Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Akrokorinth II

Eine Eroberung der Akropolis von Korinth, der Festung Akrokorinth, war mit Sicherheit ein schwieriges Unterfangen. Im Norden, Osten und Süden schützen steil abfallende Geröll- und Felshänge die Anlage. Trotzdem umfasst eine zusammenhängende Schutzmauer die gesamte Siedlung. Zudem befinden sich zusätzliche Mauern im Westen. Im nördlichen Teil der Festungsmauer befinden sich drei kleinere Tore, die wahrscheinlich als Ausfalltore dienten. Das älteste noch sichtbare Gebäude befindet sich auf dem östlichen Gipfel. Hier stand der Tempel der Aphrodite, in deren Heiligtum angeblich viele Tempelprostituierte tätig waren. Die noch sichtbaren Elemente stammen jedoch von einer byzantinischen Kapelle, die auf den Fundamenten des Tempels errichtet wurde.

Auf dem entgegengesetzten Gipfel befindet sich die Ruine eines fränkischen Turmes, der später durch die Venezianer und die Osmanen ausgebaut und erweitert wurde. Im Inneren der Burg befinden sich vor allem am Fuße des westlichen Gipfels zahlreiche Bauwerke aus den verschiedenen Epochen. Dazu gehören eine venezianische Kirche, osmanische Behausungen, Brunnen und kleine Moscheen sowie eine byzantinische Zisterne.

Es dürften ebenso viele Belagerer gescheitert sein, wie andere obsiegten. Wer den ersten Wall genommen hatte, musste sich vermutlich durch einen Pfeil-, Speer- und Steinhagel seinen Weg weiter nach oben bahnen. Erst wer den zweiten, mächtigen Wall überwinden konnte, sah weit oben auf dem östlichen Gipfel die Zitadelle. Schon alleine die Vorstellung sich in voller Rüstung diesen Berg hinauf zu quälen, lässt einen verzagen, Pfeile, Speere und herunterrollende Felsen noch gar nicht mit eingerechnet.

Ich trage keinen Harnisch, habe keinen Helm auf und auch meinen Reisespeer habe ich wohlweislich im Auto gelassen. Trotzdem ist dieser Aufstieg in der prallen Mittagssonne eine Herausforderung. Das zweite Torhaus nehme ich noch, der Aufstieg zum Gipfel bleibt mir verwehrt. Die Kondition reicht nicht und die Mittagshitze tut ihr übriges. Außerdem wurde die Zeit knapp, denn um 15:30 Uhr wird die Burg geschlossen und es ist schon nach drei. Nein, die letzten 20 Minuten Aufstieg muss ich mir schenken. Obwohl ich befürchte, dass es mir Aphrodite bis heute übel nimmt, dass ich ihr an ihrem Gipfelheiligtum keine Aufwartung gemacht habe. Es ging halt nicht.

Dafür folge ich der mittleren Festungsmauer noch so weit, bis der Weg nur noch für griechische Bergziegen geeignet ist. Auch von hier aus der Blick phantastisch. Es gibt hier oben auf dem Plateau übrigens noch eine zweite Peirene-Quelle. In welche sie hineingeweint hat, die unten in der antiken Stadt, oder die oben in der Nähe zur Festung. Die obere Quelle wurde bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. als unterirdische Kammer angelegt. Die Quelle diente als heiliger Ort und wurde mit der Legende von Pegasus in Verbindung gebracht, der hier gezähmt wurde. An dieser Quelle fing Bellerophon das geflügelte Pferd Pegasos, als es dort trank, ein. Nach anderer Darstellung floss die Obere Peirene unterirdisch ab und speiste am Fuße des Berges in Korinth die Quelle Peirene, die auch Untere Peirene genannt wird.

Wenn man mich einfangen möchte, stellt man mir wohl am besten eine Tasse Kaffee hin. Da niemand versucht mich zu fangen oder zu zähmen muss ich mir meinen Kaffee selber kaufen. Das mache im auf der Terrasse des Castro Restaurants direkt vor der Burg. Von hier habe ich einen schönen Blick auf das Tal vor der Festung und die kleine Burg gegenüber. Die Burg Penteskouphi wurde von den Franken erbaut und nur zu dem Zweck, um die Belagerung von Akrokorinth, wo sich byzantinische Soldaten verschanzt hatten, zu unterstützen. Diese Belagerung dauerte wohl mindestens so lange, dass sich der Bau einer „Gegenburg“ offenbar lohnte.

Die Franken nannten sie Montesquieue oder Mont Escouvé, aus dem später das heutige Penteskouphi wurde. Den tapferen Byzantinern gingen nach jahrelanger Belagerung die Lebensmittel aus. Sie mussten Akrokorinth den Franken übergeben und zogen sich nach Argos auf die Festung Larissa zurück. Doch das ist eine andere Geschichte.

Akrokorinth; Öffnungszeiten: täglich 08:30 – 15:30 Uhr. Castro Restaurant, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 09:00 – 17:00 Uhr. Quelle: Wikipedia.

4 Gedanken zu “Peloponnesisches Kaffeetagebuch: Akrokorinth II

  1. Tempelprostituierte, das könnte auch der Kirche wieder Zulauf bringen .. Gut, Spaß beiseite. In deinem Bericht tauchen wieder Protagonisten auf, die der literaturbeflissene Leser von ‚Gustav Schwab‘ kennt. Der Kreis der Götter und Fabelwesen scheint sich über weite Ausschweifungen zu schließen. Friedrich Nietzsche hat die Götter Griechenlands dem Christentum vorgezogen. Ein belesener Taxifahrer zeigt mir meine Wissenslücken auf. Beurteile keinen Menschen nach seinem Beruf. Michael Ende hat gezeigt, dass mancher Weise die Straße kehrt. Legt euch nicht mit Tom an. Am Ende weiß er mehr, weil er auch mehr Länder bereist hat. Für mich der neue Karl May und sprachlich mindestens ebenbürtig dem Sachsen ..

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