Samiotisches Kaffeetagebuch II: Ankunft auf Patmos

Schon von weitem kann man die Silhouette des tausendjährigen Klosters des Heiligen Johannes des Theologen auf der heiligen Insel ausmachen. Groß, dunkel und mächtig thront sie über dem kargen Eiland, überragt nur vom weißen Turm des Klosters Elija. Langsam schiebt sich das Schiff, die Dodekanisos Pride, an der Landzunge entlang – Untiefen wurden schon manchem Seefahrer hier zum Verhängnis – bis die den Blick auf den Hafen freigibt, der weiß zu leuchtend scheint auf der braunen Insel. Ehrfürchtig gibt jedes sich nähernde Schiff zwei Mal Signal, bevor es in den Hafen einläuft. Nur hier tun sie das, zu Ehren der heiligen Insel, wie sie mit Parlamentsbeschluss seit 1983 offiziell heißt und des Klosters.

„Ich, euer Bruder Johannes, (…) ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.“ So beginnen die geheimen Offenbarungen des Johannes, die er hier in der Höhle der Apokalypse empfangen haben will. Einst war Patmos die Insel der Göttin Artemis. Über die einstigen Bewohner weiß man nur wenig. Damals wie heute war Patmos kaum in der Lage seine Bewohner selbst zu versorgen. Weshalb sich die Insel ans Verbannungsort anbot. Johannes der Evangelist wurde im Jahr 96 vom damaligen Kaiser Domitian hierher verbannt, weil er gepredigt hatte. Bis in unsere Gegenwart ist Patmos ein wichtiger Wallfahrtsort der Orthodoxie und anderer christlicher Kirchen.

Die Einfahrt in den Schmalen Hafen von Skala ist schwierig und nur die besten Kapitäne beherrschen sie. Bei der dafür notwendigen Wende berührt die Bordwand fast die Felsen. Ein beeindruckendes Schauspiel, dass sich der Reisende nicht entgehen lassen darf. Dann geht alles ganz schnell, denn lange ist der Aufenthalt der Dodekanisos Pride nicht. Und schon ergießt sich ein Schwall von Pilgern und Touristen auf den Pier. An Bord gehen um diese Zeit nur wenige. Doch kaum auf der Insel reißt einen der lebendige Strudel der Hafenstadt Skala mit. Plötzlich Verkehr und Leute und Lärm und Staub.

Als ich vor zwei Jahren hier anlandete zog mich die Insel sofort wieder in ihren Bann. Etwa 30 Jahre vorher war ich schon einmal auf Samos und Patmos gewesen. Auf Samos war ich erstaunt, dass ich mich so gar nicht erinnern konnte. Ich dachte ich könnte einiger Orte wiedererkennen, doch Fehlanzeige. Weder in Pythagorion, noch in Vathi wollten sich Erinnerungen einstellen. Ganz anders auf Patmos! Ausgerechnet das faschistische Hafengebäude mit Zollamt, Militärverwaltung und Post hatte sich in mein Gedächtnis eingegraben. Und diesmal fühlte es sich noch stärker als ein Heimkommen an, war doch Patmos nicht nur Reisedestination, sondern auch Ziel einer Mission.

Wie 2022 mietete ich mir schon bei der Ankunft eine 125er bei Moto & Car Rent Express. Patmos ist eine kleine Insel, wo jeder jeden kennt, nur leider war der Chef gerade nicht da. Da ich aber schon einmal Kunde hier war, bekam ich das gewünschte Gefährt sofort. Schwieriger hingegen war es das gebuchte Hotel Elia mit Blick aufs Meer zu finden. In einer Stadt ohne Straßennamen oder Hausnummern trotz Computerausdruck ein kleines Kunststück. Unsere Vermieterin ist sogar mit dem Ziel dieser Reise verwandt. Doch davon später mehr. Jetzt, nachdem sich der erste Ansturm auf das Kloster gelegt haben dürfte, ist der geeignete Zeitpunkt sich dahin aufzumachen. Und außerdem ist es inzwischen höchste Zeit ein wenig Roller zu fahren – und natürlich für einen Kaffee.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..