Nach so viel Geschichte und körperlicher Aktivität haben wir uns unseren Kaffee reichlich verdient. Was lag da näher als ein kleiner Abstecher an den Hafen von Pythagorion. Also rein ins Auto und runter in den Ort. Ein Parkplatz war schnell gefunden, ein Café mit Blick auf den Hafen auch. Unsere Wahl fiel, weil nahe des Parkplatzes, auf die bewährte Taverne Tarzanas. Hier wollten wir uns erst einmal mit einem ordentlichen Kaffee stärken.

Was macht den Zauber von Pythagorion aus? Vielleicht dass es genauso aussieht, wie man sich als Tourist einen griechischen Hafen immer vorstellt. Zumindest wenn man es etwas lebendiger mag. Mir persönlich liegt ja – zumindest zum Übernachten – da das beschauliche Ireon näher. Aber so zum Flanieren ist der Hafen von Pythagorion natürlich Trumpf.

Da sind die kleinen Gassen, die verwinkelten kleinen Plätze, die Tavernen mit den Terrassen. Die alten, bunten Häuser, die Andenkenläden, die Cafés und die Supermärkte. Da schaukeln bunte Fischerboote im Hafen. Nachmittags kann man sehen, wie die Fischer ihre Netze Flicken oder wie sie Oktopoden zum Trocknen aufhängen. Die Katzen sehnen sich die Rückkehr der Boote herbei, denn für sie fällt vielleicht etwas Beifang ab.

Da ist die große Uferpromenade, wo sich eine Taverne an die andere drängelt. Jetzt geht es hier noch beschaulich zu, doch im Sommer, nachts, tobt hier das Leben. Da wird gefeiert und getrunken bis der Hahn kräht – wie gesagt, ich suche da mehr die Ruhe. Aber für einen zweiten Nachmittagskaffee ideal.

Vorher schauen wir noch beim Meister vorbei. Und wer kennt ihn nicht, den Satz des Pythagoras: a² + b² = c². Die Anwendung dieser revolutionären Berechnung erfolgte bereits hier auf Samos beim erfolgreichen Tunnelbau des Euphalinus. Der Namensgeber der Stadt Pythagorion erhielt hier auch ein Denkmal. Es wurde 1988 auf der Hafenmole errichtet und ist frei zugänglich.

Bemerkenswert sind die Inschriften auf allen vier Seiten des Denkmals mit Zitaten des Mathematikers und Religionsstifters: „Die Zahl 3 ist der Mittelpunkt des Weltalls. Das Weltall bewegt sich harmonisch. Alles sind Zahlen. Wenn es einen Gott gibt, wird er die absolute Wahrheit sein, umhüllt mit Feuer. Die Natur ist die unendliche Welt [und] funktioniert nach Zyklen. Die Gegensätze sind kosmisches Gesetz, das Gleiche gilt im Weltall. Die Natur ist überall.“

Wir wenden uns wieder dem Ort zu und bewundern einige besonders schmucke Boote, dem traditionelle Kaiki. Das Kaiki ist der verbreitetste traditionelle Bootstyp in Griechenland. Es wird kraweelgeplankt aus Holz gebaut und ist seit zirka 50 Jahren meist mit einem einzylindrigen Diesel motorisiert. Vorher wurde es unter Segeln gefahren oder gerudert. Hauptsächlich wird es als Fischerboot verwendet, es gab und gibt aber auch Varianten zur Last- oder Personenbeförderung.

Sehr oft ist ein kleines Augenpaar an den typisch geformten Bug gemalt. Die Größe eines Kaikis reicht von 5 Meter Länge bis zu 15 Meter langen Schiffen, wobei die Rumpfform mit einem Verhältnis Länge:Breite:Höhe mit 9:3:1 immer beibehalten bleibt. Sie ist auch für die erstaunliche Seetauglichkeit dieses Bootstyps verantwortlich. Kaikia werden so gut wie immer mit einer Ruderpinne gesteuert, auch die sehr großen haben meist kein Steuerrad.

Weiter draußen Im Hafenbecken liegt die Dodekanisos Pride vor Anker, der Stolz der Flotte der Dodekanisos Seaways. Morgen früh werden wir mit diesem Schiff in See stechen und uns auf den Weg zu unserem zweiten großen Ziel machen: Patmos, die heilige Insel. Noch dümpelt das Schnellboot im Brackwasser des Hafens friedlich vor sich hin.

Schließlich lassen wir uns im Remezzo, einer kleinen Taverne mit einer weißen Pergola und zierlichen weißen Stühlen direkt vor der Mole, nieder. Ein Café frappé ist jetzt gerade recht. Kaffee und gleichzeitig doch erfrischend. So lassen wir in der Abendsonne diesen Tag gemütlich ausklingen. Nach dem nassen Winter daheim ein verdienter und lange herbeigesehnter Ausgleich. Bleibt noch das Abendessen. Das haben wir uns heute redlich verdient. Aber das nehmen wir wieder in Ireon ein. Doch davon morgen mehr…

Remezzo, Pythagoreio, Samos, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 07:30 – 01:00 Uhr. Quellen: Wikipedia, samos-reiseinfo.de, w-volk.de, griechenland-insider-urlaub.de.
Sehr schöner Beitrag über einen gelungenen Nachmittag! Gefällt mir viel besser als deine Posts mit längeren historischen Ausführungen. Da würde ich mir mehr persönliche Eindrücke wünschen. Aber es ist dein Blog, den du so gestalten kannst wie du möchtest.
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