ein Beispiel wie das funktioniert ist die Musasa Dukundekawa Kaffee Kooperative in Ruanda, Partner von Kaffee-Kooperative.de in Berlin. Die Kooperative gründete sich im Jahr 2000, sechs Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs und Völkermords, um hochqualitativen Kaffee in kleinbäuerlicher Weise zu produzieren. Die guten natürlichen Bedingungen mit fruchtbarem Boden und ausgeglichenem Klima, gepaart mit dem hohen Qualitätsanspruch der Kooperative resultiert in qualitativ hochwertigem Kaffee. Tatsächlich hat Musasa Coffee seit 2008 siebenmal den „Rwanda Cup of Excellence“, den nationalen ruandischen Kaffee-Wettbewerb gewonnen.

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Der Kooperative gehören heute drei Kaffee-Waschstationen, eine Sortier- und Verarbeitungsanlage und eine Demonstrations- und Schulungsfarm. Neben dem Kaffee hat die Kooperative eine Milchverarbeitung aufgebaut. Dazu wurden in den letzten Jahren Kühe gekauft, die nicht nur Milch produzieren, sondern auch den für den Anbau von Bio-Kaffee notwendigen Dünger. Musasa Coffee und sechs weitere Kooperativen gründete das Unternehmen „Rwashoscco“, das sich um die Röstung, die Verpackung und den Export des Kaffees kümmert. Die Kaffeebäuerinnen und -bauern haben also die gesamte Herstellungskette in ihrer Hand und sind somit nicht von Landbesitzern oder Kaffeemultis abhängig.

Jüngst machte die Kaffee-Kooperative.de mit einem Kaffee von sich reden, der ausschließlich von Frauen produziert wird. Damit will das Berliner Social Business die Position und die Rechte von Frauen stärken. Unterstützt wird die Markteinführung von der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES und der Frauenzeitschrift BRIGITTE. „Dieser Kaffee ist ein Wachmacher. Er schärft unser Bewusstsein für nachhaltiges Engagement, für die Stärke der Frauen, für Gleichberechtigung, Empowerment und Solidarität. Alles Werte, für die BRIGITTE sich immer einsetzt – und deshalb unterstützen wir das Projekt gern,“ so Brigitte Huber, Chefredakteurin BRIGITTE.

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„Ein Kaffee ganz aus Frauenhand! Diese Idee hat mich von Anfang an begeistert!“, sagt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Fairness, Transparenz und die Teilhabe der Frauen an der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben. Genau die richtigen Bedingungen für ein hochwertiges Produkt, was nur die Frage offen lässt: Warum nicht immer so?“

Der Kaffee mit dem Namen Angelique’s Finest ist aktuell nur über die Crowdfunding-Aktion zu bestellen und wird voraussichtlich ab Juli 2018 regulär erhältlich sein.

 

Quellen: Kaffee-Kooperative.de, Forum Fairer Handel, GEPA, Tchibo „Kaffee in Zahlen“, Fairtrade Deutschland, Deutscher Kaffeeverband, Bildrechte und Bestellmöglichkeit: Kaffee-Kooperative.de.

 

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