Peloponnesisches Kaffeetagebuch: die Mitte der Welt

Zeus befahl zwei Steinadlern die Erde zu überfliegen, einer von Norden nach Süden, der andere von Osten nach Westen. Da wo sie sich treffen sollten, müsste folglich die Mitte der Welt sein. Und es geschah wie er befohlen hatte und nach langen Flug trafen die beiden Vögel am Berg Parnass aufeinander. Und Zeus markierte diese Stelle mit einem Stein, dem Omphalos, der einem Meteor gleich vom Himmel auf die Erde stürzte.

Pausanias zufolge war er die Weltachse, die mythische Verbindung zwischen Himmel, Erde und Unterwelt. Unter ihm befindet sich angeblich das Grab des Dionysos, auch Python soll unter ihm begraben worden sein. Auch dem Stein selbst wurden magische Eigenschaften zugeschrieben. So könne man mit seiner Hilfe Kontakt zu den Göttern aufnehmen.

An genau dieser Stelle steht heute eine Kopie – das Original befindet sich im Archäologischen Museum Delphi. Dieser Ort galt in der gesamten Antike als Mittelpunkt, als Nabel der Welt und als geistiges Zentrum der Griechen und eines der wichtigsten Heiligtümer der ganzen helenistischen Welt. Der Omphalos fand zahlreiche Nachfolger. Die Römer behaupteten, dass Rom das Zentrum der Welt sein müsste. Sie setzten ihren eigenen „Omphalos“, den Umbilicus urbis, ins Forum Romanum und alle römischen Entfernungsangaben bezogen sich auf diesen Ausgangspunkt in Rom. Dies ahmte der barocke Schlossbaumeister Andreas Schlüter mit einem Omphalos auf dem Berliner Schloßplatz nach, auf den sich alle Entfernungsangaben auf den brandenburgisch-preußischen Meilensteinen bezogen. 

Auf rein architektonischer Ebene ist ein Omphalos eine Art großer Stein, der in der Mitte bestimmter hellenischer Tempel steht. Einige Christen übernahmen dieses Element. Zumindest sind zahlreiche „Nachahmungen“ auch in Kirchen zu finden. Der wahre, der echte Omphalos hingegen markiert bis in unsere Zeit den Nabel der Welt. Und es ist ein ganz besonderes Erlebnis ihn sehen und berühren zu können.

Quellen: Wikipedia, la-porte-du-bonheur.com. Bildrechte Omphalos im Archäologischen Museum Delphi: zde/Wikipedia.

8 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: die Mitte der Welt

  1. Das ist das Schöne an der Mystik, die eine Gotteserfahrung jenseits der Religion anstrebt und natürlich auch der Religion selbst: Dass wahr wird für einen, woran man glaubt.

    Jeder hat einen Glauben und selbst der Atheist ruft in der Todesstunde nach Gott. Poe hat das mal in der Geschichte „MS found in a Bottle“ verifiziert, wo ein Mensch, der nur auf seine Sinne vertraut und einen Gott als Aberglauben abtut am Ende auf einem Schiff in einem Sturm der letzte Überlebende ist und dann in einen Strudel gerät, die letzten Worte sagt: „Mein Gott! Wir sinken“

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