Breite, kaum befahrene Straßen ins Nichts. Ampeln, die kaum Verkehr zu regeln haben. Gebäude des Athener Sportkomplexes, die heute leer stehen. Riesige, verwaiste Parkplätze, auf denen Schrottautos und verlassene Wohnwagen vor sich hin rotten. Nur die Wegweiser künden noch von einer ruhmreichen Vergangenheit. Parkplatz X, Eingang Y, Stadion Z. Die Rückfahrt von Tatoi nach Athen führt mich nach Marousi, dem Vorort in dem ein Großteil der Olympischen Spiele stattfand.

Fluch und Segen für Athen: die Olympischen Spiele 2004. Sie mögen heiter gewesen sein, nachhaltig waren sie mit Sicherheit nicht. Einiges wurde erst buchstäblich in letzter Minute fertig. An manchen Spielstätten waren Handwerker und Athleten gleichzeitig im Einsatz. Doch kaum waren Handwerker und Athleten wieder gegangen, begann der Verfall. Und nachdem man auf Drängen der heimischen Baukonzerne viele der Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes in Beton gegossen hatte, statt auf preisgünstigere Leichtbauweise zu setzen, bleiben teure olympische Mahnmale, die heute schon zu Ruinen verfallen und Archäologen späterer Generationen Rätsel aufgeben werden.

Die Rede ist vom Hellinikon, der riesigen Sportanlage von Athen, etwa dreimal so groß wie das Fürstentum Monaco. Klar, die Olympischen Spiele 2004 haben die griechische Hauptstadt in die Moderne katalpultiert. Für die Stadt sprangen eine neue U-Bahn-Linie, ein neuer Flughafen und eine Umgehungsautobahn heraus. Aber die olympischen Anlagen selbst entwickelten sich zum Minus-Geschäft. Ein schlüssiges Konzept für die Nachnutzung wurde bis heute nicht gefunden. Das Olympische Dorf steht leer, die Sportstätten verfallen, zumindest einige davon.

Mehr Glück hingegen hatte der Sportkomplex Athen „OAKA“, das Olymbiako Athlitiko Kendro Athinon „Spyros Louis“. Das Zentrale Olympiastadion, auch als Olympiastadion Athen bezeichnet, wird heute noch rege für Sportveranstaltungen genutzt. Wie früher beim Olympiastadion in München handelt es sich um ein Fußballstadion mit Leichtathletikanlage. 1982 eröffnet, wurde die Anlage von drei Fußballvereinen als Heimspielstätte genutzt: von Olympiakos Piräus sowie den Athener Clubs AEK und Panathinaikos. Außerdem wurden in der Arena Endspiele der UEFA Champions League und weitere große Sportveranstaltungen ausgetragen. Im Olympiastadion werden zudem häufig Konzerte veranstaltet.

Von 2002 bis 2004 wurde das Stadion für die Olympischen Spiele umfangreich renoviert, wobei der Arena unter anderem ein Dach aufgesetzt wurde. Dieses Stadiondach wurde vom renommierten Architekten, Bauingenieur und Künstler Santiago Calatrava entworfen und ist auch heute noch eine der größten Polycarbonat-Installationen der Welt. Nach geringfügigen Veränderungen in Folge der Olympischen Spiele bietet die Arena heute für 69.618 Gäste Platz und ist damit das größte Stadion Griechenlands sowie eines der größten der Welt.

Ich wollte dort noch ein paar Fotos machen, quasi im Vorbeifahren. An diesem Tag fand eine internationale Leichtathletikveranstaltung statt. Ich sah einige Sportler zu einem der Eingänge pilgern. Dazwischen einzelne Zuschauer und auch ein paar Polizisten, die sich auf ihren Einsatz vorbereiteten. Ich machte mit meiner kleinen Kodak ein paar schöne Aufnahmen vom Stadion und wollte gerade fahren, als mich ein Polizist ansprach, was in eine umfangreiche Kontrolle ausartete.

