Nuovo Caffè Greco

In Taxifahrer-Kreise heißt sie einfach nur „die Griechin“. Die Rede ist von dem kleinen Nuovo Caffè Greco am Goetheplatz direkt am Eingang zum Hotel Mons und direkt gegenüber vom Taxistand. Vor etwa 40 Jahren wohnte ich in einem kleinen Appartement über der chemischen Reinigung in der Lindwurmstraße, also in Spuckweite zum Goetheplatz. Das Kino, der McDonald’s und die Post gab es schon und natürlich auch das Lindwurmstüberl. Unten im Haus gab es ein Geschäft für Dessous. Das gibt es heute nicht mehr. Und wo früher die Bäckerei Högl war gibt es heute Döner. Dafür gibt es daneben einen Wimmer und schräg gegenüber einen Zöttl neben dem Würschtlkönig mit seinem Grillfleischsandwich und der Jahrhundertsauce.

Den kleinen Supermarkt gibt es auch schon ewig, genau wie den Taxistand, der noch aus einer Zeit stammt, in der für für Taxifahrer Taxistände noch gestaltet wurden. Und es gibt das Nuovo Caffè Greco. Bei Taxifahrern ist dieser Stand eh sehr beliebt. Er ist einer der wenigen Einsteiger-Stände, die gibt es noch gibt, also mit Laufkundschaft und auch die Rufsäule wird öfters bemüht als an anderen Orten. Sehr begehrt sind auch die Vorbestellungen auf Krankenfahrten von der nahen Dialyse. Doch einer der Hauptgründe dürfte die gute Infrastruktur sein. Und bekanntermaßen gibt es den besten Kaffee eben bei der Griechin.

Es gibt hier nicht nur den perfekten Cappuccino, feine gefüllte Croissants, einen Espresso auf die Schnelle oder ein kleines Frühstück für länger, hier gibt es auch einen Frappé wie in Griechenland. Was kein Zufall ist, denn die Griechin ist Griechin. Außerdem gibt es hier nicht nur den leckersten Kaffee am Platz, sondern auch den freundlichsten. Viel Platz ist nicht in dieser gemütlichen kleinen Kaffeebar, aber es reicht. Und der Wechsel hier ist groß, schließlich trinkt die halbe Nachbarschaft hier ihren Kaffee. Und natürlich auch der eine oder andere Taxifahrer, doch der kauft ihn meist eh 2 Go. Eine echte Empfehlung.

Nuovo Caffè Greco, Waltherstraße 33 (Goetheplatz), München-Isarvorstadt; Öffnungszeiten: Montag, Donnerstag und Freitag 07:00 – 15:30 Uhr, Dienstag und Mittwoch 07:00 – 16:00 Uhr, Samstag 08:30 – 14:30 Uhr, Sonn- und Feiertags geschlossen.

15 Gedanken zu “Nuovo Caffè Greco

  1. Ich bin schon zu DM-Zeiten Taxi gefahren und das war damals so günstig (als der Schoppen noch 60 Pfennig kostete) dass wir Jungen im Übermut mit dem Taxi in die Kneipe gegenüber gefahren sind, weil die mehrspurige Straße doch kaum gefahrlos zu überqueren war. Heute können wir uns weder das Bier in der Kneipe, geschweige denn ein unnötiges Taxi leisten. Aber wenns sein muss, dann muss es sein. Mir ist aufgefallen, dass ich heutzutage immer auf den Rücksitz genötigt werde, was ich blöd finde, denn es ist ein erhabenes Gefühl, neben dem Fahrer auf Augenhöhr zu sitzen und sich ein wenig zu unterhalten, ohne dass man den Kopf von hinten vorstrecken muss, um den Gesichtsausdruck des Taxilenkers zu interpretieren.

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    1. Das kann ich Dir erklären aus eigener Erfahrung. In anderen Ländern ist es unüblich sich neben den Fahrer zu setzen. Das scheint typisch deutsch zu sein. Hierzulande haben auch Fahrgäste versucht auf den Beifahrersitz zu kommen, als es während Corona verboten war. Ich habe meine Fahrgäste lieber auf der Rückbank. Seit der Pandemie ist mir alles andere zu nah. Außerdem können sich die Leute nicht mehr zu benehmen. Vom Beifahrersitz aus können sie Radiosender oder Lautstärke verändern oder auch die Klimaanlage – was sie mit zunehmender Häufigkeit gerne tun.

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      1. Das ist ja fast, wie wenn dir jemand ins Lenkrad greift oder während der Fahrt die Handbremse anzieht. Ich hab noch nie – auch beim privaten Mitfahren – Eingriff auf irgendetwas genommen, was nur dem Fahrer obliegt und kann das nicht verstehn, dass das manche tun. Aber wenn ich heute die Zeitung lese und sehe, was alles hierzulande passiert, wundert mich nichts mehr. Das Dumme ist ja, dass man in vielen Fällen gar nicht weiß als Taxi-Driver, wer da überhaupt ins Taxi steigt. Die Gefahr fährt also immer mit. Kein Job für Zartbesaitete ..

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  2. Ach ja, Kaffee… ich liebe ihn sehr. 😅 Ich bin kein Taxifahrer, aber ich verstehe die Liebe für diesen Platz! Frappé wie in Griechenland klingt wie Urlaub im Becher! Wenn Kaffee gut und Leute freundlich, dann ist mein Herz glücklich. Ich komme bestimmt mal gucken – vielleicht zwei Cappuccino trinken, für Übung. ☕🙂

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  3. Danke, so detailliert hat noch keiner meine „ alte Wohngegend“ 36 Jahre durfte ich das Viertel lieben und mit ansehen, wie so manches Schöne, Gute verschwand
    Ob der begnadete Bäcker mit seinen Schuchsen u Brezn, die kleine Italienerin . ..
    Wir können den Zahn der Zeit natürlich nicht aufhalten, aber die Erinnerungen sind erlaubt
    Lg Meggie

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    1. Das Lindwurmstüberl zum Beispiel. Als Zivi (Heimschläfer) war das Geld immer knapp. Zwar wurde meine Miete übernommen, aber als Sold gab es nur fünf Mark pro Tag. Für ich glaube 3,50 DM oder 4,50 gab es im Straßenverkauf vom Lindwurmstüberl ein halbes Hendl mit Pommes. Der Hendlverkäufer – ich sehe ihn heute noch vor mir! – schaufelte uns jungen Menschen immer jede Menge Pommes in die Tüte. „Für meine Studenten“, sagte er immer. „Die haben kein Geld aber Hunger!“. Nur eine der schönen Erinnerungen an meine Zeit am Goetheplatz.

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