Deutschlandticket-Tour: Bodensee – die alte Meersburg

Glaubt man den Tafeln in der Burg, dann wurde sie im Jahr 630 vom Merowingerkönig Dagobert I. gegründet. Der Bergfried der Festung heißt daher auch Dagobertsturm. 730 soll Karl Martell an diesem Turm gebaut und ihn schließlich selbst bewohnt haben. Belegt ist die Existenz einer Burg an dieser Stelle allerdings erst für das 12. Jahrhundert: 1147 wurde die „Merdesburch“ erstmals urkundlich erwähnt. In den folgenden Jahren sind unter anderen Friedrich II. und Konradin, der letzte legitime männliche Staufer vor seinem Untergang in Neapel, in der Meersburg nachgewiesen.

Der Rundgang durch das Burgmuseum gibt Einblick in mehr als 30 eingerichtete Räume, darunter auch die alte Burgküche, die Dürnitz, den Palas, die Brunnenstube, die Waffenhalle, Wehrgänge, Rittersaal, Burgverlies, zwei Kapellen, Stall, Nordbastion und vieles mehr. Auch die Wohnräume und das Sterbezimmer der von Droste-Hülshoff sind in diesem Rundgang enthalten. Im Rahmen einer Führung ist zudem die Besteigung des „Dagobertsturmes“ mit Aussicht auf die Stadt, den See und die Alpen möglich. Im Turm ist eine Gefängnisstube aus dem 19. Jahrhundert sowie der Renaissancesaal mit Schatzkammer zu sehen. Im tiefsten Teil des Turmes gibt die Folterkammer Einblick in die Gerichtsbarkeit im Mittelalter.

Man bekommt hier einen sehr detaillierten Einblick in das Leben auf einer Burg. Sehr anschaulich dabei die beiden Küchen, die Burg- und die Gesindeküche, oder die hauseigene Bäckerei. Dazu kann man die Waffenkammer besichtigen, den Fürstensaal, in dem Audienzen gewährt wurden, die Stallungen inklusive eines Geheimgangs hinunter zu Bodensee und das Verließ, in das man durch ein Angstloch hinuntergelassen wurde.

Über 30 Räume sind hergerichtet worden und können in einem Rundgang besichtigt werden. Nicht ganz so authentisch das Burgcafé – wir werden zu geeigneter Zeit darauf zurückkommen. Auch erkennen kann man die verschiedenen Bauabschnitte je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit. Mit der Einführung von Kanonen und Musketen änderte sich auch der Festungsbau. Der letzte Bauabschnitt dürfte aus dieser Zeit stammen.

Durch die Säkularisation 1802 fiel die Meersburg an das spätere Großherzogtum Baden. Zunächst nutzte dann die Provinzialbehörde des „Oberen Fürstentums am See“ das Alte Schloss. Im Jahr 1814 befanden sich im Alten Schloss nur noch die Obereinnehmerei und die Wohnungen von vier pensionierten fürstbischöflichen Unterbeamten. Von 1814 bis 1836 wurde dort das neu errichtete Hofgericht des badischen Seekreises untergebracht, eine Zweigstelle zum Donaueschinger Gericht.

Der Sammler mittelalterlicher Schriften und Bücher Joseph von Laßberg erwarb die Meersburg nach langwierigen Verhandlungen für 10.000 Gulden im Februar/März 1838 von der Domänenkammer in Karlsruhe. Von Laßberg rettete das Alte Schloss durch seinen Kauf vor dem Verfall und Abriss: Am 7. September 1838 zog er mit seiner Frau Maria Anna von Droste zu Hülshoff, auch Jenny genannt, und ihren Zwillingen ein. In dem gewölbten hellen Saal, dem ehemaligen Archiv, bewahrte er seine berühmte Bibliothek auf. Der Name Droste-Hülshoff wird uns morgen noch einmal beschäftigen. Dann geht es weiter. Für heute genießen wir die grandiose Aussicht von den Zinnen der Burg.

10 Gedanken zu “Deutschlandticket-Tour: Bodensee – die alte Meersburg

  1. Jenny von Droste Hülshoff war wohl die Schwester der bekannten Schriftstellerin Anette von Droste-Hülshoff (‚Die Judenbuche‘), die unter Insidern nur „die Droste“ genannt wird. Ich danke dir für den historischen Abriss, denn deine Berichte ergänzen ein Studium der Literaturwissenschaft. Hier lernt man das, was man an der Uni nicht lernt. Ganz großes Kino. Weiter so!

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  2. Ein beeindruckender Ort voller Geschichte! Die Meersburg erzählt in ihren Mauern von Königen, Rittern und Dichtern und bietet dabei nicht nur spannende Einblicke ins Mittelalter, sondern auch einen fantastischen Blick über den Bodensee. Sehr interessant ! Danke für Mitnehmen…

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  3. Wäre das Burgcafé authentisch hieße es nicht so und hätte gewiß keinen Café im Ausschank, sondern allenfalls Biersuppe. Manche Modernisierung lassen wir uns folgerichtig gern gefallen, auch wenn sie mit der Globalisierung einhergeht – Wein wächst schon am See, aber für Coffea arabica ist’s noch nicht warm genug. Es gibt Verrückte, die darauf hoffen, dass das noch kommt. Ich erinenre hier an den Visionär FJS, der in Alaska Ananaskulturen anlegen wollte.
    Global dachten ja auch die Staufer, die sich in Süditalien wohler fühlten als hier. Lag das auch an der Küche? Als ich die Meersburg besuchte bevölkerte sich dieses Gemäuer mit dem unvermeidlichen, dem Gesinde, den Domestiken, jenen individuell stets verzichtbaren, unwichtigen Statisten der wahren Geschicht, ohne die doch nichts überhaupt stattgefunden hätte. WIe schon Brecht feststellte, kein Pharao hat eine Pyramide erbaut, kein Fürst eine Burg, kein Fabrikant eine Fabrik – es waren die Arbeiter! Und es war die Köchin, die der berühmtesten Frau auf der Meersburg ihr Süpplein gekocht hat und sich fragte, was für g’spinnerte Ideen die Dame jetzt schon wieder hegt und ob sie wirklich zurück will in jenen neblig – kalten Norden, aus dem sie kam, wo es doch am See oft genug Nebel gibt!

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