Mein nächstes Ziel habe ich schon seit bald 24 Stunden vor Augen. Oder beobachtet es mich, mit „Argosaugen“ so zu sagen? Von seinem Berg aus kann es auch fast die gesamte Argolis überblicken, bei klarer Sicht sogar bis nach Nafplio. Die Rede ist von der Burg Larissa, die seit Jahrtausenden über die Stadt Argos wacht, die als die älteste kontinuierlich besiedelte Stadt Europas gilt.

Fas ebenso alt durfte die Festung sein. Eine erste Befestigung gab es in mykenischer Zeit. Antikes Mauerwerk aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. ist in den Mauersockeln noch gut zu sehen. Die nachfolgenden Herren, wie Römer, Westgoten, Slawen, Franken, Byzantiner, Kreuzrittern, Venezianer und schließlich Ottomanen, nutzten was sie brauchen konnten und bauten ihre Mauern und Türme einfach über das Vorhandene. Die Burg wurde ununterbrochen von der Antike – zunächst als Akropolis – bis ins 19. Jahrhundert genutzt.

Sie ist nach dem Hügel benannt, auf dem sie steht; dessen Name soll auf Larissa, eine Figur der griechischen Mythologie, zurückgehen. Sie ist die Tochter des argivischen Königs Pelasgos und einer Nymphe. Als solche ist sie Namensgeberin für die argivische Burg Larissa und zweier Städte in Thessalien. Dort war sie mit Poseidon Mutter des Achaios, Phthios und Pelasgos, die später ins thessalische Haimonia auswanderten. So zumindest erzählte man es sich im antiken Argos.

Die Akropolis war früher das religiöse und kulturelle Zentrum von Argos. Die Mauern aus frühhellenischer Zeit bestanden aus großen Blöcken und Zyklopenmauern. Der ursprüngliche Haupttempel war der Athena Polias gewidmet, der Schutzgöttin von Argos. Es gab aber wohl auch einen bedeutenden Tempel für den Zeus von Larissa. In archaischer Zeit wurde die Akropolis und heutige Zitadelle noch einmal mit weiteren Mauern erweitert. In dieser Periode wurde auch die geräumige Zisterne angelegt. Die größte Ausdehnung erlebte die Burg unter Byzanz, die bis ins 15. Jahrhundert hinein die Befestigungen ausbauten.

Diesen Ort habe ich mal wieder ganz für mich alleine. So kann ich ungestört durch die Festungsruine streifen und mir meine eigenen Gedanken dazu machen. Die Grundmauern der hellenischen Kernburg sind noch gut zu erkennen. Die nachfolgenden Besitzer haben ihre Mauern einfach darüber geschichtet. Und jeder hat sich durch seine spezifische Bauweise am Gesamtwerk beteiligt. Neben den mykenischen Mauern gibt es eine venezianische Bastion auf einer türkischen Rundbastion und Mauerwerk aus fränkischer Zeit. Hier eine byzantinische Mauer mit breiten Zinnen, dort ein römischer Rundbogen.

Immer wieder bestechend ist der Blick über die Ebenen der Argolis und natürlich direkt auf Argos, eine wichtige Stadt der griechischen Mythologie. Der Sage nach wurde Danaos nach seiner Flucht aus Ägypten zum Herrscher über die Argolis eingesetzt. Sein Nachfahre Adrastos wurde zum Führer der Sieben gegen Theben. In den Epen Homers wird Diomedes zum König von Argos. Ursprünglich soll Argos Phoroneikon geheißen haben, nach Phoroneus, dem Großvater des Argos und mythischen Gründer der ersten Handelskolonie auf der Peloponnes.

Nach meiner Besichtigung der Burg halte ich noch einmal kurz in Argos an. Trotz der etwa 27.000 Einwohner wirkt die Stadt nach Einstellung der Peloponnes-Bahn irgendwie abgehängt. Zeugnis davon gibt die Agora der Stadt, früher bestimmt ein blühendes Geschäft mit pulsierendem Leben, heute eine Ruine mit vernagelten Fenstern. Ich muss mich etwas sputen, denn mein heutiges Etappenziel ist Kalamata…

Quelle: Wikipedia, Aushänge auf der Festung.

Ja, das ist eine der interessanten Seiten am Balkan: An Bauwerken wie Festungen kann man die Geschichte sehr gut rekonstruieren. Die Unterschiede bei den Baustilen sind doch ziemlich ausgeprägt.
Da’s in unseren Breiten meist eine größere Kontinuität bei den Machthabern gab, wird das nicht so deutlich. Außerdem hat man bei uns die allermeisten Burgen und Festungen geschleift.
LikeGefällt 1 Person
Bist du auf Reisen mal wieder
LikeGefällt 1 Person
Naja, es ist mehr die Nachbearbeitung. Die Reise fand bereits letztes Jahr statt.
LikeGefällt 1 Person