Kretisches Kaffeetagebuch: Ankunft in Kefali

Eigentlich hatte Kostas an ein oder zwei Übernachtungen in einem traditionellen kretischen Bauernhaus gedacht, nur war in dem infrage kommenden Ressort nichts zu bekommen. Ratri fand im Internet Ersatz, und zwar in einem frisch renovierten kretischen Steinhaus, vermutlich ein Bauernhaus, in Kefali. Der Ort liegt im Innahorion etwas westlich von von Elos. Heute leben noch 40 Menschen hier und es gibt zwei Tavernen und ein Café. Die Menschen leben auch heute noch hauptsächlich von der Schafzucht und vom Olivenanbau.

Eine der beiden Tavernen ist das Panorama, das gleichzeitig auch der Dorf-Supermarkt ist. Der Name ist Programm: von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht in das Tal von Vathi im Westen. Wie Schwalbennester kleben kleine weiße Häuschen und eine Kapelle am gegenüberliegenden Hang. Von hier schlängelt sich die Straße kurvenreich nach Elafonisi an der Küste. Die Besitzerin von Taverne, Supermarkt und unserer Unterkunft ist Irene. Das bedeutet, dass wir unsere Schlüssel von ihr in Taverne bekommen.

Natürlich bekommen wir zur Begrüßung nicht nur unsere Schlüssel, sondern auch erst einmal eine Runde Bier aufs Haus und etwas zum Knabbern, damit wir das Bier nicht auf nüchternen Magen runterwürgen müssen. Trotzdem steht unser Plan zum Abendessen wieder hier vorstellig zu werden. Irene hat einen kleinen Sohn, Theo. Der leibliche Vater tritt nicht in Erscheinung – wir haken auch nicht nach – aber das halbe Dorf kümmert sich um ihn. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn zum Abendessen findet sich wortwörtlich das halbe Dorf im Panorama ein. Die andere Hälfte vermuten wir in der anderen Taverne.

Über unsere Unterkunft selbst wird im nächsten Kapitel noch zu berichten sein. Für heute genügt es zu erwähnen, dass es sehr ruhig etwas außerhalb Kefalis und oberhalb der Straße an einem Berghang liegt. Wir lernen dort auch gleich unsere Appartement-Nachbarn, ein nettes, britisches Ehepaar, kennen. Mit ihnen gemeinsam machen wir uns auf den Weg zurück zur Taverne.

Zu unserer Freude finden wir auf der überschaubaren Karte im Panorama Briam, doch das ist leider nicht verfügbar. Uns wird das Boureki empfohlen, das sei praktisch das selbe. Ist es nicht, wie wir wissen, fügen uns aber. Langsam keimt in uns der Verdacht auf das Opfer einer kretischen Taverne-Verschwörung zu sein. Oder es ist ein Running Gag, den man sich mit Touristen erlaubt.

Wir nehmen also das Boureki und – um es kurz zu machen – kretischen Salat, Auberginen-Creme, gegrillte Peperoni mit Feta und Tsigariasto, ein im Ofen geschmortes Lamm und unverzichtbares Gericht der kretischen Küche.

Und nun ist es 22:40Uhr, Irene und ihr kleiner Sohn Theo haben sich schon verabschiedet, nach dem reichhaltigen Essen bekamen wir als Dreingabe natürlich noch warmen Kuchen und Raki, dann den übrigen Raki von den britischen Tischnachbarn, und während die Einheimischen noch lautstark Essen lassen wir den Tag bei Weißwein und Bier Revue passieren, freuen uns auf eine ruhige Nacht und frische, kalte Bergluft im Steinhaus über Kefali.

Schon schleicht sich etwas Wehmut ein, weil wir spüren, dass unser gemeinsamer Urlaub bald sein geplantes Ende finden wird. Aber noch liegen zwei Tage vor uns. Und die wollen wir uns keinesfalls entgehen lassen. Doch davon im nächsten Kapitel mehr.

Panorama Cafe – Taverna, Kefali, Kreta, Griechenland; Öffnungszeiten: täglich von 08:00 – 23:00 Uhr.

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