Der Palmenstrand von Vai, eigentlich Palmenwald von Vai, liegt an der Ostküste Kretas, an der Bucht von Grandes. Die Kretische Dattelpalme „Phoenix theophrasti“ bildet hier den größten natürlichen Palmenhain Europas. Benannt ist der Strand nach der kleinen Ortschaft Vai einen Kilometer hinter der Küste. Nach einer kretischen Legende entstand der Palmenhain dadurch, dass Piraten, die sich hier nach ihren Beutezügen versteckten, die Kerne der gegessenen Früchte wegwarfen, aus denen dann Palmen wuchsen. Daraus soll sich über Jahrhunderte der Palmenwald entwickelt haben. Allerdings ist dies eine eigene, von der Echten Dattelpalme verschiedene Palmenart, deren Früchte eher ungenießbar sind. Daher ist die Legende nicht haltbar.

Als Mitte der 1970er Jahre der Geheimtipp Vai die Runde bei Rucksacktouristen in ganz Europa machte, wurde aus Vai eine Mischung aus chaotischem Zeltplatz und Müllkippe, worauf die Gesetzeshüter rigoros reagierten. Vai wurde eingezäunt und zum Naturschutzgebiet erklärt, Wildcamper und die restlichen dort verbliebenen „Hippies“ mit drastischen Methoden vertrieben. Das tat dem einmaligen Biotop sehr gut, der Wald erholte sich wieder, der Strand wurde sauber.

Dann „entdeckte“ der Tourismus Vai neu. Der Palmenstrand, der zum Grundbesitz des Klosters Toplou gehört, erlebte seinen zweiten „Run“ als Attraktion für Tagestouristen, die dort täglich mit mehreren Bussen eintreffen. Von dem Palmenwald ist heute nur noch ein schmaler Streifen am Strand zu begehen, der Rest ist für den Publikumsverkehr nicht geöffnet.

Die Dattelpalmen waren auch beteiligt, als Martin seine Wortschöpfung „Ostkretische Trilogie“ erdachte. In seinen Reiseblog „Globetrottel“ heißt es: „Auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt, ‚Vai Beach‘ und die hellenistische Ausgrabung von Itanos, gelang uns ein Potrait dessen, was ich ‚Ostkretische Trilogie‘ getauft habe: Wein, kretische Dattelpalmen und Schafe.“ Alles zusammen zu sehen in diesem Bild.

Nur kurze Zeit später erreichten wir Itanos, beziehungsweise die freigelegten Ausgrabungen und Ruinen. Einst befand sich hier an der Nordost-Spitze der Insel eine blühende Stadt mit einem wichtigen Handelshafen. Die Ursprünge der Besiedelung lassen sich bis in die prähistorische Zeit zurückverfolgen. Die Blütezeit von Itanos als einer reichen Hafenstadt lag jedoch in der klassischen und der hellenistischen Epoche der Antike.

Im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. war Itanos mit Ägypten verbündet, und auch aus dem Jahr 70 v. Chr. wurde ein entsprechender Vertrag mit Ägypten gefunden. Dazwischen, ab 140 v. Chr., war Itanos mit Hierapytna, dem heutigen Ierapetra, verbündet und zusammen mit dieser Stadt Herrscher über ganz Ostkreta. 795 wurde Itanos durch ein Erdbeben zerstört und danach wieder aufgebaut. Im 15. Jahrhundert verödete die Stadt, nachdem die Einwohner durch Seeräuber vertrieben worden waren.

Im Rahmen von archäologischen Ausgrabungen wurden unter anderem die Überreste einer byzantinischen Basilika freigelegt, während oberhalb noch die Ruinen eines Hauses aus dem Mittelalter zu sehen sind. Etwas landeinwärts erstrecken sich die Grundmauern der einstigen Akropolis der Stadt zur Zeit der dorischen Besiedelung befinden. Hier sieht man, wie nah oft Gegenwart und Vergangenheit beieinander liegen: direkt an Grundmauern der Akropolis schließt sich heute ein Bauernhaus an.

Da, wo einst ein mächtiger Hafen gestanden haben muss, befindet sich heute eine ruhige Nebenbucht von Vai, der Itanos-Strand. Ein bemalter Stein weist darauf hin, dass das hier ein Nudistenstrand ist. In Ermangelung von nackten Menschen müssen wir das glauben. Schöner ist es doch hier die Stille zu genießen, die nur vom unregelmäßigen Schlagen der Wellen auf den Kiesstrand unterbrochen wird.

Auf dem Weg zurück zum Auto vielen uns diese Muster im ausgetrockneten Boden auf. Klar war, dass beim Austrocknen diese Risse entstehen, die die Muster Bilden. Rätselhaft blieb und allerdings, weshalb sich mehrere kleine Gräben oder Furchen wie von selbst bildeten. Dabei sind wohl einige der Stücke des trockenen Bodens regelrecht abgeplatzt. Vielleicht kann ja jemand aus meiner Leserschaft dieses Geheimnis lüften.

Zurück ging es vorbei am Bauernhof. Erst jetzt nahmen wir uns die Zeit die Reste der dorischen Besiedelung zu betrachten. Wenn man sich dann umdreht und sieht, was von dieser einst mächtigen Stadt geblieben ist, dann bekommt man eine Ehrfurcht vor der unerbittlichen Zeit. Reiche entstehen, Reiche vergehen. Wir sind nur Touristen und Zeugen eines ganz kleinen Ausschnitts des ewigen Wandels.

Jetzt liegen die Reste aus zweitausendjähriger Besiedelung einträchtig neben- und untereinander, geschaffen von Dorern, Helenen und Byzantinern. Alles vergangen.

Quellen: Wikipedia, globetrottel.net.
Der Palmenstrand hatte mir auch sehr gut gefallen.
Was sich wirklich gelohnt hatte, war der kleine Aufstieg zum Aussichtspunkt.
😘😎
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Ist auch ein bemerkenswerter Ort!
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