Mit etwa 800 Einwohnern ist Elos der größte Ort in der Hochebene des Innahorions und besitzt die einzige Tankstelle weit und breit. Berühmt ist das Dorf vor allem wegen seiner Esskastanien, die hier die Straßen und die Hänge an den Hügeln Säumen. Früher drehte sich hier alles um die Kastanie, was Elos den Beinamen Kastanochori eingebracht hat, was so viel bedeutet wie „das Dorf mit den Kastanienbäumen“. Ende Oktober gibt es hier das alljährlich Kastanienfest mit Musik, Tanz und Maronen in allen Zubereitungsarten.

Im Frühjahr präsentiert sich uns Elos als eher stilles Dorf. Zumindest ist es das, seit dem eine Umgehungsstraße den Durchgangsverkehr vorbeilenkt. Da könnte man Elos im Vorbeifahren glatt übersehen, was schade wäre, denn es ist ein nettes und noch sehr traditionelles Dorf mit einem großen, zentralen Platz und zahlreichen Tavernen und kleinen traditionellen Cafés. Auch zu sehen sind die Reste eines Aquädukts, dessen Ursprung ich aber nicht recherchieren konnte.

Mehr Informationen hingegen gibt es zu einer von außen eher unscheinbaren Kirche aus dem 13. Jahrhundert, der Agios Ioannis Theologos. Sie ist im Stil eines einschiffigen Bogendachs gebaut. Doch der wahre Schatz liegt im Inneren der Kirche und zwar in Form von Fresken. Diese werden aufgrund ihrer Ikonographie auf das frühe 14. Jahrhundert datiert und Johannes Pagomenos zugeschrieben, einem bekannten Maler aus Kreta, der während der venezianischen Herrschaft auf Kreta viele ländliche orthodoxe Kirchen dekorierte.

Die Fresken zeigen vor allem Bittgebete, erzählen von der Gastfreundschaft Abrahams stellen Heilige zu Pferd und im Stehen dar. Ergänzt werden sie durch die zahlreichen landestypischen Ikonen, die wiederum Heilige abbilden. Eine sorgfältige Restaurierung der Fresken würde ihnen gut tun und diesen wertvollen Kulturschatz auch für zukünftige Generationen sichern.

Dieser Bau hat für die orthodoxe Kirche auf Kreta eine besondere Bedeutung. Die venezianischen Besatzer versuchten den katholischen Glauben auf Kreta zu verbreiten. Viele Kirchen wurden schlicht umgewidmet oder abgerissen und nach venezianischen Vorstellungen neu errichtet. Der orthodoxe Glaube ist aber nie ganz verschwunden, sondern er hat sich in die ländlichen Gebiete zurückgezogen. Hier entzog man sich dem Zugriff und der Vereinnahmung durch die katholische Kirchen.

Und schon melden sich weltliche Gelüste, trotz des späten Kuchen-Frühstücks. Fündig werden wir in einer Taverne, die die Kastanie schon im Namen trägt: Kastanofolia. Außerdem gibt es hier ein Briam auf der Karte. Mal sehen ob es diesmal klappt. Und so betreten wir die geräumige Taverne, deren große Fenster viel Licht ins innere lassen – ein freundlicher Raum. Dazu gibt es auch noch eine Art Wintergarten. Hier lassen sich bestimmt laue Sommerabende vortrefflich verbringen.

Wir lassen uns nieder und bestellen sogleich der unvermeidliche Tzatziki.

Gefolgt von dem lange ersehnten Briam, dass dann aber bei näherer Betrachtung verdächtig wie ein Boureki ohne Käse aussieht. Entweder wir sind tatsächlich einer Verschwörung auf der Spur oder die regional angebauten Auberginen haben schlicht gerade keine Saison. Wer weiß?

Die Bestellung runden wir mit einer Portion „village saussages“ ab, einer groben, pikanten, aber sehr leckeren Grillwurst. Anschließend gab es noch leckere Früchte und einen etwas speziellen Kastanienlikör mit extrem viel Zimt – wohl das flüssig gewordene Wahrzeichen des Ortes. Mehr Kastanie geht nicht! So gestärkt streben wir weiter zu neuen Taten und Abenteuern. Doch davon morgen mehr.

Kastanofolia, Elos, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich 08:00 – 23:00 Uhr. Quellen: Kreta-klaus.de, ADAC Reiseführer plus Kreta, orthodoxcrete.com, religiana.com, globetrottel.net.
Ein idyllischer Ort, der dazu einlädt, um ihn auf eigene Faust zu entdecken.
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Ich kann ihn nur empfehlen.
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