Café Wiener: Totgesagte leben länger!

Vor knapp drei Jahren musste das Café Wiener in der Reichenbachstraße 8 schließen. Der Grund: die Firma Wimmer hatte den Laden erworben. Zuvor hatte die Bäckerei-Kette ihre Filiale vier Häuser weiter. „Die neue Fläche ist ein bisschen größer und vom Zuschnitt her einfacher“, erklärt Martin Wimmer der Münchner TZ. Grund genug um einen Makler mit dem Erwerb zu beauftragen. Und nun mussten sich Johanna Wallner und ihr Mann Rainer Wiener um einen neuen Ort für das Traditionscafé aus dem Jahr 1894 bemühen.

Kunstdrucke an den Wänden, ein großer Spiegel mit Goldrahmen, ausladende Kronleuchter, gedämpftes Licht, in die Jahre gekommene Kaffeehausmöbel, das Wiener war mit Sicherheit kein Coffeeshop. Altmodisch? Ja! Aber altbacken? Nein! Für viele war das Café Wiener das zweite Wohnzimmer und ein Stück Heimat. Im Laufe meiner Recherchen stellte sich heraus, dass nicht die Bäckerei Wimmer für den Wiener-Rausschiss verantwortlich war. Als die den Laden erwarb war er schon länger wohlfeil. Tatsächlich hatte der Pächter selbst gekündigt. Eine dringend notwendige Sanierung war für ihn finanziell nicht zu stemmen.

Johanna Wallner und ihr Mann Rainer Wiener wollten ihr Café trotz Rentenalter weiterführen. Doch geeignete Räumlichkeiten mit Platz für eine kleine Backstube ausgerechnet im begehrten Gärtnerplatzviertel – schließlich wollte man bei seinen Stammgästen bleiben – und noch dazu bezahlbar schien utopisch. Doch hier griffen die Schicksalsgöttinnen gütig ein: eine Vermieterin hatte aus der Zeitung von der Suche erfahren und ihnen kurzerhand den Laden in der Rumfordstraße 7, also schräg gegenüber des alten Standortes, angeboten.

Etwas kleiner ist es als das alte Café und deshalb ist es noch schwieriger einen Platz zu finden. Bei meinem Besuch zwischen den Jahren war der Kuchen nachmittags um drei schon fast ausverkauft. Ich habe gerade noch ein Stück Mandarinen-Käse-Kuchen mit Streuseln bekommen. Überhaupt schienen fast nur Stammgäste im Raum zu sein. Man kennt sich und man weiß was man aneinander hat. Ständig klingelt das Telefon. Ob noch Kuchen da ist. Johanna Wallner muss die Leute vertrösten. Die Nachfrage ist ungebrochen groß.

Dabei wollte Rainer Wiener gar nicht in Konditoren-Gewerbe. Seine Eltern hatten in den 1960er Jahren das Café in der Reichenbachstraße übernommen. Irgendwann musste der Sohn dann doch mal in Café und Backstube aushelfen. So brach er ein Studium zugunsten einer Konditorlehre ab. Auch lernte er im Café seine Frau kennen. Die jobbte als Kellnerin neben ihrer Arbeit im Büro, da sie Geld brauchte um nach Amerika auszuwandern. Es kam anders. 1989 übernahmen die beiden, nun als Ehepaar, das Café und führen es bis heute. Beim Gehen wünscht mir Johanna Wallner noch alles Gute fürs neue Jahr. Und vor allem Gesundheit, denn die sei schließlich das Wichtigste. Ich kann ihr da nur zustimmen.

Café Wiener, Rumforsdtraße 7, München-Isarvorstadt; Öffnungszeiten: Montag – Freitag 08:30 – 18:00 Uhr, Samstag 08:30 – 17:00 Uhr, Sonntag 13:00 – 18:00 Uhr.

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