Kaffeedurst

Das mit dem Kaffeedurst des Patienten in Zimmer 5111 auf Station 17 im Klinikum Neuperlach hatte sich schnell herumgesprochen. Zumindest wurden mir am letzten Morgen meines Aufenthaltes schon automatisch zwei Tassen Kaffee auf den Nachttisch gestellt. Zum Frühstück gab es zwei Semmeln mit Wurst, Käse und Marmelade. Damit ließe sich auskommen. Auch das Mittagessen war ganz gut. Und abends gab es dann noch einmal zwei Schreiben Brot mit Wurst und/oder Käse. Das ganze lief unter „leichte Schonkost“. Nach den Negativerfahrungen 2017 in der chirurgischen Uniklinik eine positive Überaschung.

Ebenfalls überzeugend war das Personal. Alle Pflegerinnen und Pfleger waren durchwegs freundlich und bemüht mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Trotzdem war ich froh wieder nach Hause zu dürfen, obwohl ich den Service vermissen würde, aber an Schlaf war dort nicht wirklich zu denken. Und der Kaffee war etwas fade. Da bin ich daheim Besseres gewöhnt. Aber ich will mich nicht beschweren, schließlich gab es ihn wenigstens.

An dieser Stelle poppt bei mir unwillkürlich die Frage auf, wie sich die AfD das mit der Remigration genau vorstellt. Ich hätte mich selbst zum OP rollen müssen, dort angekommen selbst anästhesieren und während der OP der Chirurgin assistieren müssen. Dann mich auf Station schleppen und dort selbst pflegen, mich selbst an die Infusionen anschließen und natürlich auch selbst versorgen. Alle diese Jobs wurden von Ausländern erledigt. Ohne diese Ausländer und Ausländerinnen wären wir doch glatt aufgeschmissen.

16 Gedanken zu “Kaffeedurst

  1. Man merkt sich „seine“ speziellen Lieblinge. 🙂
    Die internationalen Herkünfte waren schon Ende der 70er Jahre in Münchner Kliniken zu beobachten. Ich hatte damals in den Semesterferien einen Aushilfsjob in einer Klinik und war auf nahezu allem Ebenen der Klinikhierarchie umgeben von Frauen aus afrikanischen Ländern, Indien bzw. Südostasien, aus der Türkei und vom Balkan. In meiner Abteilung war ich unter den damals „Stationshilfe“ genannten Kolleginnen für Küche und Putzdienste die einzige Deutsche. Für mein damals neunzehnjähriges Abiturientinnen-ich vom Lande war die kurze, schlechtbezahlte Zeit ein Augenöffner in vielerlei Hinsicht.

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  2. Den Kaffeedurst kenne ich von meinen eigenen Krankenhausaufenthalten. Der erste Kaffee nach einer OP stellt eben auch eine kleine Rückkehr zur Normalität dar. Und erst recht der kleine Ausflug zum Krankenhauscafé.
    Dass das Personal im Neuperlacher Krankenhaus sehr nett ist, kann ich bestätigen. Und ja in den Krankenhäusern arbeiten sehr viele ausländische Mitbürger in einem herausfordernden Job und wir können dafür nur dankbar sein.

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  3. Ich stimme Dir vollkommen zu, nicht zur Kaffeequalität im Krankenhaus, da fehlt mir zum Glück die Erfahrung. Aber zu Deinem abschließenden Gedanken. Es ist in der Tat eine durch und durch dämliche Idee der Rechten.

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