Der Vorwurf: ich hätte Polizisten fotografiert, was verboten sei. Ich meinte diesen Vorwurf schnell entkräften zu können, indem ich ihm die gemachten Bilder zeige. Sie zeigten allesamt das Stadion in seiner ganzen Schönheit und Größe. Ja, aber vor dem Stadion, da würden auch Polizisten stehen! Ich meinte, die seien ja nicht zu erkennen. Das half aber nichts. Ich wurde gezwungen alle Bilder zu löschen, auf denen Polizisten, auch wen mikroskopisch klein, sein könnten. Die Rechtslage wäre auf meiner Seite gewesen, alleine fehlten mir die Mittel sie auch durchzusetzen, wollte ich den Rest des Tages nicht auf einer Polizeistation zu verbringen. Also fügte ich mich und verlies den Parkplatz. Aber von sowas lasse ich mir den Tag nicht verderben. Aber die schönsten Stadion-Bilder sind halt weg.

Quellen: Wikipedia, Süddeutsche Zeitung, Palram, travelbook.de, reisereporter.de.
Kleiner Tipp. Es gibt Programme (z.T. sogar kostenlos), mit denen man gelöschte Bilder auf Speicherkarten relativ leicht wieder herstellen kann. Allerdings nur, solange man nicht neue Bilder darauf gespeichert hat.
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Das ist ärgerlich.
Das ist so ein Fall, wo sich ein paar dahergelaufene Polizisten beweisen können, wie mächtig sie sind. Sie verlassen sich darauf, dass sich ein Tourist nicht die Mühe machen wird, im Nachhinein gegen diese klare Rechtsverletzung vorzugehen.
Dem deutschen Konsulat würde ich das trotzdem melden. Und der griechischen Botschaft in Deutschland ein Beschwerdemail zukommen lassen.
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Ich möchte da gerne wieder einmal hin.
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Manche wissen eben, warum sie zur Polizei gegangen sind. Und wenns dafür nicht reicht, gehen sie zu einem Wachdienst oder werden Fahrkartenkontrolleur ..
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Unbedingt.
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PS: Mutig sein und kämpfen ist natürlich heldenhaft, doch ich würd den Fall eher ad acta legen. Solche Menschen sind unsere Entwicklungshelfer, weil wir durch sie erst zu dem werden, was wir sind, außerdem weiß man nie, wo man sich wiedersieht und du willst doch noch öfter unbehelligt die einsamen Gegenden erkunden, wo es keine Zeugen gibt und keiner sieht, was den ‚Polizisten‘ noch alles einfällt .. Klingt vielleicht feige, aber ist doch eher vernünftig. Früher war ich auch angriffslustig, das ging aber meist nach hinten los ..
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Ich fürchte es hätte außer Ärger nichts gebracht.
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Das hätte dir auch hier in Frankfurt, Hamburg oder München passieren können ..
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Man hofft, oft hofft man vergebens. Zum Beispiel dass griechische Polizisten die Zeit der Diktatur überwunden hätten. Aber anscheinend ist es – und ich füge ausdrücklich hinzu, dass ich großen Respekt vor Polizisten habe, die ihren Job mit dem nötigen Engagement auch unter enormen Belastungen ausüben, ich hatte oft genug mit ihnen gemeinsam Orte aufgesucht, die nicht ganz geheuer waren – in diesem Berufsfeld immer noch häufig so, dass man eben Staatsmacht vertritt, nicht die hierzulande einmal propagierte Freud & Helfer – These.
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Es ist wie in jedem Bereich: es gibt überall eine Arschlochquote von 10%. Die anderen 90% sind völlig normal, wenn nicht sogar nett.
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Für ein paar Bilder hätte ich mich auch nicht angelegt.
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Hätte vermutlich nichts gebracht. Hier hätte auch mein Journalisten- Ausweis nichts geholfen. Im Gegenteil, dann hätte er vermutlich meine Arbeitserlaubnis sehen wollen…
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Manchmal ist es sinnvoller nachzugeben um zeit- & ärgersparend weg zukommen.
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