Wir sind im Herzen des Kunstareals im Museumsviertel der Maxvorstadt, wo es von alten Meistern nur so wimmelt. Schon, wenn man an der Alten Pinakothek vorbei geht – bei seiner Eröffnung 1836 der größte Museumsbau der Welt und mit den lichtspendenden Oberlichtern für die damalige Zeit sehr fortschrittlich – sieht man von weitem die auffällige mit Terrakotta-Platten verkleidet Fassade eines Neurenaissance-Eckbaus: die frühere Heimat der Brasserie Tresznjewski oder wie die vielen Stammgäste sagten: „das Treszi“. Das Haus aus dem Jahr 1865 überstand die Zweiten Weltkrieg nur knapp. Vor dem Tresznjewski befand sich im Erdgeschoß lange die Gaststätte Weinschatulle, welche durch Ihre langen Öffnungszeiten bis vier Uhr morgens – bekannt, beziehungsweise berüchtigt war.

Über 32 Jahren war das Tresznjewski eine Institution und Treffpunkt für Studenten, Professoren, Geschäftsleute, Kunstschaffende aus den umliegenden Museen und Galerien, sowie Touristen und natürlich Blogger auf Kaffeetour. Da waren die Espresso-Schnellfrühstücker am Morgen, die Business-Luncher, Studenten, Professoren und Künstler über den Mittag hinweg, die Nachmittagsgenießer für Kaffee und Kuchen sowie die Abendbummler, wenn’s im Art-Deco-Lokal dunkler und lauter wurde. Das Haus selbst wurde bereits um 1865 errichtet und ist vom Design her fast identisch mit dem Gebäude in der Theresienstraße 68, also nur zwei Häuser weiter.

Durch die Eröffnung der Pinakothek der Moderne 2002 und des Museums Brandhorst 2009 entwickelte sich das Museumsviertel in diesem Zuge viele Galerien, Auktionshäuser und Geschäfte das Quartier gegenüber der ehemaligen Türkenkaserne bereicherten. Doch eine der wichtigsten Bereicherungen war das Tresznjewski selbst, ist es doch eines der wenigen echten Straßencafés, wie man sie in Frankreich und Italien zuhauf finden kann, das es schon gab, bevor Starbucks & Konsorten auf die Idee kamen, dass man vor ihre Kaffee-Abfertigungs-Betriebe auch Stühle und Tische stellen kann.

Das Tresznjewski nannte sich völlig zu Recht eine Brasserie. Neben einer erfreulich abwechslungsreichen Frühstückskarte mit Bauernfrühstück, French Toast, Croque Monsieur und frischen Pan Cakes, gibt es auch umfängliche und überzeugende Mittags- und Abendkarten. Ein großes Weinangebot sowie Cocktails runden das Angebot ab. Legendär die variantenreiche Kartoffelcremesuppe, unvergessen das Paris Roastbeef-Sandwich mit rosa gebratenem Roastbeef, Estragon-Dijonsenfmayonnaise, Römersalat,
roten Zwiebeln und Fleischtomaten, nicht zu vergessen der Treszis Famous Burger oder der Croque Monsieur. Doch die Brasserie verharrte nicht nur in Tradition, „moderne“ Gerichte, wie Tom Kha Gai oder das rote Thaicurry mit Hühnerbrust erweiterten und ergänzten das Angebot.

Über die Kaffeespezialitäten konnte man in der Karte lesen: „Unsere Kaffeespezialitäten kommen aus der Privatrösterei „Supremo“ aus Unterhaching. In diesem Familienunternehmen fanden wir die gewünschte Qualität und Liebe zum Produkt. Dort werden alle Mischungen für uns abgestimmt und schonend, mit viel Zeit geröstet. „Supremo“ kauft ihre Kaffeebohnen direkt im Anbaugebiet und nimmt an Auktionen, als Käufer und als Mitglied in einer internationalen Jury teil. Dies ist wirklicher „Fair Trade“, da der Bauer den Preis für sein Produkt direkt und ohne viele Zwischenhändler bekommt. Für alle unsere Kaffeespezialitäten verwenden wir nur Milch aus Bayern, um die meist kleineren Milchbauern in den Bergregionen zu unterstützen.“

Erwähnenswert wäre noch das Frühstücksangebot mit der hausgemachten Marmelade. Wer es eilig hatte, der war mit dem kleinen Frühstück oder dem französischen Frühstück für 5,50 € gut bedient, wer es krachen lassen konnte, der kam mit dem Tresznjewski Frühstück mit , Freilandei, selbstgemachte
Marmeladen, Honig, Roastbeef, Räucherlachs und einem Glas Prosecco für 18,80 € auf seine Kosten und wir können nur mutmaßen wie vielen Liebschaften bei einem Frühstück „Mon amour“ für 2 Personen hier ihren Anfang nahmen.

Alles Geschichte! „Die Rahmenbedingungen haben uns zu diesem sehr schweren Entschluss gebracht, unseren Mietvertrag nicht mehr zu verlängern“, schreibt Tresznjewski-Chef Mark Strickmann auf seiner Webseite. Er führt auch den akuten Personalmangel und die gestiegenen Energiepreise als Entscheidungsgründe an. „Unserer Meinung nach gibt es aber auf der Seite der Preiserhöhungen keinen Spielraum mehr um die diese Kostensteigerungen auf der anderen Seite abzufangen. Da auch Sie, unsere Gäste, mit den gestiegenen Preisen in ihrem Umfeld konfrontiert sind kann man Ihnen das nicht vermitteln und zumuten. So kann man das Tresznjewski leider nicht rentabel führen“, heißt es im Aushang an der Eingangstüre weiter.

Ich hätte der Brasserie gerne noch einen Abschiedsbesuch abgestattet. Leider öffnete sich die Türe bereits am 30. Dezember 2024 nicht mehr für mich. Wer kann es verdenken? So bleibt mir nur im Blog mittel Nachruf leise Servus zu sagen. Und danke für viele tolle Jahre. München ist jetzt um ein weiteres, klassisches Café ärmer. Vielleicht ein Nachsatz noch: Ihr seid nicht alleine! Zum Jahreswechsel verschwanden auch das Öeins, Oskar, Occam Deli, Basta e Basta, Wirtshaus Siebenbrunn, Sushi + Soul, sowie das „Fresh Bagels & Muffins“ in der Barer Straße aus der Münchner Gastro-Szene.
Mehr über die Kaffeerösterei Supremo gibt es hier!
Brasserie Tresznjewski, Theresienstraße 72, München-Maxvorstadt, leider dauerhaft geschlossen! Quellen: Unternehmensseiten, Münchner Abendzeitung, Münchner Merkur, IN München.
Es ist traurig wie viele Geschäfte sich, vernunftmäßig, verabschieden.
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Zur Zeit ist das echt schlimm!
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Ich fürchte es wird nicht besser.
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Leider wahr!
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Ich habe bei einem Spaziergang durchs Viertel kurz vor dem Jahreswechsel gesehen, dass das „Treszi“ schließt. Ich bin nicht oft dort gewesen, bin aber dennoch traurig und bestürzt. Wieder eine gastronomische Institution weniger hier in der Maxvorstadt.
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Leider wahr!
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Was sich nicht halten kann schließt.
Meine Stammkneipe schloss 2024 auch endgültig die Pforten.
Keine Kunden mehr zu haben war das schlimmste was passieren kann.
Von 100 % vor Corona auf 0,003 nach Corona. Davin kann keine Kneipe leben.
Davon kann keiner der ein Restaurant und Kneipe hat 2 Kleinkinder + Frau ernähren.
Traurig aber leider Tatsache.
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