Kaffeegeschichte im Museum Zum Arabischen Coffe Baum

Nach sechs Jahren der baulichen Sanierung öffnete am 1. Juli 2025 das Museum „Zum Arabischen Coffe Baum“ wieder seine Türen. Das traditionsreiche Haus wurde liebevoll restauriert und die Ausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums erstrahlt nach grundlegender Überarbeitung in neuem Glanz.

1924

Im Herzen der Altstadt gelegen, gehört das Haus „Zum Arabischen Coffe Baum“ zu den ältesten Kaffeehäusern Europas. Seit 1711 wird hier der Sachsen liebstes Heißgetränk ausgeschenkt. Die eindrucksvolle Portalplastik illustriert ein Stück Kaffeekulturgeschichte und gab dem Haus seinen Namen. In jedem Jahrhundert war der Coffe Baum Anziehungspunkt für berühmte Gäste, wie für den Schriftsteller Johann Christoph Gottsched oder den Komponisten Robert Schumann. Zu DDR-Zeiten trafen sich hier die Mitglieder des 1978 gegründeten Künstlercafés, später verkehrten hier Prominente wie Maximilian Schell, Mario Adorf, Bill Clinton oder Kurt Masur.

Die geistige und kulinarische Erbauung gehen im Coffe Baum seit jeher Hand in Hand. In den 16 historischen Räumen des Museums wandeln die Gäste auf den Spuren des Kaffees. Von strengen Kaffeehausordnungen des 18. Jahrhunderts bis zur Kaffeekrise der DDR, von den kolonialen Verflechtungen des Kaffeeanbaus bis zu globalen Handelsbeziehungen heute – Kaffeegeschichte ist facettenreich. Die Ausstellung im einzigartigen barocken Baudenkmal lädt unter anderem ein, August dem Starken, Johann Sebastian Bach und den berühmten „Gaffeesachsen“ mit ihrem „Bliemchengaffee“ ebenso wie Melitta Bentz’ Filtertüte und der legendären „Moka Efti“ zu begegnen.

Burkhard Jung, Oberbürgermeister Stadt Leipzig, sagte anlässlich der Widereröffnung des geschichtsträchtigen Ortes: „Seit über 300 Jahren spiegelt sich hier die Offenheit und Gastfreundschaft unserer Stadt wider. Die behutsame Sanierung dieses sensiblen denkmalgeschützten Gebäudes ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne im Einklang stehen können. Mit Geschichte vor Augen und einer Tasse Kaffee in der Hand kann man Leipzig hier von seiner schönsten Seite erleben.“

Dr. Anselm Hartinger, Direktor Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, ergänzt: „Wir schließen mit dem Museum eine schmerzliche thematische Lücke, weil wir der Geschichte der sächsischen Kaffeehauskultur und dem florierenden Leipzig der Aufklärungszeit endlich wieder eine museale Heimat geben können. Dass wir neben Bachs Kaffeekantate und den illustren Gästen des Hauses jetzt nochmals stärker auf koloniale Verflechtungen des Kaffeehandels und den Blick vor allem der DDR-Obrigkeit auf die unbequeme Kulturszene Leipzigs eingehen, löst jenen ebenso kritischen wie empathischen Anspruch ein, den wir an alle unsere Themen richten.“

2025

Dr. Maike Günther gestaltete als Projektleiterin und Kuratorin die neue Ausstellung. Sie sagte: „Schon beim Betreten des Hauses Zum Arabischen Coffe Baum taucht man in eine vergangene Welt, erst recht, sobald man die ersten Stufen in die Obergeschosse hochsteigt: Das barocke Baudenkmal besticht durch verwinkelte Räume, die sich um den zentralen Lichthof verteilen, durch unebene Böden und Wände und die auf den ersten Blick verwirrenden Zwischenetagen. Das Gebäude als solches ist absolut faszinierend.“

Zum Arabischen Coffe Baum ist ein Leipziger Kaffeehaus in der Kleinen Fleischergasse 4. Es ist ein kultur- und kunstgeschichtliches Baudenkmal und steht unter Denkmalschutz. Seit 1711 wurde hier nachweislich Kaffee ausgeschenkt. Damit zählt es neben dem Café Procope in Paris zu Europas ältesten durchgehend betriebenen Kaffeeschenken. Der „Coffe Baum“ war in der Vergangenheit stets auch ein Anziehungspunkt für prominente Gäste. So traf sich seit 1833 der Musikkritiker und Komponist Robert Schumann regelmäßig mit seinen Davidsbündlern zum Stammtisch. Aber auch August der Starke, Georg Philipp Telemann, Franz Listz, Richard Wagner und Gustav Mahler, Thomaskantor Johann Sebastian Bach, Christian C. Gellert, Johann Christoph Gottsched, Gotthold Ephraim Lessing und E. T. A. Hoffmann, Johann Wolfgang von Goethe, Napoleon und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder kehrten hier gern ein.

Zum Arabischen Coffe Baum, Fleischergasse 4, Leipzig; Öffnungszeiten: täglich 10:00 – 23:30 Uhr, Museum täglich 11:00 – 19:00 Uhr. Der Eintritt zum Museum ist frei. Quellen: Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, Wikipedia, Coffeenewstom.

Bildrechte: Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, Fotografen: Carolin Winter (Titelbild), Andreas Schmidt, Carolin Winter, Andreas Schmidt, Maja Küßner. Bild von 1924: Atelier Hermann Walter * Bernhard Müller, Wikipedia/gemeinfrei. Bild von Goethe: Wikipedia/gemeinfrei.

14 Gedanken zu “Kaffeegeschichte im Museum Zum Arabischen Coffe Baum

    1. Das fand ich witzig. Als ich hier runterlas in die Kommentare. Denn nach reiflicher Überlegung – die Komponisten kämen in Frage, da kann ich nicht viel falsch machen, wenn ich mich dumm stelle muß ich mich nicht mal anstrengen – und unter Ausschluß der Politiker ist es eben Hoffmann, den ich mit ein bißchen Bammel vor dem Tausendsassa und seinen Konsumgewohnheiten noch am liebsten angetroffen hätte.

      Gefällt 2 Personen

  1. WIeder überkommt mich die Phantasie, wenn all diese erwähnten Besucher sich einmal dort getroffen hätten, wäre das – ja, was? Eine Kulturschock? Eine Sternstunde der Menschheit, wie sie Zweig gesammelt hat oder das absolute Chaos?
    Aber das Haus, das museal auf die Weltoffenheit jener Stadt verweist oder eben deshalb ein Museum ist, nur noch ein Museum, das wäre gewiß hochinteressant.

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu chrisbaumgarten Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..