Schön war die Zeit

Ein Problem, dass beim Taxifahren immer wieder auftritt, sind unpünktliche Kunden. Es ist Stoßzeit, vielleicht sogar noch eine große Messe, die Bestellungen aus den Hotels überschlagen sich. Man hat in der Früh eine Vorbestellung ergattert. Geht es zum Flughafen? Oder nur bis zur Messe, bei der man dann viel Zeit im Stau verliert? Oder zum Bahnhof? Man hat zehn Minuten zur Anfahrt, kommt vielleicht auf den letzten Drücker mit dampfen Reifen und rauchenden Radkästen, weil vielleicht gerade kein freies Taxi in der Nähe war. Und dann: kein Fahrgast.

Die Regel ist: ich melde mich bei Ankunft mit der im Auftrag genannten Zimmernummer an der Rezeption. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass man sich auch gleich darum kümmert, dass ich zu meinem Fahrgast komme. Manche rufen im Zimmer an, andere vermuten gleich, dass der Kunde gerade noch beim Frühstück sitzt. Das Problem: hat der Kunde verschlafen, ist bereits abgereist oder anderweitig unterwegs, ohne der Rezeption bescheid zu sagen, ist das für mich verlorene Zeit. Zur Erinnerung: ich bin gerade wie weiland Michael Schumacher durch die Stadt gebrettert und trete plötzlich in eine andere Zeitdimension ein, in der Eile auf einmal keine Rolle mehr zu spielen scheint.

Nicht alle meine Kollegen kommen mit diesem Wechsel gut zurande. Ich habe mir angewöhnt in dieser Situation immer ruhig und gelassen zu bleiben. Der Concierge macht ja auch nur seinen Job, manche mehr, manche weniger gut, aber es bringt nichts wenn ich ihn anmache, wenn mein Kunde nicht da ist. Dieses Vorgehen hat mir schon den einen oder anderen Gratis-Kaffee eingebracht. Denn der geübte Mitarbeiter an der Rezeption ist in diesem Moment froh, dass ich ihm an einem stressigen Morgen keine zusätzlichen Probleme mache. „Möchten Sie sich einen Kaffee nehmen?“ Und schon ist aus der Situation der Druck raus. Der Kunde mag kommen, oder er kommt nicht. Ich warte wenigstens mit einem Becher Kaffee in der Hand (so wie hier vor dem Holiday Inn in der Neumarkter Straße). Und habe das Gefühl, dass man meine Arbeit wertschätzt.

4 Gedanken zu “Schön war die Zeit

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