Natalie Goldberg: Schreiben in Cafés

Ein Zufallskauf vor etwa 20 Jahren. Wenn ich mich richtig erinnere im Münchner Hugendubel. Der war damals ein riesiger Büchertempel. Es gibt ihn noch, nur etwas verkleinert. Jedenfalls fiel mir auf einem der Büchertische dieses Buch auf: „Schreiben in Cafés“ von Natalie Goldberg. Schreiben UND Cafés? Das sind ja zwei meiner Leidenschaften auf einmal! Also gekauft. Zuhause angekommen war ich dann erst einmal enttäuscht: dem Thema „Schreiben in Cafés“ wurde genau ein Kapitelchen mit mageren fünf Seiten eingeräumt. Ein Fehlkauf?

Aus heutiger Sicht natürlich nicht. Der ursprüngliche Titel des Buches in der deutschen Übersetzung von „Writing down the Bones: Freeing the Writer Within“ war „Der Weg des Schreibens“ und das trifft den Kern des Buches viel genauer. Goldberg, Jahrgang 1948, selbst Autorin und Schreibtrainerin, entwickelte eine Methode des Kreativen Schreibens, die dem Zen-Buddhismus entlehnt ist. Goldbergs Kerngedanke ist, dass die Praxis des Schreibens der Zen-Meditation entspricht. Ziel des Schreibens ist einfach nur das Schreiben.

Goldberg regt an, sich eine Übungszeit festzusetzen, in der unablässig geschrieben wird. Ihre sechs Schreibregeln besagen, innerhalb der Übungszeit

  1. die Hand ständig in Bewegung zu halten,
  2. nichts zu streichen,
  3. sich nicht um Grammatik und Orthografie zu kümmern,
  4. sich gehen zu lassen,
  5. nichts zu denken und
  6. „dem wunden Punkt“ nicht auszuweichen.

Mit „dem wunden Punkt“ meint sie die Dinge, die im Laufe des Schreibens nach oben gespült werden, oft Unvermutetes aus dem Unterbewusstsein, dem aber oft die meiste Energie innewohnt. „Das Ziel ist es, mit Hilfe der ersten Gedanken bis ins Innere vorzudringen, wo die Energie nicht durch soziales Bewusstsein oder den inneren Zensor im Zaum gehalten wird.“

Die Autorin Tania Konnerth erzählt in ihrem Blog „Mein achtsames Leben“: „Schreiben in Cafés von Natalie Goldberg ist ein Buch, das genau da ansetzt: Sich selbst als schreibender Mensch zu erfahren und überhaupt erst einmal ins Schreiben zu kommen, statt Geschriebenes zu bewerten. Es inspiriert und nährt, ermutigt und macht Lust. Es lässt einen lachen und die Sehnsucht nach dem Schreiben so intensiv spüren, dass man gar nicht anders kann, als loszulegen. Es macht nachdenklich und geht sehr tief.“

Und das Schreiben in Cafés? Sie empfiehlt sich ein Stammcafé zu suchen – keine der modernen Ketten, sondern ein richtiges Café! – und eine Beziehung dazu aufzubauen. Das schließt eifrigen Konsum mit ein, schließlich belegt man ja einen Platz länger, als allgemein üblich. Viele Bedienungen sind auf Umsatz und Trinkgeld angewiesen. Mit beidem sollte man nicht geizen. Außerdem rät sie dazu nicht während der Stoßzeit hinzugehen. Viel besser sei die Zeit nach der Stoßzeit. Der meiste Umsatz ist gemacht, die Bedienung ist müde und froh über einen Gast, der nicht viel Arbeit macht.

Andere Kapitel handeln davon, wie man sich daheim einen Raum zum Schreiben schafft, ein anderes Kapitel heißt „Schreiben Sie überall“. Und noch eine Besonderheit: dieses Buch richtet sich an alle Schreibenden, egal zu welchem Zweck und auf welchem Niveau. Deshalb wird es von mir auch uneingeschränkt empfohlen. Es ist seit über 20 Jahren ein Bestseller – und das aus gutem Grund!

Quellen: Natalie Goldberg: „Schreiben in Cafés“, Autorenhaus Verlag, Tania Konnerth: „Mein achtsames Leben“, Wikipedia. Bild Natalie Goldberg von Joan Halifax/Upaya/Wikipedia.

12 Gedanken zu “Natalie Goldberg: Schreiben in Cafés

      1. Wie sonst soll es schwimmen lernen? – nein, hier geht es darum, dass zum einen ohnehin alles vergänglich ist, zum anderen genau dem auch eigener Wert innewohnt, wie jedes unerfahrene Kind, das eine Sandburg, oder ein weiser alter Navajo, der sein Sandbild fertigt, weiß bzw. erfährt.

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  1. Es gibt im Bereich „kreatives Schreiben“ auch viele schwarze Schafe, wie allgemein im Fach „Coaching“. Das von dir empfohlene Buch scheint aber wirklich brauchbar zu sein, denn die Punkte, die aufgeführt werden, musste ich mir selbst durch jahrelange Erfahrung aneignen. Da kann der Autor also viel Zeit sparen, wenn er die wichtigen Grundlagen früh kompetent vermittelt bekommt. Ich schreibe übrigens auch überall, aber nicht auf einer Tischplatte, sondern im Kopf und die Ergebnisse schreib ich nicht auf Papier, sondern direkt ins Internet, wo dann vor dem Veröffentlichen noch ein wenig gefeilt wird und auch nach der Freigabe korrigiere ich noch hin und wieder im Nachhinein meine Text. Aber sehr vorsichtig, denn man neigt zum Verschlimmbessern. Eigentlich vertrau ich der ersten Variante, die spontan als Geistesblitz im Hirn entsteht .. Aber schöne Buchvorstellung für angehende Autoren und Laienautoren, die vielleicht den Sprung zum eigenen Buch schaffen. Und ich ahnte doch schon, dass dir ein Talent zum Schreiben innewohnt. Kleiner Blogbeitrag – großes Kino. Danke.

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    1. Gerne! In diesem Buch ist für jeden was dabei, für Anfänger wie Profis gleichermaßen. Allerdings geht es ohne eine Sache nicht, nämlich Übung. Die jahrelange Erfahrung merkt man Deinem Schreibstil an. Also war die Zeit, die Du dafür aufgewendet hast notwendig. Und ist nicht der Weg das Ziel? Gruß Tom

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      1. Danke! Ich beschwer mich auch nicht. Ich versuche immer zwei Dinge zu vereinen: Erstens eine Brücke zu sein zwischen Romantik und Jetztzeit und zweitens mit einem Minimum an Worten ein Maximum an Gedanken auszusagen. Alles andere ist kindliche Spielerei. LG Sven

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